Betroffene erzählt

Wie sich das Leben von Tanja Marfo nach Adipositas verändert hat

Tanja Marfo war lange von Adipositas betroffen und litt sowohl körperlich als auch mental unter der Krankheit.

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Stand

Was der Ausschlag für Bloggerin und Autorin Tanja Marfo war, ihr Leben umzukrempeln und gegen ihre Adipositas vorzugehen, erzählt sie im SWR1 Interview.

Adipositas brachte Schmerzen mit sich

SWR1: Viele Menschen denken bei Adipositas nur ans Gewicht. Sie sprechen aber auch viel über Schmerzen und körperliche Belastung. Wie haben Sie das selbst erlebt?

Tanja Marfo: Adipositas ist definitiv eine chronische Krankheit, die seit 2020 auch offiziell anerkannt ist. Ich kann natürlich selber ein großes Lied von Leid oder Schmerzen singen, weil ich einfach durch eine sehr schmerzhafte Zeit tatsächlich gegangen bin.

Ich hatte sehr lange Schmerzen, chronische Schmerzen, gepaart mit sehr hohem Übergewicht, aber auch mit Lipödem und so wenig Aufklärung, was mich damals betraf. Deswegen bin ich ganz froh, dass ich heute da offen drüber sprechen kann und die Menschen auf meinem Weg mitnehme.

Tanja Marfo: "Ich wollte das alles nicht mehr"

SWR1: Wann war für Sie persönlich der Punkt erreicht, an dem Sie gesagt haben, so kann ich nicht weitermachen?

Marfo: Ich war 2022 auf dem Weg zu einer Pressereise in die wunderschöne Karibik. Und ich habe nicht in den Flugzeugsitz reingepasst, beziehungsweise die Lehne neben mir ging nicht hochzustellen. Wäre dann kein weiterer Platz frei gewesen, auf den ich mich hätte setzen können, wäre ich nicht geflogen.

In Summe war es einfach ein Gefühl von: Ich bin in einem Körper eingeschlossen. Also ein sehr ambivalentes Gefühl von einem lebensbejahenden und wachen Geist und dann aber der Körper – das passte einfach nicht mehr dazu. Natürlich auch im täglichen Leben die Beleidigungen. Ich wurde auch mal auf offener Straße angespuckt. Ich wollte das alles nicht mehr. Es war alles zu viel.

Es war einfach ein Gefühl von: Ich bin in einem Körper eingeschlossen.

Operationen gegen Adipositas

SWR1: Sie haben dann durch eine Schlauchmagen-Operation 80 Kilogramm abgenommen. Wie hat sich Ihr Leben dadurch verändert?

Marfo: Mein Leben hat sich seitdem komplett verändert. Ich bin einfach viel leichtfüßiger unterwegs. Also ich kann lange laufen, ich habe keine Schmerzen mehr, wo ich vorher nur zehn Minuten am Stück laufen konnte und ganz viel Rückenschmerzen hatte. Das ist alles weg.

Ich hatte in der Zwischenzeit auch drei Liposuktionen (Fettabsaugungen) an meinen Beinen wegen meines Lipödems. Ich bin insgesamt noch aktiver, agiler unterwegs und liebe das Leben einfach noch mehr.

Social-Media-Beitrag auf Instagram von kurvenrausch

Anlaufstellen für Betroffene von Adipositas

SWR1: Was hat Ihnen auf ihrem Weg am meisten geholfen? Was würden Sie anderen in einer ähnlichen Situation raten?

Marfo: Es hat mir tatsächlich sehr geholfen, mir Hilfe zu holen. Ich glaube, das Thema Scham ist für Menschen mit Adipositas sehr groß. Man muss verstehen, dass Adipositas wirklich eine chronische Krankheit ist, die einen auch immer wieder begleiten wird.

Deswegen ist es wichtig, sich da an einen Spezialisten zu wenden, am besten an einen Arzt [...] , der auch wirklich Ernährungsmediziner ist. Das kann da aber auch der Hausarzt sein.

Oder man schaut auf der Seite adipositas-spezialisten.de, dort wird man auch fündig. Oder man informiert sich an jedem größeren Adipositas-Zentrun. Man muss wirklich bereit sein, Hilfe anzunehmen.

Marfo wünscht sich mehr Sensibilisierung

SWR1: Was wünschen Sie sich von unserer Gesellschaft?

Marfo: Von unserer Gesellschaft würde ich mir so viel wünschen. Also auf jeden Fall weniger Ausgrenzung. Es ist anscheinend ein Leichtes, dicke Menschen aufgrund ihrer Erscheinung zu beleidigen.

Ich würde sagen, dass man aufpassen soll beziehungsweise sensibilisieren soll, was Worte eigentlich anrichten könnten. Dass wir da ein bisschen mehr aufklären und vor allen Dingen, dass wir auch mehr bei uns bleiben.

Letztendlich sind die Menschen, die andere verletzen meistens auch selber verletzt. Also ich glaube, wie es im Englischen so schön heißt: "Only hurt people hurt people", also nur verletzte Menschen wollen andere verletzen. Und ich glaube, es ist ganz wichtig, immer bei sich zu bleiben.

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Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Frank Jenschar
SWR1 RP Moderator Frank Jenschar
Interview mit
Tanja Marfo
Onlinefassung
SWR1

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