Anja Kriete begleitet in Koblenz Menschen auf dem Weg in eine neue berufliche Zukunft. Im Interview verrät sie, wie sie ihre Klienten beim Jobwechsel unterstützt.
Individuelles Coaching beim Jobwechsel
SWR1: Was war für Sie der krasseste Fall von beruflicher Veränderung, den Sie betreut haben?
Anja Kriete: Ich hatte mal einen Klienten da, der tatsächlich Maschinenbau studiert hatte und sehr viel Zeit investiert in das Studium hatte. Dann ist er sehr gut untergekommen in seinem Job und hat dann relativ schnell nach einem Jahr bemerkt: Mensch, das ist gar nicht das, was ich anstrebe. Das gefällt mir gar nicht. Er hat dann um drei Ecken ein Praktikum als Krankenhausclown erhalten. [...]
Er war sehr stark am Zweifeln. Soll ich das machen? Soll ich nochmal ein Praktikum dranhängen? Mir das vielleicht länger mal anschauen? Er ist dann ins Coaching gekommen und wir haben ausgearbeitet, dass es genau das ist, was er machen wollte. Es hat geklappt. Er ist glücklich.
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Mut für den Wechsel entwickeln
SWR1: Wie begleiten oder unterstützen Sie Menschen, die sich beruflich verändern wollen?
Kriete: Es geht beim Coaching darum, nicht Ratschläge zu geben, sondern einfach zu schauen, was ist eh schon da? Also so eine persönliche Standortbestimmung zu machen. Was ist demjenigen wichtig, der mir gegenüber sitzt? In welcher Situation steckt der? Was kann er gut? Und was interessiert ihn auch vielleicht so über den Tellerrand hinaus?
Ein Plan B sollte keine Notlösung sein oder etwas, wo man denkt, ich flüchte da rein.
Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, in die man für einen beruflichen Neustart gehen könnte. Es muss nicht immer der große Wurf sein. Es ist mir ganz wichtig beim Coaching, dass ich sage, das Wichtigste ist einfach, Mut zu entwickeln. Dafür gibt es ja so kleine Mutstrategien, wie zum Beispiel zu sagen: "Kleine Schritte sind gut. Man muss nicht sofort alles oder nichts machen".
Oder vielleicht auch in einen Austausch zu gehen mit anderen Menschen, die vielleicht schon den Wechsel geschafft und das auch wirklich positiv umgesetzt haben. Praktika, Nebenjobs zum Ausprobieren. Aber das Allerwichtigste finde ich persönlich: So ein Plan B sollte eben keine Notlösung sein oder etwas, wo man denkt, ich flüchte da rein.
Die Leidenschaft für den Plan B ist beim Jobwechsel entscheidend
SWR1: Dass der bisherige Job blöd ist, reicht nicht. Man muss für den neuen Job unabhängig vom alten Leidenschaft entwickeln?
Kriete: Das finde ich schon! Ansonsten trägt das einen nicht durch diese Phase, die ja auch eine Umbruchphase ist. Und was wichtig ist, ist, dass man eben eine geplante Route hat und dass es keine Flucht ist. Das finde ich sehr wichtig, wenn man das betrachtet.
SWR1: Kommt es vor, dass Menschen bei Ihnen sitzen mit einem Plan B, den Sie für kompletten Schwachsinn halten?
Kriete: Nein, ich bin immer sehr neutral, was das angeht. Jeder Mensch hat seine eigene Leidenschaft. Und ich denke einfach, wenn es das ist, was jemand gerne machen möchte, dann sind die meisten auch wirklich gut darin, weil das intrinsisch so getriggert ist.
Jeder Mensch hat seine eigene Leidenschaft.
Finanzielles Polster, um Druck zu mindern
SWR1: Braucht man einen Plan C für den Fall, dass der Plan B scheitert?
Kriete: Es ist immer gut, nochmal zu gucken, was das Finanzielle angeht. Also sich ein Finanzpolster aufzubauen, um den Druck zu mindern, finde ich immer sehr wichtig, falls es dann doch scheitert.
Das ist vor allen Dingen für diejenigen wichtig, die sich schon beruflich etwas aufgebaut haben, die ein Haus abzuzahlen haben oder eine Familie haben. Da einfach zu gucken, wie kann ich das finanziell abfedern, falls es doch nicht klappt.