Mehr Zecken in Rheinland-Pfalz

Mainzer Hausarzt Dierk Heimann: So erkennt man Borreliose

Die Zahl der Borreliose-Fälle in Rheinland-Pfalz ist gestiegen. Wie man die Krankheit erkennen kann, erklärt der Mainzer Hausarzt Dr. Dierk Heimann im SWR1-Interview.

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Zecken lauern meist auf Grashalmen oder in Büschen. In der Hoffnung, sich an einem vorbeigehenden Tier oder Menschen festklammern zu können, um deren Blut zu saugen. Mit dem Speichel der Zecken können Krankheitserreger ins Blut gelangen. Zum Beispiel die Borreliose. Damit hat Dr. Dierk Heimann aus Mainz in seiner Hausarztpraxis immer häufiger zu tun.

Mehr Fälle von Borreliose in Rheinland-Pfalz

SWR1: Was macht eine Infektion mit Borreliose so gefährlich?

Dierk Heimann: Die Borreliose ist eine bakterielle Infektion und kann sich in mehreren Organen niederschlagen. Es kann aber auch das Nervensystem betroffen sein und im Laufe der Jahre sogar die Gelenke. Wir sollten wirklich gucken, wenn wir eine Borreliose feststellen, diese dann auch zu ahnden.

SWR1: Angenommen, die Organe sind betroffen: Was ist die schlimmste Folge?

Heimann: Die schlimmste Folge ist, dass sich diese Borrelien unbemerkt im Körper breit machen und dann zum Beispiel eine Neuroborreliose bilden können.

Dr. Heimann: Borreliose wird oft jahrelang nicht erkannt

Das kann dann viele Jahre dauern und dann kommen ganz komische Lähmungen, starke Schmerzen oder unerklärliche neurologische Symptome dazu. Das wäre der schlimmste Fall, weil man dann gar nicht richtig weiß, wo das herkommt. Erst viel später verrät dann zum Beispiel ein Bluttest, dass es Borrelien waren.

SWR1: Wie erkennt man leichtere Fälle von Borreliose?

Heimann: Am häufigsten erkennt man eine Borreliose an der sogenannten Wanderröte. Das sieht so aus: rot in der Mitte und dann außen herum noch etwas tiefer rot, so wie ein Kreis drumherum. Das kann da entstehen, wo die Zecke einen gestochen hat. Die Wanderröte kann aber auch an einer anderen Stelle des Körpers vorkommen. Besonders dann, wenn viele Borrelien übertragen wurden. Das ist das wichtigste Erkennungszeichen für eine Borreliose.

Aber auch wenn ich plötzlich nicht mehr richtig sehe, nicht richtig höre, Schmerzen habe und mich gar nicht orientieren kann, dann sollte ich zum Arzt gehen.

SWR1: Das sind die klaren Symptome. Wenn ich aber eine Einstichstelle sehe und nicht genau weiß, wie schlimm sie ist. Wann sollte ich dann zum Arzt gehen?

Dierk Heimann: Wenn die Einstichstelle rot wird, ein Kreis darum entsteht und der rote Kreis vielleicht sogar am Körper wandert, sollte ich zum Arzt gehen. Wichtig ist aber auch zu wissen: Die Borrelien werden vor allem dann übertragen, wenn die Zecke mehr als zwölf Stunden am Körper gesessen hat.

Zecken mit der Pinzette, nicht mit Hausmitteln entfernen

Wenn ich gerade aus dem Wald zurückkomme und den Stich bemerke, sollte ich die Zecke direkt entfernen. Kein Öl oder sonst etwas auf Stelle auftragen. Das bringt gar nichts. Am besten mit einer kleinen Pinzette unten ansetzen, nicht quetschen und die Zecke langsam herausdrehen.

SWR1: Kann man mit einer Impfung einer Borreliose vorbeugen?

Heimann: Nein, kann man nicht. Was man impfen kann, ist die FSME, das ist eine Entzündung des Gehirns und der Gehirnhäute, die durch ein Virus übertragen wird.

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Dagegen können wir impfen, das zahlt auch die Krankenkasse. Aber gegen Borrelien kann man leider noch nicht impfen.

SWR1: Und diese FSME ist eine Folge der Borreliose?

Heimann: Nein. Die FSME ist eine andere Erkrankung, die aber auch durch Zecken übertragen wird. Die befällt vor allen Dingen das Gehirn und kann dann zu sehr schweren Krankheitssymptomen führen. Aber sie äußert sich anders als die Borreliose. Das heißt: Bei FSME wird die Einstichstelle durch die Zecke nicht unbedingt rot.

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Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Hanns Lohmann
SWR1 RP Moderator Hanns Lohmann
Interview mit
Dr. Dierk Heimann
Onlinefassung
SWR1