Kaum ein Unternehmen wird weltweit gleichzeitig so gefeiert und gefürchtet wie Palantir. Der US-Softwarekonzern baut Programme zur Datenanalyse. Sie werden in der Privatwirtschaft eingesetzt, aber auch in Behörden zur Verbrecherjagd. Die amerikanische Ermittlungsbehörde FBI oder der US-Auslandsgeheimdienst NSA nutzt die Software - aber auch Staaten wie die Ukraine und Israel sowie einige deutsche Landespolizeien arbeiten mit Software von Palantir.
Kritiker haben Angst davor, dass die Programme zu einem Überwachungsstaat und Massenverfolgung führen können, aber an der Börse erlebt Palantir einen riesigen Schub. Das Kursplus seit Börsengang im Jahr 2020 beträgt Stand Januar 2026 etwa 1.650 Prozent. Anna Planken und David Ahlf checken in der neuen Folge "Palantir. Der umstrittene Börsenstar" des ARD-Plusminus-Podcasts den Hype um die Aktie, sprechen über das Geschäftsmodell und über den exzentrischen Mitgründer Alex Karp - und klären, ob das Unternehmen längst überbewertet ist.
Börsenwert von Palantir - gerechtfertigt oder eine Blase?
In Aktienforen wird diskutiert, ob Palantir ein so genannter "Meme-Stock" ist: eine Zocker-Aktie, die nur durch Social-Media-Diskussionen hochgetrieben wird - so wie das zum Beispiel bei dem US-Computerspielehändler Gamestop im Jahr 2021 der Fall war.
Der Konzern Palantir liefert - anders als damals Gamestop - allerdings seit einigen Jahren gute Zahlen - auch wenn es nach der Gründung rund 20 Jahre gedauert hat, bis das Unternehmen 2022 erstmals Gewinn machte. Mittlerweile wächst der Gewinn sehr schnell und es gibt langfristige Verträge mit Behörden. Man könnte also sagen: Das Unternehmen verfügt über eine solide Basis.
Viele Analysten sagen trotzdem, das Unternehmen sei mit einem aktuellen Börsenwert von 400 Milliarden Dollar überbewertet. Palantir hat beispielsweise innerhalb weniger Jahre Europas größten Softwarekonzern SAP übertrumpft. Es gibt auf der anderen Seite aber auch Analysten, die sich vor allem mit Tech-Konzernen und Künstlicher Intelligenz beschäftigen und die glauben, dass die Aktie noch weiter steigen wird.
Was für und gegen nachhaltigen Erfolg von Palantir spricht
Dass Palantir immer mehr Kunden aus der Privatwirtschaft gewinnt, spricht für ein weiterhin schnelles Wachsen des Unternehmens. Unter den Kunden sind große Konzerne wie Airbus oder das deutsche Pharmaunternehmen Merck - letzteres nutzt die Datenanalyse in der Krebsforschung. Und weitere Firmen kommen dazu. Dieses wachsende Geschäft mit der Privatwirtschaft reduziert die Abhängigkeit Palantirs von einzelnen großen Behördenaufträgen. Außerdem ist der Konzern auch beim Thema Künstliche Intelligenz gut aufgestellt, liefert für die Privatwirtschaft mit seinen Produkten ein Komplettpaket, eine KI-gestützte Analyse- und Entscheidungshilfe.
Auf der anderen Seite wächst die Konkurrenz. Palantir hat zwar einen Vorsprung mit mehr als 20 Jahren Erfahrung, aber der Konzern ist auch umstritten. Einige Behörden könnten sich zum Beispiel mittelfristig für andere Anbieter entscheiden, die in Europa sitzen und nicht in den USA. Und: Die Erwartungen, die sich im Aktienkurs widerspiegeln, sind enorm hoch. Auch daran könnte Palantir ein Stück weit scheitern. Wenn den Aktionären die Entwicklung nicht gefällt, kann der Kurs auch sehr schnell wieder fallen.
Warum der Einsatz von Palantir-Software umstritten ist
Die Kritik richtet sich vor allem dagegen, dass Behörden die Software nutzen. Die Kernfrage ist: Wollen wir hoheitliche, staatliche Aufgaben wie Verbrechensbekämpfung, Geheimdienstarbeit oder Militärverwaltung in die Hände eines privaten US-Konzerns legen? Diese Diskussion haben wir in Deutschland zum Beispiel bei der Frage, ob Palantir-Software für die Polizei bundesweit zum Einsatz kommen soll. Denn der Software-Code ist geheim. Das bedeutet: Wie die Software arbeitet, weiß niemand außer Palantir.
Auch wenn eine Software selbst nicht böse sein kann: sie kann missbraucht werden. Kritiker sagen: Mit Palantir-Software könnten theoretisch alle Einwohner eines Landes überwacht und kontrolliert werden, zum Beispiel mit Bewegungsprofilen.
Auch die handelnden Personen im Palantir-Konzern sind umstritten, darunter der Mitbegründer Peter Thiel, ein Multimilliardär, der vor der Ankunft des "Antichristen" warnt und als Sympathisant des ebenfalls umstrittenen US-Präsidenten Donald Trump gilt. Auch der langjährige Palantir-Firmenchef Alex Karp wird immer wieder dafür kritisiert, dass er sehr ideologisch auftrete, wenn er etwa von der "Verteidigung des überlegenen Westens" spricht - mit Hilfe von Palantir-Produkten.