Wer im Supermarkt nach Süßigkeiten mit Schokolade sucht, wird feststellen: Ganz schön teuer geworden. Kakao als Rohstoff steckt seit Jahren in der Krise. Durch den Klimawandel ist der Anbau bedroht, die Preise für die Tonne Kakao sind extremen Schwankungen ausgesetzt und kaum verlässlich.
Auch deshalb setzt die Süßwarenindustrie langsam aber sicher auf Schokoladenalternativen. Eine davon setzt sich immer mehr bei Keksen, Riegeln oder Müsli durch, also überall da, wo Schokolade nicht im Vordergrund steht. Das Produkt heißt ChoViva, ist auf Basis von Sonnenblumenkernen und kommt Schokolade geschmacklich sehr nah.
Das Münchner Startup "Planet A Foods" um die Gründergeschwister Sara und Maximilian Marquart hat ChoViva vor fünf Jahren entwickelt. Sie fanden heraus, dass nicht die Kakaobohne den Schokoladengeschmack erzeugt, sondern die Verarbeitung: Vor allem Fermentation und Röstung und die Zugabe von Fett und Zucker - also dieselbe Verarbeitung wie bei Kakao. Nur mit kürzeren Lieferketten.
Schoko-Geschmack aus Sonnenblumenkernen
War am Anfang Hafer der Hauptbestandteil, entwickelt sich der schokoladige Geschmack mittlerweile aus Sonnenblumenkernen, die überwiegend in Bulgarien angebaut werden. Noch muss das Startup Sheabutter und Palmfett für ChoViva einsetzen, aber auch da tüfteln die Wissenschaftler an Alternativen. Erklärtes Ziel: eine nachhaltige und nahezu klimaneutrale Alternative zu Schokolade, die für die breite Masse sein soll.
Über 140 Produkte in elf Ländern gibt es mittlerweile mit ChoViva. In Deutschland haben die großen Supermarkt-Ketten ausgewählte Produkte ihrer Eigenmarken im Sortiment.
Verbrauchertäuschung und billiges Imitat
Der Bundesverband der Verbraucherzentrale sieht die Entwicklung skeptisch. Auf der Internetseite "lebensmittelklarheit.de" hatten Verbraucher fünf Produkte gemeldet, von denen sie sich getäuscht fühlten.
Der Vorwurf: Skimpflation - also eine verdeckte Preiserhöhung, bei der der Hersteller hochwertige gegen minderwertige Zutaten austauscht. Außerdem sei die neue Zutat bei den Produkten so versteckt, dass Verbraucher das nicht erkennen könnten. ChoViva sei aufgrund der aufgelisteten Zutaten ein "billiges Schokoladen-Imitat".
Vorwürfe, die das Startup Planet-A-Foods so nicht stehen lassen will und seit Wochen versucht, mit der Verbraucherzentrale ins Gespräch zu kommen. Bisher vergeblich.
Industriell gefertigte Produkte mit ChoViva gibt es aktuell zum selben Preis wie die mit echter Schokolade, also nicht günstiger. Das liege laut Planet-A-Foods an den aufwändigen Produktionsprozessen, den hochwertigen Zutaten und den bisherigen Mengen.
Kennzeichnungspflichtig seien die Zutaten auf einer Liste der Rückseite. Dennoch besteht Planet-A-Foods nach eigenen Angaben bei seinen Partnern darauf, ChoViva mit Siegel auf jedes neue Produkt auf der Schauseite zu kennzeichnen und deutlich zu machen, dass es sich um eine kakaofreie Schokoladenalternative auf Sonnenblumenbasis handelt.
ChoViva in vielen Produkten
Keks-Gigant Griesson DeBeukelaer setzt seit etwa vier Jahren für ausgewählte Produkte auf die Schokoladen-Alternative. Das Unternehmen sei schon vor der Kakao-Krise auf der Suche nach zukunftssicheren Alternativen zur herkömmlichen Schokolade gewesen, sagt Geschäftsführer Dany Schmidt.
Auch andere große Süßwarenhersteller, wie Lambertz, Treets, Jokolade, Nestlé und viele Eigenmarken der Supermärkte und Discounter setzen für einen Teil ihres Sortiments auf die Schokoladenalternative aus Deutschland.
Mehr als eine Million Tonnen Schokoladenprodukte
Laut dem Bund der Deutschen Süßwarenindustrie wurden in Deutschland 2025 mehr als eine Million Tonnen Schokolade verarbeitet - der Bedarf nach Schokolade ist also riesig. Pro Kopf verbrauchen die Deutschen im Jahr zwischen neun und zehn Kilogramm Schokolade.
Wenn aber der Kakaoanbau weiter in der Krise steckt, müssten dringend Alternativen her, sagt Kakao-Experte Jürgen Bluhm, der sich mit Seminaren und Vorträgen für nachhaltigen Kakao-Anbau einsetzt. Und da sei ChoViva geschmacklich absolut eine Alternative für den Massenmarkt.