Alternative Energien

Windräder und Artenschutz - wie funktioniert beides zusammen?

Die Erzeugung von Windenergie und der Schutz von bedrohten Vögeln und Fledermäusen stehen im Konflikt: Immer wieder verenden Tiere in Rotorblättern. Forscher wollen das ändern.

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Stand

Von Autor/in Susanne Henn

Eigentlich sollten sich Windräder drehen, sobald Wind weht, und Energie erzeugen – ohne Vögel oder Fledermäuse zu töten, also den Artenschutz zu stören. Doch leider passiert genau das trotzdem immer wieder. Mit Konsequenzen: An manchen Orten müssen Windräder über Monate hinweg stillstehen.

Windräder stehen still für den Rotmilan

So auch auf dem Windenergie-Testfeld in Donzdorf auf der Schwäbischen Alb. Weil hier der Rotmilan brütet, dürfen die Rotoren von Anfang Mai bis Ende Juli nicht laufen. Forscher des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) in Stuttgart wollen jetzt herausfinden, wie sich Windenergie und Artenschutz versöhnen lassen.

Wir wissen zu wenig darüber, warum Kollisionen passieren und wie man sie verhindern kann. Und deshalb haben wir dieses Testfeld genutzt, um uns der Sache forschungsmäßig genauer zu nähern.

Testfeld für Windräder wird zum Versuchslabor

Eigentlich wird auf dem Energie-Testfeld geprüft, wie sich die Erzeugung von Windenergie an der Steilstufe der Schwäbischen Alb verbessern lässt: Zwei 100 Meter hohe Windräder und vier Testmasten - vollgestopft mit Technik.

Es geht um Windgeschwindigkeit und Windrichtung, um Luftdruck, Regenwahrscheinlichkeit et cetera. Alles Dinge, die man wissen muss, wenn man Windräder effektiv einstellen will. Aber die Masten können noch mehr.

An 24 Stellen hier im Testfeld werden die Fledermäuse in vier verschiedenen Höhen erfasst, damit wir wissen, wo sie sich aufhalten. Gleichzeitig erfassen wir an diesen Stationen auch Insekten. Denn es liegt nahe, dass Fledermäuse sich da aufhalten, wo auch Insekten sind, da das ihre Nahrung ist.

KI hilft bei Vogelerkennung

Im Mittelpunkt der Forschung steht aber der Rotmilan. Mehrere Paare brüten in der Nähe des Testfelds. Um herauszufinden, wie sie auf Windräder reagieren, wurden einige von ihnen mit einem GPS-Sender ausgestattet.

Mehr als ein Dutzend Kameras - der sogenannte Birdrecorder - scannen jeden Tag 24 Stunden den Luftraum über dem Testfeld. Mit Hilfe von KI kann erkannt werden, ob ein Vogel, der sich nähert, ein Rotmilan ist.

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Wie lässt sich der Rotmilan schützen

Im Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung in Stuttgart wertet Frank Musiol die Daten aus. Besonders interessieren ihn die Daten aus dem Birdrecorder, um die nächsten Schritte planen zu können.

Was wir vor allem untersuchen wollen, ist, ob sich die Tiere anders verhalten, wenn sich die Windenergieanlagen langsamer drehen. Erkennen sie dann die Anlagen besser und weichen aus? Dann könnte man mit Anti-Kollisionssystemen die Tiere detektieren, die Anlagen drosseln und so zum Schutz des Rotmilans beitragen.

Möglicherweise ist es auch nötig, die Anlage für wenige Minuten ganz zu stoppen, bis der Vogel vorbeigeflogen ist. Auch das ist Teil der Forschung.

Daten gut für Tiere und Windanlagenbetreiber

Das Projekt, das vom Bundesumweltministerium und vom Bundesamt für Naturschutz finanziert wird, soll noch mindestens zwei Jahre laufen. Die bisher rund 2,5 Millionen Euro sind gut investiert, so die Forscher.

Denn so könne man erreichen, dass Windparks, die in der Nähe von bedrohten Arten betrieben werden, nicht mehr so oft abgeschaltet werden müssen.

Wenn man zum Beispiel mit anderen Sensoren oder aufgrund anderer Erkenntnisse diese Abschaltzeiten flexibler gestalten könnte, dann würde das Potential sich bestimmt vergrößern.

Sensoren könnten auf Vögel reagieren

Denn dann könnte man die Windräder mit Sensoren ausstatten, die auf fliegende Tiere in einer bestimmten Höhe reagieren. Diese Sensoren würden nur einen Bruchteil der Gesamtkosten ausmachen.

Verpflichtend einführen könnte man sie allerdings nur für neu genehmigte Windräder. Bei bereits bestehenden Anlagen wäre eine solche Nachrüstung freiwillig.

Aber diese Sensoren könnten dafür sorgen, dass Windräder länger laufen und mehr Energie erzeugen könnten. Das würde auch den Gewinn der Betreiber erhöhen.

So ließen sich die für den Klimaschutz so wichtige Windenergie und der ebenso wichtigen Artenschutz möglicherweise auf Dauer versöhnen.

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Autor/in
Susanne Henn
Onlinefassung
Jenny Beyen