Psychologin über Stress im Alltag

Darum ist es wichtig, auch mal nichts zu tun

Der Alltag kann oft zur Belastung werden. Was dabei häufig zu kurz kommt, ist die Entspannung. Psychologin Antonia Lutterbach empfiehlt: Wir sollten mehr in uns selbst reinhören.

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Stand

SWR1: Warum ist es so wichtig, einfach mal nichts zu tun?

Antonia Lutterbach: Unser Alltag ist inzwischen sehr davon bestimmt, dass wir mit unserem Kopf ständig beschäftigt gehalten werden oder uns selbst beschäftigen, indem wir jede kleine Pause mit dem Blick aufs Handy füllen.

Dazu gibt es inzwischen sehr viele Forschungen und vielleicht auch das eigene Erleben, dass das auch zu Unruhe führen kann. Dazu, dass man Schwierigkeiten hat, sich zu entspannen. Umgekehrt formuliert ist es total wichtig, in diesem oft vollen Alltag ab und zu mal zu entspannen oder etwas zu genießen und sich selbst einen Moment der Ruhe und der Pause zu gönnen.

SWR1: Das kann nicht jeder. Einige haben dann vielleicht auch ein schlechtes Gewissen.

Lutterbach: Das stimmt! Ich glaube, das ist ein Missverständnis, dass wir uns dieses Nichtstun oft so vorstellen, dass wir uns auf das Sofa lümmeln und bewegungslos herumliegen und dann entspannen sollen. Aber de facto wäre es eigentlich viel sinnvoller zu überlegen, wie kann denn so ein Kontrast zum Alltag aussehen?

Viel sinnvoller wäre es zu überlegen, wie kann ein Kontrast zum Alltag aussehen?

Entspannungstipp: Einen Ausgleich suchen und die Balance finden

Wenn ich beispielsweise einen Tag hatte, der vollgestopft war mit fremdbestimmten Terminen, bei denen ich mich sehr konzentrieren musste und vielleicht auch noch viel gesessen habe, dann ist mein Ausgleich vielleicht abends alleine ein Hörbuch zu hören und mich dabei sogar zu bewegen.

Nichtstun ist oft gar nicht so die pauschale Antwort, wenn ich mich wieder in die Balance bringen will. Sondern ich müsste mich eher fragen, wovon will ich mich denn erholen und wie kann ich mich ausbalancieren?

Körper und Seele brauchen ja auch manchmal unterschiedliche Sachen. Also wenn der Körper den ganzen Tag im Büro gehockt hat, dann braucht der vielleicht frische Luft und Bewegung, aber mein Kopf will sich vielleicht mal nur auf eine Sache, nur auf ein Gespräch oder einen Input-Kanal konzentrieren.

SWR1: Was raten Sie Menschen, die vielleicht Schwierigkeiten haben, einfach mal nichts zu tun oder sich auf sich selbst zu konzentrieren?

Lutterbach: Statt aufs Handy zu gucken, mal fünf tiefe Atemzüge nehmen und mal zu registrieren: Wie fühlt sich mein Körper eigentlich gerade an, habe ich da irgendein Bedürfnis? Kann ich vielleicht sogar mal ein Gefühl wahrnehmen? Und dann zu gucken, wie kann ich denn darauf irgendwie eingehen?

Statt aufs Handy zu gucken, mal fünf tiefe Atemzüge nehmen und registrieren: Wie fühlt sich mein Körper eigentlich gerade an, habe ich da irgendein Bedürfnis?

Tipp der Psychologin: In mich reinhören und fragen: Was brauche ich?

Zum Beispiel: Fühle ich mich jetzt gerade angespannt, weil ich den ganzen Tag hier mit eingezogenen Schultern an meinem Schreibtisch saß? Dann stehe ich vielleicht mal auf und rolle die Schultern ein paar Mal nach hinten. Damit fängt es an, mit so kleinen Momenten, wo ich mal versuche, mich selbst zu verstehen, darum geht es ja am Ende.

Dieses Nichtstun könnte man eher auf diesen Moment beziehen, wo ich mal innehalte, wirklich nichts tue, um mich dann zu fragen: Was bräuchte ich jetzt eigentlich als Ausgleich?

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Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Frank Jenschar
SWR1 RP Moderator Frank Jenschar
Interview mit
Antonia Lutterbach (Diplom-Psychologin & Psychol. Psychotherapeutin)