Altersfreigabe: ab 0 (verfügbar von 0 Uhr bis 24 Uhr)
Für Viele sind Erkrankungen der Leber mit Alkohol verbunden. Tatsächlich hat etwa eine Fettleber aber nicht immer etwas mit Alkohol zu tun, sondern häufiger mit einer ungünstigen Ernährung und mangelnder Bewegung.
Die metabolische Fettlebererkrankung ist inzwischen die häufigste Lebererkrankung in Deutschland: Millionen Menschen haben sie - viele, ohne es zu wissen, denn sie bleibt lange ohne Symptome. Dabei kann die Erkrankung schwere Folgen haben.
Maßnahmen gegen Fettleber: Eigeninitiative hilft
Die gute Nachricht ist: Wir selbst können Einiges unternehmen, um eine Fettleber zu vermeiden - oder um sie zu bessern. Wir erklären, wer sich checken lassen sollte und was gegen Fettleber helfen kann.
Eine neue Studie zeigt, wie wichtig die Ernährung und Fastenzeiten bei Vorsorge und Behandlung der metabolischen Fettleber sind. Wir erläutern die neuesten Erkenntnisse und zeigen, wie auch die neue Abnehmspritze Betroffenen mit Fettleber helfen kann.
Risiken der metabolischen Fettleber
Fett gehört nicht in die Leber. Ein besonderes Risiko für eine Fettleber haben Menschen mit Fettleibigkeit, erhöhten Blutfettwerten und einer Diabetes-Erkrankung. Aber auch schlanke Personen kann es treffen.
Gefährlich wird es, wenn die Leber sich entzündet - dann drohen schwere Folgen wie eine Zirrhose und sogar Krebs.
Wie entsteht eine Fettleber?
Die Leber ist zuständig für den Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißstoffwechsel. Und sie baut Giftstoffe ab, auch Alkohol und Medikamente. Wird die Leber dauerhaft etwa mit zu viel Zucker oder Nahrungsfetten belastet, entstehen zwischen den einzelnen Leberzellen Einschlüsse aus Fett.
Die Leber schwillt an - in schweren Fällen auf die doppelte Größe. Es kann eine metabolische Fettleber entstehen. Durch die Verfettung erleidet etwa jeder dritte Patient in der Folge zudem eine gefährliche Entzündung der Leber.
Neben Ernährungs- und Lebensstil-Risikofaktoren wie beispielsweise mangelnde Bewegung gibt es auch genetische Faktoren. “Gewisse Menschen neigen mehr dazu, Fett in der Leber einzulagern“, erklärt Professor Jörn Schattenberg, Direktor der Klinik für Innere Medizin der Uniklinik des Saarlandes.
Altersfreigabe: ab 0 (verfügbar von 0 Uhr bis 24 Uhr)
Neue Bezeichnung: metabolische statt nicht-alkoholische Fettleber
Mit der neuen Benennung - "metabolische Fettleber" an Stelle von "nicht-alkoholische Fettleber" - werde der Fokus auf den der Erkrankung zugrundeliegenden kranken Metabolismus, also Stoffwechsel, gelegt, erklärt Professor Schattenberg. "Die Titulierung der nicht durch Alkohol bedingten Fettleber ist natürlich auch richtig, aber zu verengt."
Für viele Patienten sei die bisherige Bezeichnung "nicht-alkoholische Fettleber" oft eine Belastung oder ein Stigma gewesen. Der Homburger Professor befürwortet daher, "die Erkrankung jetzt positiv zu benennen" - mit der neuen Bezeichnung metabolische Fettleber.
Warum eine metabolische Fettleber lange unentdeckt bleibt
Das Problem bei einer Fettleber: Sie verursacht lange keine Beschwerden. Die meisten Patienten, so Professor Schattenberg, erführen von ihrer Erkrankung durch Zufallsbefunde. Meistens seien beispielsweise im Rahmen des Gesundheits-Checkups beim Hausarzt erhöhte Leberwerte festgestellt worden.
“Leberwerte sind aber nicht der perfekte Test, um eine Fettleber zu erkennen. Tatsächlich gibt es da recht viel Ungenauigkeit.”, erläutert der Experte. Mit Hilfe von Ultraschall könnten Ärzte eine Verfettung zumindest abschätzen.
Vor allem Risikopatienten sollten daher vorsorglich vom Haus- oder Facharzt untersucht werden.
