Sie werden in grellen, runden Dosen verkauft, schmecken nach Minze oder Frucht, können unauffällig konsumiert werden und süchtig machen: Nikotinbeutel. Jeder siebte Jugendliche zwischen 16 und 17 Jahren in Deutschland soll sie schon einmal ausprobiert haben. Experten sprechen von einem neuen Rauschmittel-Trend.
Was sind Nikotinbeutel?
Nikotinbeutel verbreiten sich seit etwa fünf Jahren unter mehreren Namen wie Nicopods, Pouches oder White Snus. Ursprünglich kommt Snus aus Schweden und enthält Tabak. Doch inzwischen gibt es auch eine tabakfreie Variante: Nikotinbeutel.
Die weißen Päckchen bestehen aus Pflanzenfasern, die mit Nikotinsalzen, Aromen und manchmal auch mit Süßstoffen gefüllt sind. Sie werden zwischen Oberlippe und Zahnfleisch geschoben. Von dort aus gelangt das Nikotin über die Mundschleimhaut in den Blutkreislauf und weiter ins Gehirn, wo es seine Wirkung entfaltet. Nach 20-60 Minuten werden die Beutel unzerkaut wieder ausgespuckt.
Jeder siebte Schüler im Alter von 16 und 17 Jahren hat schon einmal Nikotinbeutel probiert. Bei Jungen ist der Konsum stärker ausgeprägt als bei Mädchen. Das ist das Ergebnis des DAK-Gesundheitsradars, einer Umfrage der Krankenkasse DAK-Gesundheit unter rund 12.700 Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen neun und 17 Jahren.
Warum sind Nikotinbeutel vor allem bei jungen Menschen so beliebt?
Laut der Befragungsergebnisse werden Nikotinbeutel von vielen als weniger schädlich als Zigaretten wahrgenommen. Zudem lassen sich viele Konsumenten von den aromatischen Geschmacksrichtungen verführen. Einige Produkte schmecken fruchtig nach Zitrone, Beeren oder Mango, erinnern mit Minze an Kaugummi oder haben ein Kaffee-Aroma. Solche Aromastoffe kommen vor allem bei jungen Leuten gut an und setzen die Hemmschwelle, Nikotinprodukte auszuprobieren, weiter hinab. Dazu kommt die diskrete Anwendung: Im Gegensatz zu Zigaretten erzeugen sie keinen Rauch oder Geruch, können also überall unauffällig genutzt werden, ob im Kinderzimmer oder im Klassenraum.
Wie ist die rechtliche Lage?
Da Nikotinbeutel keinen Tabak enthalten, unterliegen sie nicht der Gesetzgebung für Tabakerzeugnisse. Aber erlaubt sind die Produkte in Deutschland trotzdem nicht. Denn sie fallen unter das Lebensmittelgesetz und dürfen aufgrund des hohen Nikotingehalts nicht verkauft werden. Leicht erhältlich sind sie trotzdem: vereinzelt im Kiosk oder online.
Wie schädlich sind Nikotinbeutel für die Gesundheit?
Dass Nikotinbeutel oft als „gesündere“ oder „saubere“ Alternative zu Zigaretten vermarktet werden, da sie keinen Tabak enthalten, sei fatal, heißt es bei der DAK-Gesundheit. Nikotin ist ein Gift, das erhebliche negative Auswirkungen auf das gesamte Gefäß- und Nervensystem hat und krebserregend sein kann. Und Nikotin macht süchtig. Der durchschnittliche Nikotingehalt pro Beutel liegt bei etwa 10 Milligramm, kann aber stark variieren. Einige Beutel enthalten sogar viermal so viel Nikotin wie eine Zigarette. Durch das Nikotin werden im Körper Botenstoffe wie Dopamin und Serotonin ausgeschüttet. Konsumenten geben an, dass sie dadurch entspannter, wacher und leistungsfähiger seien. Diese positiven Gefühle fördern das Verlangen nach Wiederholung. Es entsteht eine Suchtgefahr.
Vielen Konsumenten, Eltern oder auch Lehrkräften sind diese Risiken nicht bewusst. Deswegen gehört die Aufklärung über Nikotinbeutel mittlerweile zum Präventionsprogramm vieler Jugend- und Drogenberatungsstellen.
Mehr Info zu Nikotinbeuteln:
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