Sparsamer und schonender

Smarte Sauberkeit: Wenn die Waschmaschine schlau wird

Smarte Waschmaschinen erkennen den Stoff der Wäsche, wählen die richtige Temperatur und Dosierung des Waschmittels. Funktioniert das wirklich? Neue Entwicklungen fürs Waschen.

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Von Autor/in Martin Küstermann, Sven Marcinkowski

Wäsche waschen muss sein. Spaß macht es aber den wenigsten Menschen. Und wer kennt schon alle Programme und Optionen seiner Waschmaschine - muss man bald auch nicht mehr, wenn die Waschmaschinen smarter werden.  

Wie können sie uns das Waschen leichter machen? Wie viel künstliche Intelligenz steckt bereits in den Geräten? Und was spart das an Wasser, Waschmittel und damit auch an Geld?  

Was smarte Waschmaschinen heute schon beherrschen

Den Start des Waschprogramms im Voraus programmieren oder das Waschmittel dosieren können viele neuere Waschmaschinen heute bereits.   

Patrick Bellmer, Technik-Experte beim Internetportal heise online, betont allerdings: „Nicht überall, wo Smart draufsteht, ist auch Smart drin. Das ist ein schöner Marketingbegriff, den man ja auch aus anderen Bereichen des Haushalts kennt. Darum lohnt es sich, ganz genau zu gucken, was wird da als Smart beworben und ist das wirklich hilfreich?“ 

Waschmittel-Dosierung: Risiko Mensch

Schon länger auf dem Markt ist die automatische Waschmittel-Dosierung. Die findet der Experte durchaus smart.  

Bellmer weiß: „Studien besagen, dass der durchschnittliche deutsche Nutzer einer Waschmaschine so 30 bis 40 Prozent zu viel Waschmittel einfüllt. Und das macht sich dann bemerkbar. Wenn man die Lebensdauer einer Waschmaschine anschaut, so mit etwa zehn Jahren rechnet, dann bewegt man sich im Bereich von 200, 250, vielleicht sogar 300 Euro, die man sparen kann mit einer Dosierungsautomatik.“ 

Zum Beispiel das System von Miele. Patrick Bellmer erklärt: "Da ist der Hauptbestandteil dieser Tank, besser gesagt zwei solcher Tanks. Das sind zwei Waschmittel, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten eingelassen werden. Da hat man in der Maschine unten ein großes Fach, wo man die einfach reinsteckt. Wird automatisch abgepumpt, je nachdem wie viel Waschmittel benötigt wird." 

Naheliegend: Miele empfiehlt das firmeneigene Waschmittel – so sei das optimale Waschergebnis gesichert. Richtig sparen kann man aber erst mit der Verwendung günstigerer Flüssigwaschmittel. Auch bei den Dosierungssystemen anderer Hersteller lassen sich gängige Flüssigwaschmittel verwenden. 

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Das richtige Waschprogramm – schwierige Entscheidung

Schon lange glänzen viele Waschmaschinen mit einer Vielzahl von Programmen, da fällt die Auswahl oft schwer. Viele Verbraucher benutzen deshalb nur eine überschaubare Auswahl der möglichen Waschprogramme ihres Geräts. Kann eine smarte Waschmaschine helfen? 

In manchen Geräten steckt laut Herstellern Künstliche Intelligenz (KI). Beim Hersteller LG beispielsweise heißt das AI DD. Patrick Bellmer von heise online erklärt: „LG sagt, dass die AI DD-Funktion erkennt, was ich für Wäsche in der Maschine habe, also was für Stoff. Und dann wird unter anderem die Bewegung der Trommel angepasst, sodass das optimale Waschergebnis zustande kommen soll.“ 

