Am Abend des 12. August lohnt sich der Blick in den Himmel: Der Mond schiebt sich zwischen Sonne und Erde, über Teilen Europas sogar in den Kernschatten. In Deutschland ist eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen – ein astronomisches Highlight.
Doch wer ungeschützt in die Sonne schaut, riskiert schwere Augenschäden. Gewöhnliche Sonnenbrillen reichen dafür nicht aus. Wir erklären, wie Sie das Spektakel sicher genießen können und welche Hilfsmittel wirklich schützen.
Die ESA-Mitarbeiterin Catherine Fischer beteiligt sich an der Planung und Koordination wissenschaftlicher Sonnenbeobachtungen der Raumsonde Solar Orbiter. Sie freut sich auf das Ereignis – und mahnt zur Vorsicht. Sie will die Finsternis selbst nur mit geprüfter Sonnenfinsternisbrille beobachten. Auch Fachleute für Strahlenschutz warnen eindringlich vor einem ungeschützten Blick in die Sonne.
Partielle Sonnenfinsternis über Deutschland: Was ist zu sehen?
Europa erlebt am 12. August eine Sonnenfinsternis in den Abendstunden. Im Kernschatten, etwa über Nordspanien, wird es besonders eindrucksvoll. In Deutschland verdeckt der Mond die Sonne nur teilweise – eine partielle Sonnenfinsternis.
Zwischen etwa 19 und 19.30 Uhr schiebt sich der Mond vor die tief stehende Sonne. Wer das beobachten möchte, sollte sich rechtzeitig einen Aussichtspunkt mit freier Sicht Richtung Nordwesten zum Horizont suchen.
Die besondere Gefahr: In der Dämmerung ist die Pupille stärker geweitet als am hellen Tag. Dadurch trifft mehr Strahlung auf die Netzhaut.
Dr. Klaus Jäger | 12.8.2026 Astronom verrät, wie ihr die partielle Sonnenfinsternis am besten beobachtet
Sonnenfinsternis am 12. August – in BW verdeckt der Mond die Sonne allerdings nur zu 90%. Wo sind die besten Spots im Land, um das zu beobachten?
Warum der Blick in die Sonne so gefährlich ist
Sonnenlicht wird durch Hornhaut und Linse im Auge gebündelt und auf die Netzhaut fokussiert. Wer die Sonne direkt und bewusst ansieht – auch während einer Sonnenfinsternis –, kann die sehr empfindliche Netzhaut stark und dauerhaft schädigen.
Tückisch ist: Sie besitzt keine Schmerzrezeptoren. Daniela Weißkopf, Leiterin des Fachgebietes Optische Strahlung beim Bundesamt für Strahlenschutz, erklärt, dass Betroffene die Verletzung zunächst gar nicht bemerken. Erst Stunden später zeigen sich Symptome. Die Expertin warnt.
Wer plötzlich dauerhaft dunkle oder graue Flecken im Sichtfeld hat, alles verschwommen sieht oder gerade Linien verbogen erscheinen, sollte umgehend einen Augenarzt oder eine Augenklinik aufsuchen. Die Beschwerden können auf eine bleibende Schädigung der Netzhaut hinweisen.
Wie entstehen Sonnen- und Mondfinsternis?
Bei einer Sonnenfinsternis verdeckt der Mond die Sonne. Warum kann man das nicht von überall auf der Erde sehen? Warum sind Sonnen- und Mondfinsternis so selten?
Sonnenfinsternisbrille: Darauf sollten Sie beim Kauf achten
Eine normale Sonnenbrille bietet keinen ausreichenden Schutz vor der Sonnenstrahlung. Am sichersten lässt sich die Sonnenfinsternis mit speziellen Sonnenfinsternisbrillen - auch Sonnensichtbrillen genannt - beobachten.
Diese bestehen meist aus Pappe mit einer besonderen Filterfolie. Die Folie sorgt dafür, dass maximal etwa 0,001 Prozent des Sonnenlichts durchgelassen wird.
