Onlinebetrug mit KI

Fake-Autohäuser: So professionell wirken die neuen KI-Webseiten

Mithilfe von KI können Kriminelle innerhalb kürzester Zeit glaubwürdige Fake-Webseiten erschaffen. Doch woran ist der Betrug zu erkennen? Was können Betroffene unternehmen?

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Stand

Von Autor/in Tom Müller / WDR Markt, 09.09.2026

Ein Familienvater entgeht nur knapp einem Schaden von fast 19.000 Euro. Andere Opfer verlieren aufgrund täuschend echter Internetseiten hohe Summen an Betrüger.

Ein günstiger Familienwagen, ein seriös wirkendes Autohaus und sogar eine Anwaltskanzlei, die den Kauf absichert: Für Matthias Spix aus Remscheid sieht alles nach einem Glücksgriff aus. Seine Familie erwartet das dritte Kind und braucht ein größeres Auto. Im Internet findet Spix genau das gewünschte Modell – in sehr gutem Zustand und auffallend günstig.

Ein Autoangebot, bei dem scheinbar alles stimmt

„Der genau richtige Wagen zu einem unglaublichen Preis“, freut sich Spix. „Da haben wir nicht lange gefackelt und uns sofort bei dem Autohaus gemeldet.“ Die Internetseite wirkt professionell: mit Impressum, Ansprechpartnern, Dekra-Prüfsiegel und zahlreichen Fahrzeugangeboten.

Spix arbeitet selbst als IT-Consultant, kennt sich also aus. Er prüft den Auftritt gründlich, findet nichts, was ihn misstrauisch macht.

Zusätzliche Sicherheit verspricht eine angebliche Anwaltskanzlei. Sie soll das Geld treuhänderisch verwahren, es also erst dann an das Autohaus weiterleiten, wenn der Käufer den Wagen auf Mängellosigkeit geprüft hat.  

Auch die Internetseite der Kanzlei ist glaubwürdig gestaltet. „Da dachte ich: Selbst bei diesem Preis habe ich die vollkommene Sicherheit“, sagt Spix.

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Kurz vor der Überweisung fällt die Tarnung auf

Das vermeintliche Autohaus sitzt in Thüringen, Spix wohnt in Remscheid. Um sich den Wagen zu sichern, lädt er seinen Personalausweis hoch, unterschreibt den Kaufvertrag und erhält eine Rechnung. Fast 19.000 Euro soll er überweisen.

Doch beim letzten Kontrollblick entdeckt er einen entscheidenden Widerspruch: Das angegebene Konto gehört nicht einer Kanzlei, sondern einer Privatperson – und deren Name taucht auf der Kanzleiseite gar nicht auf.

Spix recherchiert tiefer. Die Kanzlei ist telefonisch nicht erreichbar, im bundesweiten Rechtsanwaltsverzeichnis sind die vermeintlichen Juristen nicht zu finden. Dann betrachtet er ihre Porträtfotos genauer.

„Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen“, sagt er. „Alle Anwälte haben haargenau die gleiche Nasenform und die gleiche Augenform.“ Die Bilder sind offenbar mit künstlicher Intelligenz erzeugt.

Spix überweist nicht und erstattet Anzeige.

KI macht professionelle Betrugsseiten kinderleicht

Für Matthias Wübbeling, IT-Sicherheitsexperte an der Universität Bonn, zeigt der Fall, wie stark KI den Onlinebetrug verändert hat. „So eine Webseite dauert heute keine fünf Minuten mehr“, erklärt er.

Mit wenigen Anweisungen entstehen ein komplettes Autohaus, Fotos und eine professionelle Maske für die Fahrzeugsuche. „Es ist überhaupt nicht mehr erkennbar, dass es von der KI kommt.“

Die Täter mischen Erfundenes mit echten Daten: Fotos und Fahrzeugidentifikationsnummern der angebotenen Wagen stammen offenbar von realen Autos.

Die Adresse ist echt – das Autohaus nicht

Auch die Firma Peterseim in Thüringen existiert wirklich. Allerdings verkauft sie heute keine Autos mehr, sondern betreibt einen Autoservice. Die frühere Internetadresse des Autohauses wurde von Betrügern gekapert.

