In BW zweitwärmster Juni seit Messbeginn

Klimawandel verdreifacht Zahl der Hitzetoten während letzter Hitzewelle

2.300 statt 800 Hitzetote aufgrund des Klimawandels - das ist das Ergebnis einer neuen Studie aus London. Untersucht wurden die fünf heißesten Tage der Hitzewelle im Juni 2025.

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Stand

Von Autor/in David Beck

Zum Teil mehr als 45 Grad – die Hitzewelle in Europa Ende Juni, Anfang Juli trug dazu bei, dass nach 2023 und 2024 auch 2025 wieder ein neuer Rekord aufgestellt wurde: der wärmste Juni seit Beginn der Aufzeichnungen.

Temperaturanzeige vor dem Eifelturm in Paris. Hier erreichten die Temperaturen in der letzten Hitzewelle 45 Grad. Elf weitere Städte, darunter Frankfurt als einzige deutsche Stadt, wurden in der neuen Studie zu Hitzetoten untersucht.
In Paris erreichten die Temperaturen in der letzten Hitzewelle 45 Grad. Elf weitere Städte, darunter Frankfurt als einzige deutsche Stadt, wurden in der neuen Studie zu Hitzetoten untersucht.

Klimawandel sorgt für Verdreifachung der Hitzetote

Wegen des Klimawandels war es an den heißesten Tagen zwei bis vier Grad wärmer als es ohne gewesen wäre. Das schätzen die Forschenden des Imperial College London und der London School of Hygiene & Tropical Medicine, die gemeinsam die Schnellstudie erarbeiteten.

Und das bedeute auch mehr Hitzetote, so das Ergebnis der Studie. In den zwölf untersuchten Städten starben an den jeweils fünf heißesten Tagen insgesamt etwa 2.300 Menschen durch die Auswirkungen der Hitze. Davon sind den Forschenden zufolge 1.500 Hitzetode durch den Klimawandel ausgelöst.

Auch in Baden-Württemberg hat der Juni 2025 nahezu alle Rekorde gebrochen. Mit fast 20 Grad im Mittel war er der zweitheißeste Juni seit Beginn der Messungen – nur 2003 war wärmer.

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Expertin sieht in Studie klares Warnsignal

"Die Studie verdeutlicht eine einfache Tatsache: Mehr Öl, Kohle und Gas zu verbrennen wird mehr Menschen töten", sagt Friederike Otto, Professorin für Klimaforschung am Imperial College in London. Die Zahlen seien zwar Schätzungen, doch andere, unabhängige Studien zeigten, dass sie im richtigen Bereich liegen.

Modellrechnungen geben Zahl der Hitzetote an

Zu den Zahlen kamen die Forschenden, indem sie anhand historischer Wetterdaten ein Modell für die Hitzewelle in den untersuchten Städten erstellten. Da es auch keine genauen Zahlen von Todesfällen durch Hitze gibt, mussten auch diese Zahlen anhand von Modellen geschätzt werden. Ärzte seien oft zögerlich Hitze als Todesursache anzugeben, vor allem wenn die Betroffenen noch weitere Gesundheitsprobleme hatten.

Diese Modelle konnten die Forschenden dann mit den tatsächlichen Daten vergleichen und konnten so ermitteln, dass die Hitzewelle heißer und tödlicher war als sie es ohne den Klimawandel gewesen wäre.

Tödliche Hitzewellen werden häufiger

Hitzewellen wie diese werden wegen des Klimawandels auch häufiger, sagen die Forschenden: "Die meisten der untersuchten Städte werden so eine fünftägige, intensive Hitzewelle wie diese wahrscheinlich alle zwei bis fünf oder sechs Sommer erleben", so Ben Clarke, Klimawissenschaftler am Imperial College in London, der an der Studie beteiligt war.

Vor allem frühsommerliche Hitzewellen im Juni werden zunehmen, so Clarke. Die seien besonders tödlich, weil sich die Menschen noch nicht an die Hitze des Sommers gewöhnt hätten. Ältere Menschen sind besonders von Hitze gefährdet. Etwa 80 Prozent der in der Studie erfassten Hitzetoten seien 65 Jahre oder älter gewesen.

Alte Frau sitzt vor Ventilator. Ältere Personen leiden besonders unter Hitzewellen. Etwa 80 Prozent der in der Studie erfassten Hitzetote waren älter als 65 Jahre.
Ältere Personen leiden besonders unter Hitzewellen. Etwa 80 Prozent der in der Studie erfassten Hitzetote waren älter als 65 Jahre.

Forschende veröffentlichten Ergebnisse besonders schnell

Die Studie wird erst noch von Experten gegengeprüft. Hätte sie den normalen Entstehungs- und Veröffentlichungsprozess durchlaufen, hätte es Monate oder auch Jahre bis zur Veröffentlichung gedauert, sagt Friederike Otto.

Deshalb habe sie sich mit ihrer Arbeitsgruppe auf solche Schnellstudien spezialisiert. Wenn die Hitze bei den Menschen noch frisch im Gedächtnis ist, dann werden sie auch mehr beachtet, sagt sie.

Das sei wichtig, damit auch Entscheidungsträger endlich reagieren würden: "Politik ändert sich in der Regel durch den Druck der Öffentlichkeit oder der Medien. Und da haben wir auf jeden Fall eine Veränderung gesehen in den zehn Jahren seit wir diese Schnellstudien machen", so Otto.

Zu Beginn ihrer Studien habe es noch das Mantra gegeben, man könne einzelne Ereignisse nicht auf den Klimawandel zurückführen. Das habe sich jetzt geändert, so Otto.

So werden Städte fit für den Klimawandel

Städte sind besonders von Hitze und so auch vom Klimawandel betroffen. Sie heizen sich schneller auf und kühlen langsamer ab. Deshalb wurden in der Studie jetzt auch nur Städte untersucht.

Was die Forschenden nicht untersucht haben, ist, was in einer Stadt gegen Hitze helfen kann. An einem Beispiel in der Studie ließe sich aber doch ablesen, dass sich Städte vor Hitze schützen können: Madrid, wo es in der Hitzewelle heißer war, hat doppelt so viele Einwohner wie Barcelona. Trotzdem gab es in Madrid nur halb so viele Hitzetote. Eine Eigenschaft der spanischen Hauptstadt, ob städtebaulich oder sozialpolitisch, muss die Stadt vor Hitze schützen.

Wasserspiel in Karlsruhe. Wasser und Grünflächen können die extreme Hitze, die sich in Städten während Hitzewellen anstaut, eindämmen. Aufgrund des Klimawandels werden solche Anpassungen immer wichtiger.
Ein Wasserspiel sowie Grünflächen können die extreme Hitze, die sich in Städten während Hitzewellen anstaut, eindämmen. Aufgrund des Klimawandels werden solche Anpassungen immer wichtiger.

Aus früheren Untersuchungen wissen die Forschenden, dass in London die Zahl der Hitzetoten in Stadtteilen mit einfacherem Zugang zu Grünflächen weniger Hitzetote zu beklagen haben. Auch Gewässer kühlen Städte ab.

Eine Studie, die in Mexico City durchgeführt wurde, konnte zeigen, dass selbst stehende Autos ein massiver Hitzetreiber in Städten sind. Sie heizen sich tagsüber auf und geben die Wärme dann nachts ab, was verhindert, dass sich die Stadt abkühlen kann. Ein Straßenzug mit parkenden Autos kann so um mehrere Grad wärmer sein, als ohne Autos.

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