Steigende Lebensmittelpreise: Spar-Tipps

Sonderangebote: Warum es immer weniger gibt und wie wir trotzdem sparen

Weniger Sonderangebote in den Angebotsprospekten der Supermärkte und Discounter: Woran das liegt und wie wir beim Einkaufen dennoch unsere Geldbeutel schonen können.

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Stand

Von Autor/in Moritz Hartnagel

Corona, Ukrainekrieg und jetzt der Irankrieg – immer neue Krisen führen zu steigenden Lebensmittelpreisen. Experten gehen von weiteren Preiserhöhungen in den nächsten Monaten aus.  

Dabei ist schon jetzt jede und jeder zweite finanziell auf Sonderangebote angewiesen, wie Studien zeigen. Und mehr als jeder zweite berichtet, dass Sonderangebote den Kauf von Markenprodukten überhaupt erst ermöglichen. 

Dazu kommt, dass Forscher nun herausgefunden haben, dass die Anzahl der Sonderangebote in den gedruckten Angebotsprospekten der Supermärkte und Discounter sinkt.  

Immer weniger Sonderangebote für Lebensmittel

Laut Professor Carsten Kortum von der Dualen Hochschule Heilbronn gibt es einen "signifikanten Rückgang von 16 Prozent in der Anzahl der Sonderangebote in diesen Handzetteln". Gemeinsam mit dem Preisvergleichsportal Marktguru hat die Hochschule den Zeitraum vom ersten Quartal 2024 bis zum ersten Quartal 2026 untersucht.

Gleichzeitig hat in diesem Zeitraum der Umsatzanteil von Sonderangeboten zugenommen. Kein Wunder – schließlich kosten einige Produkte heute im Angebot so viel wie früher der Normalpreis war.

Gestiegene Lebensmittelpreise – Beispiele

Zur Veranschaulichung: 

  • Eine Packung Dallmayr Prodomo-Kaffee gab es vor drei Jahren zum Preis von 7,99 Euro. Heute gibt es diesen Preis nur noch im Angebot.  
  • Ähnlich bei einer Flasche Hohes C-Saft: Vor drei Jahren war 2,29 Euro der Normalpreis, mittlerweile ist dies ein Aktions-Preis.  
  • Oder bei einer Tafel Milka Schokolade: 2022 war 1,29 Euro der Regalpreis. Jetzt handelt es sich um einen Angebots-Preis. Dazu kommt: Damals waren noch 100 Gramm in der Tafel, heute nur noch 90 Gramm.  

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Da stellt sich die Frage: Wieso sinkt trotz starker Nachfrage die Zahl der Sonderangebote?

Weniger Sonderangebote – Grund Nr. 1

Viele Hersteller haben mit gestiegenen Kosten zu kämpfen. Beispiel Kaffee: Hier haben sich die Rohkaffee-Preise unter anderem aufgrund des Klimawandels deutlich erhöht.

Hersteller haben nun zwei Möglichkeiten, um die gestiegenen Kosten an die Kunden weiterzugeben: Entweder sie höhen den Regalpreis drastisch und bieten das Produkt dafür genauso oft im Angebot an wie in der Vergangenheit. Oder sie erhöhen den Regalpreis gar nicht beziehungsweise nur leicht und bieten das Produkt dafür deutlich seltener im Angebot an als früher.

Die zweite Option hat aus Herstellersicht den Vorteil, dass das den Verbrauchern meist nicht so auffällt. 

Die Industrie hat höhere Kosten, der Handel hat höhere Kosten. Man muss ganz dringend auf die Marge achten. Das ist eigentlich der Hauptgrund, der genannt wird.

Und dann gibt es da noch einen zweiten, hausgemachten Grund. 

Weniger Sonderangebote – Grund Nr. 2

Ein Teil der Sonderangebote hat sich verlagert – und zwar in die so genannten Kunden-Apps. "Gerade bei den beiden großen Supermarktketten in Deutschland, bei der Rewe und bei der Edeka", erläutert Kortum. 

So beobachten die Forscher den größten Rückgang bei der Zahl der Sonderangebote beim Jahreswechsel 2024/25. Genau zu diesem Zeitpunkt haben insbesondere Edeka und Rewe ihre Apps massiv beworben.

Man habe diese Apps stark gepusht und sei dadurch auch gerade bei Rewe etwa sehr schnell auf hohe Bekanntheit und Nutzungsquoten gekommen – natürlich mit einem "Riesen-Marketing-Invest", so der Handels-Experte. 

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Vorteile für den Handel – Nachteile für die Kunden

Der Haken: Diese Sonderangebote in den Apps stehen nicht mehr allen Kunden zur Verfügung, sondern sind exklusiv den Nutzern von Apps wie Lidl Plus, Rewe Bonus oder Kaufland Xtra vorbehalten.  

Ein großer Vorteil für die Handelsketten: Durch die Apps erhalten sie viele Informationen über das Einkaufsverhalten der Nutzer und können die zum Beispiel für personalisierte Werbung nutzen.  

Der Nachteil für die Kunden: Für jede Handelskette braucht es eine eigene App. Und: Kundinnen und Kunden bezahlen mit ihren Daten. Eine Entwicklung, die Verbraucherschützer kritisch sehen. 

