Mit Weiterbildung dem Wandel in Deutschland begegnen
SWR1: Ohne Weiterbildung rosten wir ein, oder?
Dr. Ute Leber: Genau, Weiterbildung ist heute sehr wichtig und sehr viel wichtiger denn je. Das hat verschiedene Gründe. Ich denke, wir alle können beobachten, dass sich der Arbeitsmarkt oder generell unser Umfeld, in einem tiefgreifenden Wandel befindet. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass man sich weiterbildet und seine Fähigkeiten an diese stetigen Änderungen anpasst.
Jede Branche sollte an Weiterbildungen teilnehmen
SWR1: Betrifft das alle Branchen oder gibt es welche, in denen es besonders wichtig ist?
Leber: Ich denke, grundsätzlich ist Weiterbildung in allen Branchen wichtig. Der technologische wie auch der ökologische Wandel führen dazu, dass sich Tätigkeiten verändern oder wegfallen, andere dagegen neu entstehen. Vor dem Hintergrund ist es wichtig, dass wir uns weiterbilden, um den Anschluss nicht zu verlieren. Das gilt für alle Branchen, für alle Berufe.
Aber ich denke, es gibt manche Bereiche, in denen dieser Wandel noch schneller vonstattengeht als in anderen. Lange Zeit wurden in dem Zusammenhang vor allem produzierende, fertigende Berufe genannt, die zum Beispiel durch Industrieroboter ersetzt werden konnten.
Mittlerweile hat aber die Digitalisierung eigentlich alle Branchen erreicht, gerade auch hochkomplexe Tätigkeiten, oftmals im Dienstleistungsbereich. Zum Beispiel werden Finanz- und Versicherungswesen in dem Zusammenhang oft genannt. Deswegen ist es besonders wichtig, dass man sich wirklich ständig weiterbildet.
Weiterbildung im europäischen Vergleich
SWR1: Laut einer europäischen Studie, sind Menschen in den skandinavischen Ländern beim Interesse für Weiterbildung ganz vorne und Deutschland ist ziemlich weit hinten. Warum?
Leber: Wir wissen aus verschiedenen Untersuchungen, dass auch die Personen in Deutschland Interesse an Weiterbildung haben. Aber diese Studien zeigen, in anderen Ländern wird mehr weitergebildet. In Deutschland haben wir zusätzlich das Problem, dass die Ungleichheit der Weiterbildung relativ groß ist.
Wir haben auf der einen Seite die hochqualifizierten Personen in mittleren Altersgruppen, die sehr häufig an Weiterbildungen teilnehmen. Auf der anderen Seite aber die geringer Qualifizierten, die nur sehr wenig teilnehmen, auch die Älteren. Und diese Lücke ist in Deutschland besonders groß zwischen den verschiedenen Beschäftigtengruppen.
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Förderung von Weiterbildungen durch das Unternehmen
SWR1: Haben Chefs keinen Hebel oder nehmen sei es vielleicht nicht wichtig genug und spornen nicht genug an?
Leber: Ich denke, Informationsdefizite spielen eine relativ große Rolle und in Deutschland vielleicht eine größere Rolle als in anderen Ländern. Wir wissen aber auch, dass es andere Faktoren sind. Es sind zeitliche und finanzielle Restriktionen seitens der Beschäftigten, dass diese nicht teilnehmen.
Oftmals sind es auch Ängste, gerade bei den Geringqualifizierten, die besonders selten an Weiterbildung teilnehmen. Ich glaube, hier haben die Vorgesetzten auch eine ganz wichtige Rolle, dass es auch darum geht, diese Ängste zu nehmen und zu versuchen, möglichst viele Leute in Weiterbildungen einzubeziehen.
Teilnahme an Weiterbildungen – ein Zeitproblem?
SWR1: Sind die Beschäftigten zu beschäftigt mit ihrem Job, um mal für zwei Tage in der Fortbildung zu verschwinden?
Leber: Genau. Zeitliche Restriktionen spielen auch eine Rolle. Das zeigt sich immer wieder in Untersuchungen, dass viele sagen, sie hätten keine Zeit, sich weiterzubilden. Das sagen genauso auch die Betriebe.
Da muss man natürlich über passende Arrangements nachdenken. Wie kann man ein Lernen trotzdem ermöglichen? Vielleicht auch eher auf digitales Lernen, also E-Learning, setzen. Oder dass man zu anderen Zeiten lernt, in denen man vielleicht nicht ganz so voll ausgelastet ist. Ich denke, da gibt es Möglichkeiten, diesen zeitlichen Restriktionen zu begegnen.