Brandschutz

Feuerlöscher im Check: Was löscht besser - Pulver oder Schaum?

Sind teure Feuerlöscher besser? Welche Gesundheitsgefahren lauern bei Schaumlöschern und warum sollte man Pulverlöscher besser nicht in Innenräumen verwenden?

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Von Autor/in Felix Wnuck, Eva Gnädig

Ein Albtraum: Es brennt in den eigenen vier Wänden. Zwischen 200.000 und 300.000-mal brennt es laut Deutschem Feuerwehrverband in Wohnungen und Häusern jedes Jahr.

Was mitunter ganze Existenzen zerstört, beginnt oft klein. Gerade wenn das Feuer noch am Entstehen ist, kann es oft noch gut gelöscht werden - zum Beispiel mit einem Feuerlöscher.

Nur: Welcher ist der passende Feuerlöscher für zuhause: Pulver oder Schaum? Welche Unterschiede gibt es, welche gesundheitlichen Risiken bestehen und was ist bei der Anwendung zu beachten?

Feuerlöscher: Welche Arten gibt es?

Die beiden bekanntesten Arten von Feuerlöschern: Schaum- und Pulver-Löscher. 

Privatpersonen brauchen keine großen Feuerlöscher, hier reichen 2 bis 3 Kilo oder Liter Löschmittel. Denn wenn das Feuer so groß ist, dass es von einem kleinen Feuerlöscher nicht mehr gelöscht werden kann, ist es ohnehin ein Fall für die Feuerwehr!

Pulverlöscher: Funktionsweise und Anwendung

Pulverlöscher enthalten eine Art feines Salz, was die Flammen erstickt. Diese Feuerlöscher sind ideal fürs Auto oder im Außenbereich. Sie sollten besser nicht in Innenräumen benutzt werden, da sich das Pulver leicht überall verteilt und Korrosionen verursachen kann. Das kann für die Elektronikgeräte im Haushalt gefährlich werden.

Wenn zum Beispiel die Pfanne auf dem Herd brennt, dann am besten einen Schaumlöscher für die Brandklasse "F" für Fettbrände benutzen. Gekennzeichnet sind diese auch "Fettbrandlöscher" genannten mit einem großen "F".

Schaumlöscher: Funktionsweise und Anwendung

Schaumlöscher kommen häufig in Innenräumen zum Einsatz. Der Schaum legt sich wie eine Decke über die Flammen und erstickt sie so. Der Haken: Um einen stabilen Schaum zu erreichen, werden oft so genannte PFAs zugesetzt. Diese Stoffe stehen im Verdacht, sehr umwelt- und gesundheitsschädlich zu sein.

Feuerlöscher kaufen: Große Unterschiede beim Preis!

Insgesamt vier Feuerlöscher wurden gecheckt: mit einer großen Preisspanne von unter 30 bis knapp 80 Euro.

Zwei Pulverlöscher:

  • das Markenprodukt von Minimax für rund 64 Euro
  • ein günstiges No-Name-Produkt, gekauft bei Amazon für 26,99 Euro

Daneben zwei Schaumlöscher: 

  • ein Markenprodukt von Gloria für 78,99 Euro
  • dazu ein Schaumlöscher von Helo24 für 34 Euro

Die Marken wurden abgeklebt, um die Experten nicht zu beeinflussen. 

Gecheckt wurden die Feuerlöscher von Werner Hald vom Landesfeuerwehrverband Baden-Württemberg und von Brandschutzexperte Lars Inderthal.

Feuerlöscher: Gesundheitsrisiko wegen PFAs?

PFA steht für per- und poly­fluorierte Alkyl­Substanzen. Sie werden seit den 1950er Jahren hergestellt. Chemisch gesehen sind PFAs Verbindungen aus Kohlenstoff- und Fluoratomen, die sehr stabil sind.

Sie bauen sich nur sehr langsam ab, deshalb können sie zu einer echten Umweltbelastung werden. Aus diesem Grund nennt man sie auch “Ewigkeitschemikalien”. Es ist bekannt, dass einige PFAs gesundheitlich riskant sind, für viele steht eine Bewertung aber noch aus.

Bis Oktober 2026 dürfen PFAs-haltige Feuerlöscher noch verkauft werden. Ab Ende 2030 greift ein EU-weites Verbot, dann müssen die PFAs-Löscher entsorgt werden - auch vom Verbraucher. Als Sondermüll, denn der Schaum enthält Gifte und Metalle.

Bedenkliche PFAs bei Schaumlöschern?

Um einen stabilen Schaum zu erreichen, setzen manche Hersteller von Schaumlöschern sogenannte PFAs zu.

Für den Check wurden die beiden Schaum-Löscher deshalb im Dekra-Labor untersucht. Der Gloria-Feuerlöscher ist laut Hersteller flourfrei, dürfte also keine PFAs enthalten.