Unentdeckte Fettleber: langfristige gesundheitliche Folgen
Professor Norbert Stefan, Diabetologe an der Uniklinik Tübingen, weiß: „Die Gefahr ist tatsächlich, dass diese stille Fettleber über die Zeit sich immer mehr entzündet, die Leber durch die Entzündung sich umbaut und eine Fibrose, also Bindegewebseinlagerung, entsteht - bis zur Leberzirrhose, das bis zu einem Leberkrebs oder Leberversagen führen kann.“
Um das zu vermeiden, muss das Fett wieder aus der Leber – durch Fasten. Professor Stefan sagt: „Man weiß, dass das Fasten in den Zellen einen Prozess anregt, wo das Fett verbrannt wird. Der zweite Aspekt ist, dass durch die Fastenperiode die Fettspeicher im Bauch, die die Fettsäure in die Leber trainieren, langsam abgebaut werden.” Wie effektiv speziell das Intervallfasten zu unterschiedlichen Zeiten dabei ist, will er mit der Studie herausfinden.
Die wichtige Rolle der Ernährung bei Fettleber
In unserem Beispielfall kämpft die Patientin seit sechs Jahren gegen die Diagnose Fettleber. Obwohl sie kein Übergewicht hat, ist ihre Leber verfettet. Diäten und ständiges Kalorienzählen hatten keinen Erfolg, das Leberfett reduzierte sich nicht.
Ein neuer Versuch ist das Intervallfasten - also nur acht Stunden am Tag essen, gefolgt von 16 Stunden Pause. Die Patientin nimmt an einer Studie von Professor Stefan an der Uniklinik Tübingen teil. Sie isst ab 8 Uhr nur während acht Stunden am Tag. Ab 16 Uhr muss sie bis zum nächsten Morgen fasten.
Dabei empfindet es die Patientin als positiv, dass sie innerhalb dieser acht Stunden doch vieles essen kann. Bei dieser Diät zeigt sich endlich ein Effekt: Vier Kilo hat sie in vier Wochen abgenommen.
Intervallfasten mit Essenspausen und die richtigen Lebensmittel
Dass Intervallfasten bei Fettleber helfen kann, hat auch eine vor kurzem veröffentlichte Meta-Studie gezeigt: Danach hat der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme einen entscheidenden Einfluss. Es hilft, keine üppigen Abendmahlzeiten zu sich zu nehmen. Auch zwischen den Mahlzeiten sollte man pausieren und nicht snacken.
Überraschend: Selbst, wenn die Essenspausen tagsüber liegen, wie etwa im Ramadan, hilft das der Leber. Allerdings sollte man auch innerhalb der acht Essensstunden auf die Ernährung achten.
Deshalb werden die Studienteilnehmer in Tübingen zusätzlich von Ernährungswissenschaftlern beraten. Zudem müssen die Teilnehmer ihre Ernährung genau protokollieren.
Ernährungswissenschaftlerin Elisabeth Schrempf erklärt, worauf es ankommt:
- Sehr zuckerhaltige Lebensmittel können sich negativ auswirken.
- Genug Proteine zu sich nehmen, damit der Hunger gestillt ist.
- Auch Ballaststoffe führen dazu, dass der Hunger zurückgeht und die Fastenphase besser überstanden wird.
Zum Beispiel das Fertigmüsli am Morgen: „Die Dattel, die Feige, Rosinen - Trockenfrüchte sind sehr kohlenhydratreich, sehr zuckerhaltig. Alternative sind da auch Beeren. Zum Beispiel Heidelbeeren enthalten relativ wenig Zucker im Vergleich zu einer Banane oder Mandarine“, rät Elisabeth Schrempf.
Die Ernährungswissenschaftlerin empfiehlt, bereits früh am Tag mit dem Essen zu beginnen, dafür dann aber auch am Nachmittag wieder aufzuhören. Die Zeit zwischen der letzten Mahlzeit und dem Schlafengehen ist noch Zeit für Aktivitäten, durch die Zucker und Insulin abgebaut werden.
Gewichtsverlust durch Intervallfasten: Auswirkungen auf die Fettleber?
Ob die Gewichtsabnahme sich auch in unserem Fallbeispiel auswirkt, zeigt sich im MRT. Professor Norbert Stefan ist selbst überrascht: Das Leberfett der Patientin hat sich innerhalb von vier Wochen Intervallfasten um ein Drittel reduziert. „Sie war fast normalgewichtig. Und dieses Fett in der Leber zu reduzieren, ist wirklich schwierig. Dass sie das erreicht hat, mit dem Intervallfasten, das ist etwas, was auch mich unmittelbar begeistert.“
Ihre Fettleber ist also dank Intervallfasten deutlich besser geworden - und das, ohne zu hungern. Für die 64-Jährige ist das Ansporn, das Intervallfasten auch nach der Studie beizubehalten. Sie sagt: „Es ist das erste Mal, dass ich nennenswert die Leber verbessern konnte.“
Helfen auch andere Diäten gegen eine Fettleber?