Aber die KI kann das meist nicht bei jeder beliebigen Waschladung, sondern nur unter bestimmten Bedingungen. Patrick Bellmer weiß, manche Hersteller limitieren die Verwendung der KI, wenn Maschinen ganz voll beladen werden. Andere nutzen die KI nur bei bestimmten Stoffarten, wieder andere nur bei Wäsche, die über 40 Grad Wassertemperatur verträgt. „Das heißt, im Prinzip sind diese ganzen Programme smart mit Einschränkungen.“ 

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Lernende Waschmaschinen per KI 

Auch Samsung wirbt mit KI. Die Funktion „AI Wash“ würde sogar mitlernen. Die Maschine würde die letzten zehn Wäschen analysieren und auf Basis dessen die Zahl der Spülgänge und die Waschmitteldosierung anpassen. Sollte die Wäsche einmal schmutziger sein, würde die Maschine aber auch darauf reagieren.

Experte Patrick Bellmer sieht hier eine gewisse Intelligenz als Voraussetzung, um die zehn Waschvorgänge auswerten und den elften darauf ausrichten zu können. Allerdings schränkt er ein: „Ich würde das als adaptive Systeme bezeichnen und nicht als waschechte künstliche Intelligenz.“

Waschmaschinen bedienen per App

Viele Waschmaschinen lassen sich zudem per App bedienen. Patrick Bellmer erklärt: „Wenn ich sie soweit fertig habe, also Wäsche drin, Programm ausgewählt und dann drücke ich aus der Ferne auf dem Smartphone, auf dem Tablet einfach den Startknopf und dann geht sie los. Das Praktischste ist, ich bekomme die Information, wenn die Wäsche fertig ist. Ich laufe also nicht völlig umsonst in den Keller oder wo auch immer die Waschmaschine steht, sondern kann zielgenau loslaufen - ist sehr komfortabel.“ 

Viele der smarten Funktionen bringen also durchaus mehr Komfort und weniger Kosten. 

Smarte Waschmaschinen der Zukunft: neue Entwicklungen

Am Fraunhofer Institut in Paderborn forscht Stephan Stieren daran, Waschmaschinen besser zu machen. Dazu gehört etwa, Wasser so effizient wie möglich zu nutzen. Beispiel die Pumpe – bisher haben viele ältere Maschinen genau eine Pumpe. 

Der Experte erklärt: "Wir haben hier zwei Pumpen und zwar eine normale Ablaufpumpe für das Wasser, womit das Wasser entsorgt wird direkt aus der Waschmaschine und eine zweite Pumpe, das ist eine sogenannte Umlaufpumpe, wo das Wasser im Kreis gepumpt wird. Dadurch, dass es im Kreislauf läuft, sind wir extrem viel nachhaltiger und können extrem viel Wasser sparen." 

Ökoprogramme moderner Waschmaschinen können teils mit unter 40 Litern pro Waschgang auskommen. Laut Ökotest verbrauchen zehn Jahre alte Modelle rund zehn Prozent Wasser mehr. Bei 20 Jahre alten Geräten steigt der Mehrverbrauch sogar um ein Viertel. 

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Stephan Stieren erklärt den Unterschied bei der Wassernutzung. Er belädt zwei Geräte, eines mit älterer und eines mit neuerer Technik.  

Nach kurzer Zeit bildet sich in der Maschine mit nur einer Pumpe ein Wasserbad, durch das die Wäsche gezogen wird. Bei Modellen mit zwei Pumpen wird der Stoff eher besprüht. Dafür sitzt die Wasserdüse meist direkt vorne am Glas und nicht mehr versteckt im Gehäuse.  

Der Experte weiß, das liegt an den Verbrauchern. „Der Kunde möchte hier gerne Wasser sehen in den Maschinen. Dadurch wurde die Düse so angebracht, dass beim Einlauf wirklich das Wasser sichtbar ist. Wenn das nicht wäre, würde man hier kaum noch Wasser sehen in der Maschine.“   

Die Technik mit zwei Pumpen setzt sich mittlerweile durch, Maschinen mit einer Pumpe gibt es nur noch im günstigen Segment.  

