Bei der ARD-Online-Aktion haben bisher 70.000 Menschen teilgenommen. Auf die Frage, ob das Geld in Deutschland gerecht verteilt ist, gaben über 80 Prozent der Befragten an, dass sie die Verteilung für ungerecht halten.
"Umverteilung des Reichtums" ist das Buch und das Thema von Professor Christoph Butterwegge.
Viele halten das Geld in Deutschland für nicht gerecht verteilt
SWR1: Über 80 Prozent - das ist ein starkes Gefühl, ein starker Eindruck. Überrascht Sie das?
Chistoph Butterwegge: Nein. Diese subjektive Einschätzung der allermeisten Menschen entspricht der objektiven Lage. Auf der einen Seite dringt die Armut immer stärker in die Mitte der Gesellschaft vor. Natürlich auch stark beeinflusst von den Krisen, also der Pandemie, der Energiepreisexplosion und der Inflation.
Da sieht man, dass die Gesellschaft auseinanderdriftet. Das heißt, das Gefühl, dass es ungerecht zu geht, ist objektiv richtig.
Auf der anderen Seite konzentriert sich der Reichtum immer stärker in wenigen Händen bei sehr Reichen. Ich nenne sie "hyperreich", weil das nicht super und toll ist, wenn Menschen Milliardenvermögen besitzen. Da sieht man, dass die Gesellschaft auseinanderdriftet. Das heißt, das Gefühl, dass es ungerecht zu geht, ist objektiv richtig.
Ergebnisse der ARD-Studie "Deine Meinung zählt!" Soziale Gerechtigkeit: Stabile Mitte im Südwesten unter Druck
Die Menschen im Südwesten setzen stark auf Leistung - und zeigen sich vergleichsweise zufrieden. Doch auch hier gibt es eine Skepsis gegenüber der Fairness des Systems.
Butterwegge warnt vor politischem Einfluss der Superreichen
SWR1: Warum tut sich die Politik mit einer Erbschaftssteuer oder auch Vermögenssteuer so schwer? Die hatten wir ja mal.
Butterwegge: Ja. Die ist auch nicht verfassungswidrig, wie Friedrich Merz in einem Chat nach seinem Sommerinterview in der ARD behauptet hat.
Das Bundesverfassungsgericht hat die Vermögenssteuer 1995 nicht für mit dem Grundgesetz unvereinbar erklärt. Die steht nämlich in Artikel 106 Absatz 2 des Grundgesetzes. Das Bundesverfassungsgericht meinte damals, es sei ungerecht, dass die Immobilienbesitzer kaum zur Vermögenssteuer herangezogen wurden, weil die Einheitswerte veraltet waren. Das könnte man natürlich leicht ändern.
Das heißt, die politisch Verantwortlichen drücken sich davor. Ich sage es mal ganz plakativ: Wer sehr reich ist, ist auch politisch einflussreich. Der hat jede Menge Möglichkeiten, nicht nur durch Parteispenden, die es natürlich auch gibt, sondern z.B. auch durch Beeinflussung der öffentlichen Meinung. Man kann sich einen Privatsender kaufen oder Zeitungen besitzen.
Das ist natürlich vor allen Dingen für Milliardäre und Multimilliardäre ein leichtes. Von denen gibt es 256 in unserem Land.
Ungerechte Verteilung von Geld ist eine Gefahr für die Demokratie
SWR1: Ist diese Ungerechtigkeit eine Gefahr für die Demokratie?
Butterwegge: Ja. Wenn die Menschen das Gefühl haben, es geht ungerecht zu, dann vertrauen sie nicht mehr denen, die in den demokratischen Parteien Verantwortung tragen. Dann gibt es natürlich Menschen, insbesondere Anhänger der Mittelschicht, die das Gefühl haben, zwischen oben und unten zerrieben zu werden.
Wenn die Menschen das Gefühl haben, es geht ungerecht zu, dann vertrauen sie nicht mehr denen, die in den demokratischen Parteien Verantwortung tragen.
Das ist in der deutschen Geschichte nicht das erste Mal. Dann tendieren sie dazu, dieses politische, demokratische System infrage zu stellen. Sie wenden sich eher Rechtspopulisten und Rechtsextremisten zu. Davon profitiert natürlich heute die AfD.