Bakterien begleiten uns durchs Leben - ohne dass wir sie sehen oder spüren. Sie leben auf unserer Haut, im Mund und in unserem Darm. Ein bis drei Prozent unseres Köpergewichts macht das Mikrobiom im Darm typischerweise aus.
Erst in den letzten Jahren hat die Forschung begonnen zu verstehen, wie eng diese Mikroorganismen mit unserer Gesundheit verbunden sind. "Ernährung und Mikrobiom" ist deshalb auch das Thema auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, der gerade in Kassel stattfindet.
Das Mikrobiom als Teil unserer Gesundheit
Die Forschung über das Mikrobiom im Darm hat unsere Vorstellung von Gesundheit um eine ganze Dimension bereichert. Die Erkenntnis, dass viele der positiven Wirkungen von Ernährung erst über die Bakteriengesellschaften in unserem Darm möglich werden, ist in der Wissenschaft neu.
Ernährung steuert die Bakterien im Darm
Entscheidend ist dabei, mit den richtigen Nahrungsmitteln dafür zu sorgen, dass sich die richtigen Bakterien in unserem Darm wohl fühlen, erklärt die Ernährungsberaterin Anna Dandekar: "Die unterschiedlichen Bakterien in unserem Mikrobiom ernähren sich jeweils von anderen Arten von Nährstoffen. Und durch die Arten des Futters wird also bestimmt, welche Mikroorganismen wachsen und welche nicht. Wir können damit quasi die Bakterien heranzüchten, die wir uns wünschen…"
Damit lasse sich auch verhindern, dass sich ungünstige Bakterien im Darm vermehren. Konkrete Ernährungsempfehlungen zielen deshalb darauf ab, das Mikrobiom gezielt zu unterstützen. Dandekar betont, dass besonders pflanzenbasierte Ernährung gesund für das Mikrobiom im Darm sei. Dazu kommen, "möglichst unverarbeitete ganze Lebensmittel und der dritte, zusätzliche Punkt ist: möglichst vielfältig Essen. Dadurch werden eben viele unterschiedliche Nährstoffe für uns bereitgestellt.“ Das wird auch durch Studien bestätigt.
Zusammenhang zwischen Darm und Psyche
Falsche Ernährung kann sich auch auf unser seelisches Wohlbefinden auswirken. Etwa weil durch zu viel Zucker und Fett sogenannte Neurotransmitter unterdrückt werden, die wichtig für Glücksgefühle sind, so Anna Dandekar.: "Zucker und bestimmte Fette können außerdem Bakterien reduzieren, die positive Stoffe produzieren, die als Neurotransmittervorstufen im Gehirn wirken.“ Dadurch sei, neben ganz vielen anderen Faktoren auch der Zusammenhang zwischen schlechter Ernährung, mehr Depressionen schlechtere Stimmung erklärbar, so die Ernährungsberaterin.
Probiotika: Nutzen für unser Mikrobiom noch unklar
Nicht immer gelingt es, sich dauerhaft abwechslungsreich und ausgewogen zu ernähren. Viele greifen deshalb zu Probiotika oder anderen Spezialprodukten für den Darm.
Die Studienlage sei für solche Spezialprodukte sehr gemischt, erklärt Dandekar. Deshalb könne man noch nicht genau sagen, wie die Effekte sind: "Es gibt Fälle, bei denen ein Probiotikum Personen sehr geholfen hat. Es gibt aber auch Berichte, wo genau das Gegenteil passiert ist und sogar negative Effekte auftraten. Deshalb wäre ich damit erstmal vorsichtig und würde mir das Geld sparen."
Die grundsätzliche Empfehlung bleibt daher: möglichst abwechslungsreich, frisch und überwiegend pflanzlich essen. Das ist gut für unser Mikrobiom. Und damit auch gut für uns.