Wenn wir mit unseren Daten bezahlen, seien die Angebote eigentlich nicht mehr kostenlos, sagt Verbraucherschützerin Heike Silber. "Wenn Nutzer*innen dem einwilligen, ist es in Ordnung. Aber wir stellen fest, dass es oft in den Nutzungsbedingungen, Teilnahmebedingungen nicht so eindeutig formuliert ist."

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Die Gefahr: Solche Apps können süchtig machen

Außerdem würden viele der Apps sogenannte Gamification nutzen. Darunter versteht man spielerische Elemente, die regelrecht süchtig machen können. 

Man wird so in diesen Sog reingezogen, genau bei dieser App, bei diesem Laden einfach immer mehr zu kaufen. Am Ende kann das dazu führen, dass ich mehr Geld ausgebe und weniger gespart habe - aber den Eindruck habe, dass ich ganz viel Rabatt bekommen habe.

Rechtliche Schritte gegen Lidl und Penny

Im Zusammenhang mit den App-Rabatten geht die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg auch rechtlich gegen verschiedene Handelsunternehmen vor, zum Beispiel gegen Lidl und Penny. Der Vorwurf: In der Vergangenheit hätten die Handelsketten mit Rabatten in den Prospekten geworben, die nur für App-Nutzer gelten – ohne dabei den Normalpreis anzugeben. 

Inzwischen würden sie diesen zwar in der Regel angeben, aber teilweise versteckt im Kleingedruckten. Silber wünscht sich, dass der Normalpreis so prominent angegeben wird wie der App-Rabatt.

Kritikpunkte, über die Verbraucher möglicherweise hinwegsehen würden, wenn man mit den Apps dafür wenigstens richtig viel Geld sparen könnte. 

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Sven Reuter vom Preisvergleichsportal Smhaggle hat untersucht, wie groß die tatsächliche Ersparnis ist, wenn man solche Apps nutzt. Dafür hat er über eine Million Kassenbons ausgewertet.  

Das enttäuschende Ergebnis: Im Durchschnitt sparten Kunden gerade einmal ein Prozent mit den Händler-Apps. Das entspricht bei einem Einkaufswert von 100 Euro einem Euro, den man einspart.

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So können wir trotzdem beim Einkaufen sparen

Was also tun, wenn die Ersparnis bei den App-Angeboten eher gering ist und die Zahl der Sonderangebote in den gedruckten Prospekten sinkt? 

Sven Reuters Tipp: Gezielt Eigenmarken kaufen. Sie seien händlerübergreifend im Schnitt 46 Prozent günstiger als das vergleichbare Markenprodukt. Und damit, selbst wenn die Marken zum Aktionspreis angeboten werden, in der Regel noch günstiger.  

Sparen mit Eigenmarken – Beispiele 

Die Barilla Spaghetti im Angebot bei Rewe im April 2026 für 99 Cent. Noch günstiger: Die Spaghetti der Rewe-Eigenmarke Rewe Bio – ganz ohne Angebot und sogar in Bio-Qualität. Die Standard-Spaghetti der Rewe Eigenmarke Ja kosteten sogar nur 79 Cent.

Weiteres Beispiel: Haferflocken der Marke Kölln findet die ARD-Verbraucher-Redaktion bei Kaufland im Angebot für 1,19 Euro. Noch günstiger: Die Haferflocken der Kaufland-Eigenmarke für nur 69 Cent.

Super-Spar-Tipp: Eigenmarke im Sonderangebot

Ein besonderes Schnäppchen: die Kombination aus Eigenmarke und Sonderangebot. So ist zum Beispiel die Schokolade der Lidl-Eigenmarke mit 89 Cent ohnehin schon günstiger als vergleichbare Markenschokolade. In der Aktion kostet sie reduziert sogar nur noch 79 Cent. 

Bis vor ungefähr drei Jahren gab es Eigenmarken eigentlich überhaupt nicht im Angebot. Aber die letzten drei Jahre hat sich das sehr etabliert und dann ist es eigentlich nicht mehr zu schlagen, dieser Preis.

Gut zu wissen, denn Experten gehen davon aus, dass in den nächsten Monaten mit weiteren Preissteigerungen zu rechnen ist - vor allem aufgrund des Irankriegs. 

Bestimmte Lebensmittel jetzt auf Vorrat kaufen

Der Tipp der Verbraucherzentrale: Sich von bestimmten Lebensmitteln aus der vom Krieg betroffenen Region einen kleinen Vorrat anlegen, da sie mutmaßlich bald teurer werden. 

Heike Silber betont allerdings: „Man weiß es aber natürlich nicht genau, wir haben keine Glaskugel. Wenn die Krisen sich befrieden, kann es auch gleich wieder in eine andere Richtung gehen.“ Sollte sich die Vermutung jedoch bewahrheiten, könnten Produkte betroffen sein wie zum Beispiel 

  • Datteln,  
  • Pistazien,  
  • Safran. 

Praktisch: Das sind alles Produkte, die länger haltbar sind. 

Ähnlich verhält es sich bei Getreideprodukten wie etwa Nudeln, die aufgrund von steigenden Preisen für Düngemittel vermutlich bald teurer werden.  

So können sich Verbraucherinnen und Verbraucher auch in Krisenzeiten und trotz weniger Sonderangebote zumindest ein wenig vor der Inflation schützen.

Einkaufs-Ärger Sonderangebote: Günstig – aber nie da?

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