Professor Norbert Stefan erklärt, die Reduzierung der Fettleber kann im Allgemeinen durch eine kalorienreduzierte Diät zustande kommen. Das Intervallfasten sei jedoch effektiver, man könne es leichter durchhalten und die Effekte seien etwas stärker.
Warum ist das Intervallfasten so gesund?
Der Vorteil beim Intervallfasten ist, so Professor Stefan, dass man über lange Zeit nichts isst, also dem Körper keine Nahrung zuführt. In dieser Phase sinken Blutzuckerspiegel und Insulin. Insulin hält die Fette in der Leber und im Fettgewebe zurück.
Indem man längere Zeit nichts isst, werden die Fettsäuren vom Körper wieder ins Blut abgegeben, auch aus der Leber, und in den Muskeln verbrannt. Das ist der Vorteil im Vergleich zu einer regelmäßigen Aufnahme von Kalorien über den Tag verteilt.
Kein Abendessen beim Intervallfasten: Und wenn man nicht verzichten will?
Ideal wäre es beim Intervallfasten, das Abendessen oder zumindest das späte Abendessen wegzulassen und nur zwischen 8 und 16 Uhr zu essen, so Professor Stefan.
Aber das Abendessen ist auch wichtig für das soziale Zusammenleben, gerade in Familien. Deshalb empfiehlt Professor Stefan den Patienten, vor oder nach dem Abendessen entweder Gymnastikübungen von 15 bis 20 Minuten Dauer oder einen Spaziergang einzuplanen. Das verbrennt das Fett im Blut, damit es sich nicht in der Leber einlagert. Auf diese Weise muss man beim Intervallfasten nicht unbedingt auf das Abendessen verzichten.
Kein Frühstück beim Intervallfasten: Und wenn mir das leichter fällt?
Morgens auf das Frühstück zu verzichten, sei nicht ideal, so Professor Stefan, weil man auch morgens Kohlenhydrate verbrennt durch die Bewegung und den aktiven Stoffwechsel. Wenn möglich also das Frühstück einnehmen, und besser im Laufe des Tages die Nahrungsmenge reduzieren.
Richtig essen und trinken Was tun, wenn es der Leber nicht gut geht?
Millionen Menschen haben schlechte Leberwerte – ohne es zu wissen. Meist ist nicht Alkohol schuld, sondern die Ernährung. Warum Nahrungsergänzungsmittel und "Detox" nicht helfen.
Weitere Möglichkeiten, um über Ernährung die Fettleber zu verbessern
Laut Professor Stefan gibt es weitere nicht-medikamentöse Maßnahmen, die helfen, eine Fettleber zu reduzieren:
- Kaffeekonsum hilft, etwa drei bis vier Tassen pro Tag. Dadurch geht auch die Leberentzündung zurück.
- Regelmäßige Aktivität, etwa Treppensteigen oder 1.000 Schritte am Tag gehen.
- Vorsicht vor Stress: Bei Stress sorgt das Hormon Cortisol für Fetteinlagerung in der Leber. Das heißt, Pausen einlegen gegen den Stress, hilft auch, die Leber zu entfetten.
Abnehmspritze statt Diät - eine Lösung für Fettleber-Patienten?
Abnehmen mit nur einer Spritze, ohne lästige Diäten und Quälerei, davon träumen viele. Der Wirkstoff der Abnehmspritzen Ozempic und Wegovy wurde ursprünglich als Diabetes-Mittel zugelassen, inzwischen wird er als sogenannte Abnehmspritze gehypt.
Bei bestimmten Fettleber-Patienten setzt Professor Matthias Blüher, Endokrinologe an der Uniklinik Leipzig, die Abnehmspritze seit einiger Zeit ein: bei Menschen mit Adipositas und Typ-2-Diabetes, die unter einer Fettlebererkrankung leiden.
Seine Erfahrung: Die Spritze hat hier nicht nur zur Gewichtsreduktion und Blutzuckerregulierung geführt, sondern auch die Fettleber verbessert.
Auch Professor Jörn Schattenberg von der Uniklinik in Homburg berichtet von positiven Auswirkungen der Abnehmspritze auf das Herz-Kreislauf-System sowie auf Leber- und Nierenfunktion. Diese Effekte seien zum Großteil an eine Gewichtsreduktion gebunden.
„Wir haben aber auch einige Analysen gesehen und Studien durchgeführt, dass gewichtsunabhängige Effekte auftreten können“, sagt Professor Schattenberg. Diese seien zum Beispiel positive Effekte auf das Fettgewebe und auf Entzündungen im Körper, die den kranken Stoffwechsel zur Ursache hätten.
„Es hat eine Zeit gedauert, denn das verändert sich nur langsam in der Leber. In der Studie hatte es 72 Wochen gedauert, also eineinhalb Jahre“, so Professor Schattenberg.