Wäsche schonend waschen – ohne Rippen in der Trommel 

Stephan Stieren vom Fraunhofer Institut in Paderborn erklärt, besonders strapaziert werde die Wäsche bislang durch die bekannten Rippen in der Waschtrommel, die die Wäsche durchmischen. Jens Holtkötter vom Waschmaschinenhersteller Miele arbeitet seit Jahren mit ihm zusammen.  

Gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut hat der Hersteller eine Trommel entwickelt, die keine Rippen hat, sondern eine spezielle Wabenstruktur. Die Wäschedurchmischung funktioniert hier durch neu entwickelte Drehbewegungen.  

Wie die smarte Waschmaschine den Stoff erkennt

Auch andere Hersteller entwickeln ihre Geräte permanent weiter. Manche Maschinen können sogar erkennen, welche Materialien in der Trommel sind. Dafür misst das Gerät wie viel Wasser von der trockenen Wäsche aufgenommen wird.  

Baumwolle zum Beispiel nimmt viel Wasser auf, viele Kunstfasern oder Seide nur wenig. Je nach Beladung steuert die Maschine dann die Wassermenge, wählt das passende Waschmittel aus und dosiert es sogar.  

Künstliche Intelligenz im Gerät

In Zukunft werden Waschmaschinen wohl noch selbstständiger und intelligenter, meint Forscher Stephan Stieren vom Fraunhofer Institut Paderborn. Bislang wird Künstliche Intelligenz (KI) bei den meisten Herstellern vor allem in der Entwicklung genutzt, weniger im Produkt. Künftig sollen auch die Waschmaschinen selbst noch besser dazulernen können. 

Stieren erklärt: "Es wird in Zukunft noch mehr dahin gehen, dass Daten ausgetauscht werden, dass Daten innerhalb der Maschine auch weiterverarbeitet werden, dass man auch das Nutzererlebnis optimiert und anlernt.“  

Die nächsten großen Themen, so der Experte, seien, die Daten in der Maschine zu nutzen. Künstliche Intelligenz wird die Waschmaschinen der Zukunft wohl noch komfortabler und sparsamer machen.  

Lässt sich eine Waschmaschine ins Smart-Home-System integrieren?

Wer bereits ein System für das Smart Home zuhause hat, kann auch die Waschmaschine einfügen und optimieren. „Aber alles muss kompatibel sein“, betont Marktcheck-Technik-Experte Andreas Reinhardt. Beim Kauf einer smarten Waschmaschine ist es also wichtig, darauf zu achten, dass sie ins vorhandene System passt.  

Ohne Smart-Home-System kann man auf jeden Fall die Sprachsteuerung etwa über Alexa, Google oder Amazon für die Waschmaschine nutzen. 

Wer eine Photovoltaik-Anlage hat, kann die Waschmaschine ferngesteuert laufen lassen, sobald gerade Strom produziert wird. Eine Waschmaschine braucht am meisten Strom beim Aufheizen, weniger für die Bewegung der Wäsche in der Maschine während des Waschvorgangs. 

Wie viel kostet eine Smarte Waschmaschine?

Die Technik der smarten Haushaltsgeräte hat sich bereits enorm weiterentwickelt. Es kommen immer neue Features hinzu, die das Waschen angenehmer und sparender machen - und es geht noch weiter. 

Die Bandbreite bei den Kosten ist ähnlich groß wie bei den smarten Funktionen: Einfach vernetzte Maschinen – zum Beispiel mit App und Fernsteuerung - gibt es bereits ab etwa 300 Euro.  

Mit Dosierungsautomatik, Smart-Home-Integration und je nach Ausprägung der Sensorik zur Wäscheerkennung geht der Preis in Richtung 1.000 Euro und mehr. Insgesamt werden die Maschinen aber immer günstiger - wie immer, wenn neue Techniken auf den Markt kommen.

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