Inhaber Eberhard Peterseim bemerkt das erst, als morgens ein Mann auf seinem Gelände steht und einen bereits bezahlten Wagen abholen will. „Er wollte Sandra sprechen.“ Die angebliche Autoverkäuferin, doch:„ Hier gibt es keine Sandra, musste ich ihm gestehen. Er war betrogen worden“, erzählt Peterseim.

Der Kunde hatte bereits 30.000 Euro überwiesen.

Peterseim schickt den Mann zur Polizei und erstattet selbst Anzeige. In den folgenden Wochen erscheinen nach seinen Angaben drei weitere Opfer. Der bekannte Schaden liegt damit bei ungefähr 100.000 Euro.

Wie viele Menschen zusätzlich bezahlt und vergeblich auf eine Lieferung gewartet haben, ist offen. Ebenso wie viele andere Fake-Autohaus-Seiten es noch gibt.

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Warum solche Fake-Seiten oft wochenlang online bleiben

Trotz der Anzeigen bleibt die gefälschte Seite zunächst wochenlang weiter online. Der Kölner Anwalt Sebastian Trost erklärt: „Die Polizei selbst darf die Internetseite nicht einfach abschalten.“ Zuständig ist in der Regel der Hostingprovider. Auch Geschädigte könnten dort die Straftat melden und eine Abschaltung verlangen. Im Fall Peterseim verschwindet die Seite erst nach mehreren Wochen.

Betroffene sollten deshalb sofort Beweise sichern: Screenshots der Internetseite, Kaufvertrag und Rechnung, E-Mails, Chatverläufe, Kontodaten und Zahlungsbelege. Trost rät außerdem, unverzüglich zur Polizei zu gehen, das missbrauchte Unternehmen zu informieren und bei einer bereits erfolgten Überweisung sofort die eigene Bank zu kontaktieren.

So erkennen Sie ein gefälschtes Autohaus

Wer online ein Auto kaufen möchte, sollte sich nicht von professioneller Gestaltung täuschen lassen. Ein Vergleich angegebener Telefonnummern mit unabhängigen Einträgen, etwa bei Google Maps, sind lohnend.

Ebenso die Überprüfung von Anschrift, Impressum, Handelsregister- und Umsatzsteuerangaben sowie Kontoinhaber-Namen. Ein angebliches Kanzleikonto, das auf eine Privatperson läuft, ist ein deutliches Warnsignal.

Über eine Bilder-Rückwärtssuche lässt sich prüfen, ob Fahrzeugfotos noch in anderen Angeboten auftauchen. Fahrzeugidentifikationsnummer und Unterlagen sollten zusammenpassen.

Bei einer beteiligten Kanzlei hilft das bundesweite Rechtsanwaltsverzeichnis.

Zusätzlich kann die Webadresse im Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale geprüft werden.

Wübbeling weist außerdem auf kleine, aber verräterische Fehler hin: eine falsche Länge der Umsatzsteuer-ID oder voneinander abweichende Kontaktdaten. Gerade weil KI eine Seite äußerlich nahezu perfekt erscheinen lassen kann, werden solche kleinen Widersprüche wichtiger.

Fazit zu den gefälschten KI-Webseiten

Ein vollständiges Impressum, eine reale Firmenadresse und sogar ein angeblicher Käuferschutz sind heute kein Beweis mehr für Seriosität. Kriminelle können mit KI in kürzester Zeit glaubwürdige Firmenwelten erschaffen und mit gestohlenen Daten füllen.

Deshalb gilt besonders bei auffallend günstigen Angeboten: keine Überweisung unter Zeitdruck, alle Angaben unabhängig überprüfen und im Zweifel den Kauf abbrechen.

Matthias Spix hatte Glück: Er erkannte den Betrug kurz vor der Zahlung und verlor kein Geld. Einen größeren Wagen hat die bald fünfköpfige Familie vorerst nicht. „Wir werden etwas zusammenrücken müssen“, sagt er, „und darauf hoffen, dass wir noch gute Angebote finden, die auch real existieren.“ Von den Tätern fehlt bislang jede Spur.

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Tom Müller / WDR Markt, 09.09.2026