So wird die Abnehmspritze angewendet
Die Spritze wird einmal wöchentlich ins Unterhautfettgewebe gegeben. Sie enthält bislang meist den Wirkstoff Semaglutid, ein künstlich hergestelltes Darmhormon, das auf den Blutzuckerspiegel wirkt. Es erhöht die Fähigkeit der Zellen der Bauspeicheldrüse, Insulin herzustellen. Dadurch sinkt auch der Blutzuckerspiegel.
Außerdem hemmt es die Magenentleerung, man fühlt sich länger voll. Und zusätzlich wird ein Sättigungssignal ans Gehirn gesendet. Die Folge ist: Der Appetit sinkt, man isst insgesamt weniger.
Welche Patienten von der Abnehmspritze profitieren können
Insbesondere die verbesserte Insulinwirkung durch die Abnehmspritze hilft auch bei einer verfetteten Leber. Denn wenn die Leber insulinresistent ist, neigt sie dazu, noch mehr Fett einzulagern, erklärt Professor Matthias Blüher.
Die Abnehmspritze könnte laut Professor Blüher künftig auch bei schlanken Fettleberpatienten ohne Begleiterkrankungen wirken. Gerade bei ihnen sind die Effekte einer Ernährungsumstellung auf die Fettleber begrenzt. Eine Zulassung für sie gibt es aber noch nicht. Erste Studien seien jedoch vielversprechend.
Er geht davon aus, dass eine Zulassung für Fettleber-Patienten in den nächsten zwei bis drei Jahren kommen könnte. Allerdings sollte die Spritze mit Bedacht angewendet werden. Für Professor Blüher gehört zu dieser Art von Medikamenten die ärztliche Überwachung. “Der Einsatz von Medikamenten ist für uns ja immer eine Risiko-Nutzen-Abwägung.“
Nebenwirkungen der Abnehmspritze
Die Spritzen zum Abnehmen können heftige Nebenwirkungen haben: Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen gelten als häufige Nebenwirkungen – sind aber meist temporär. Selten kann es zu Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, Gallenblasenerkrankungen, akuter Nierenschädigung, Darmverschluss sowie Wechselwirkungen mit anderen Diabetes-Medikamenten kommen.
Momentan werden noch weitere Nebenwirkungen diskutiert, die im Zusammenhang mit der Spritze stehen könnten. Zum Beispiel Probleme bei der Narkose, verminderte Wirkung hormoneller Verhütungsmittel bis hin zu möglicher Erhöhung von Krebsrisiken. Nicht nur deshalb wird die Abnehmspritze nicht die Lösung für jeden Fettleberpatienten sein.
Weitere Medikamente, die beim Abnehmen helfen
Professor Norbert Stefan weist auf andere Medikamente zur Unterstützung der Gewichtsreduktion hin, die etwa über den Darm wirken und die Aufnahme von Fett ins Blut reduzieren. Mögliche Nebenwirkung seien dabei aber unangenehme Fettstühle.
In den USA werden Appetitzügler angewendet, die zentral auf das Gehirn wirken und den Appetit zügeln - mit möglichen Nebenwirkungen für Lunge und Herzklappen.
Neues Medikament gegen schwere Fettleber-Erkrankung
Seit September 2025 gibt es für die Behandlung einer schweren Fettlebererkrankung ein neues, das erste Medikament für diese Indikation: Resmetirom. Das Medikament wirke, ohne dass das Körpergewicht zwangsläufig reduziert werde, erklärt Professor Jörn Schattenberg. Dennoch reduziere das Medikament das schädliche Fett in der Leber und somit auch die Vernarbung und Entzündung im Organ.
Nicht bei jedem Patienten schlage das Medikament aber auch an. Professor Schattenberg empfiehlt Betroffenen, mit einem Facharzt darüber zu sprechen, ob der Einsatz von Resmiterom sinnvoll sein könnte.
Der Experte forscht an weiteren Medikamenten. Vorläufige Ergebnisse zeigen bereits, dass eine Leberzirrhose ins vorherige Stadium zurückgedrängt werden kann. Professor Schattenberg sagt: "Da hat man früher gedacht, das ist doch gar nicht möglich. Wir sehen, dass das technisch funktioniert."
Vorsorge beim Hausarzt: Symptome für eine Fettleber erkennen
Weil eine Fettleber keine Schmerzen verursacht, ist eine frühzeitige Diagnose schwierig. Professor Stefan erklärt, Signale im hausärztlichen Bereich können erhöhte Blutwerte sein oder erhöhte Blutzuckerwerte. Ansonsten gibt es keine eindeutigen Marker.
Im Bluttest auffallend sind meist die Werte GPT und GOT bei erhöhten Leberwerten. Sensitiver, also früher erhöht, ist aber der Wert des Gamma-GT im Vergleich zu GOT und GPT.