Das Ergebnis:

  • der Feuerlöscher von Gloria enthält tatsächlich keine PFAs
  • der Feuerlöscher von Helo24 enthält PFAs

Helo24 schreibt dazu: „Rein vorsorglich haben wir die betroffenen Artikel für die Dauer der laufenden Prüfung offline gestellt. Diese Maßnahme stellt ausdrücklich keine Vorwegnahme des Prüfergebnisses oder die Feststellung dar, dass mit den Produkten etwas nicht in Ordnung ist.“

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Was muss beim Kauf eines Feuerlöschers beachtet werden?

In der Beschriftung muss stehen, wie der Feuerlöscher zu bedienen ist und für welche Brandklassen er geeignet ist.

Alle vier Feuerlöscher erfüllen die Norm, dennoch gibt es hier Unterschiede: Der Löscher von Gloria hat laut Experten "eindeutig die einfachsten Hinweise, klar zu lesen, große Schrift".

Wie lange hält ein Feuerlöscher?

Alle Produkte schaffen die Mindestweite von zwei Metern, die der Lösch-Strahl erreichen muss.

Und alle Löscher halten um die 14 Sekunden durch, am längsten der Schaumlöscher von Gloria mit knapp 17 Sekunden.

Eigenmarke oder No-Name: Welcher Pulverlöscher löscht besser?

Die beiden Pulverlöscher kommen bei einem simulierten Fahrzeug-Brand zum Einsatz.

Während das No-Name-Produkt von Amazon den Brand löscht, muss bei Minimax ein zweiter Löscher ran. Erst mit ihm gelingt es, das Feuer zu löschen.

Minimax verweist auf unterschiedliche Testbedingungen, die zu diesem Ergebnis geführt hätten. Das sehen auch die beiden Experten so: Wind könnte in diesem Fall das Feuer nochmals entfacht haben.

Die Experten sind sich einig: Sowohl Markenprodukt als auch No-Name - beide Pulver-Feuerlöscher haben gut gelöscht.

Eigenmarke oder No-Name: Pulver-Feuerlöscher vom gleichen Hersteller?

Interessant: Hergestellt werden sowohl das No-Name- als auch das Markenprodukt von der gleichen Firma - OGNIOCHRON aus Polen. Doch das Markenprodukt kostet etwas mehr als das Doppelte.

Minimax teilt mit, auf den Verkaufspreis einzelner Händler habe man keinen Einfluss. Und weiter: „Die kleinen 2-kg-Pulverfeuerlöscher sind für unsere Firmenkunden nicht relevant und stehen daher auch nicht in unserem Fokus. Sie stellen lediglich ein Randprodukt dar, das unser Portfolio ergänzt, um ganzheitlich aufzutreten.“

Feuerlöscher-Check: Favorit der Experten

Die beiden Experten sind sich einig: Alle Feuerlöscher haben gut funktioniert. Trotzdem haben sie einen kleinen Favoriten: der Feuerlöscher von Gloria.

Denn laut Experte Werner Hald war dieser Schaumlöscher "am einfachsten zu handeln" und die Bedienung des Löschers war "etwas einfacher". Zudem fällt auch der Löscherfolg positiv auf.

Fazit: Wie gut sind die Schaum- oder Pulverlöscher?

Bei den Schaumlöschern gibt es im Labor Abzüge für den Helo24 wegen der PFAs. Darauf sollte man beim Kauf von Schaumlöschern achten. Schaumlöscher ohne PFAs sind meist als „fluorfrei“ gekennzeichnet.

Der Feuerlöscher von Gloria konnte sowohl im Labor als auch im Praxis-Check überzeugen. Allerdings ist er teurer als der Helo24.

Bei den Pulverlöschern schnitt das Markenprodukt von Minimax im Praxis-Check etwas schlechter ab. Und das, obwohl beide Produkte vom selben Hersteller stammen.

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Das rät die Feuerwehr im Brandfall

Generell sagt die Feuerwehr: Für eine Privatperson ist der Eigenschutz am wichtigsten. Wenn schon das ganze Haus verraucht ist und in Flammen steht, sollte man die 112 wählen und sich in Sicherheit bringen beziehungsweise andere warnen.

Wenn jedoch zum Beispiel eine Pfanne auf dem Herd brennt, kann es hilfreich sein, frühzeitig einen Feuerlöscher zu verwenden. Feuerlöscher sind meist einfach zu bedienen.

Generell gibt es auch die Möglichkeit, so etwas an Simulatoren zu üben, zum Beispiel in einer Weiterbildung als Brandschutzbeauftragter in der eigenen Firma. Auch manche Volkshochschulen bieten dazu Kurse an.

Kleine Feuerlöscher sollten in jedem Haushalt vorhanden sein.

Das Wichtigste bleibt jedoch: Sich selbst und andere in Sicherheit bringen und mit der Telefonnummer 112 die Feuerwehr rufen.

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