Wichtig ist, dass die Brille gut sitzt und die Augen vollständig abdeckt. Auch seitlich sollte kein Sonnenlicht einfallen können. Vor der Nutzung die Folie genau prüfen: Sie darf keine Kratzer, Risse oder Alterungsspuren haben.
Beim Kauf empfiehlt die Expertin vom Bundesamt für Strahlenschutz auf folgende Punkte zu achten:
- Die Norm DIN EN ISO 12312-2 sollte angegeben sein.
- Eine CE-Kennzeichnung muss vorhanden sein – sie zeigt, dass die Brille EU-Anforderungen erfüllt.
- Benutzungs- und Warnhinweise des Herstellers sollten beiliegen.
- Vor dem Kauf ist eine Sichtprüfung wichtig, um Schäden an der Folie auszuschließen.
Sonnenfinsternisbrillen gibt es in Geschäften für Astronomiebedarf, bei einigen Optikern und Buchhandlungen, teilweise auch in Kamera- und Objektiv-Shops oder Versandhäusern.
Die Preise starten etwa bei 99 Cent und können je nach Anbieter deutlich variieren. Mancherorts sind sie bereits vergriffen.
Smartphone, Kamera und Teleskop: Ohne Filter droht Schaden
Viele möchten die Sonnenfinsternis mit dem Smartphone oder einer Kamera festhalten. Doch auch hier gilt: Die Sonne darf nicht ungeschützt ins Objektiv oder auf den Kamerasensor treffen. Die starke Strahlung kann den Chip schädigen.
Daniela Weißkopf rät davon ab, die Finsternis einfach über das Smartphone-Display zu verfolgen. Ohne speziellen Filter könne die Handykamera „das nicht lange überleben“.
Im Handel gibt es extra Filter für Smartphones und Kameras. Auch für Teleskope sollten nur geprüfte Filter zur Sonnenbeobachtung verwendet werden.
Diese Filter haben zwei Vorteile:
- Sie schützen Sensoren und Optiken, indem sie das einfallende Licht auf ein Minimum reduzieren.
- Sie ermöglichen erst scharfe Aufnahmen der Sonnenfinsternis, weil genügend Licht reduziert wird.
Auch bei Objektiven und Teleskopen gilt: Nur geprüfte Filter verwenden, die für die Sonnenbeobachtung ausgewiesen sind. Improvisierte Lösungen ohne speziell geprüfte Filter zur Sonnenbeobachtung sind ungeeignet und sollten vermieden werden.
Lochkamera und Beobachtung mit Kindern: sicher und kreativ
Wer keine Sonnenfinsternisbrille kaufen möchte oder keine mehr bekommt: Man kann das Ereignis auch indirekt beobachten. Eine einfache Möglichkeit dafür ist eine selbstgebastelte Lochkamera - eine sogenannte camera obscura.
Dazu braucht man nur einen Karton und ein Stück Transparentpapier. Die Lochkamera projiziert ein kleines Bild der Sonne – und zeigt so auch die vom Mond verdeckte Sonnenscheibe, ohne dass man direkt in die Sonne blickt.
Gerade mit Kindern kann das Basteln der Lochkamera Spaß machen und die Beobachtung der Sonnenfinsternis erleichtern. Ein Anleitung mit Video gibt es zum Beispiel auf der Internetseite des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS). Eine Bauanleitung mit genauer Materialliste zum Nachbasteln bietet das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).
So beobachten Sie die Sonnenfinsternis sicher – die wichtigsten Punkte
- Schauen Sie nicht direkt in die Sonne – das kann die Netzhaut irreparabel schädigen. Die Gefahr ist in den Abendstunden erhöht, weil die Pupille weiter geöffnet ist.
- Normale Sonnenbrillen schützen nicht. Nutzen Sie nur geprüfte Sonnenfinsternisbrillen nach DIN EN ISO 12312-2 mit CE-Kennzeichnung.
- Kontrollieren Sie die Folie auf Kratzer oder Risse und tragen Sie die Brille dicht am Gesicht.
- Verwenden Sie für Smartphone, Kamera oder Teleskop spezielle Sonnenfilter, damit Sensoren und Optiken nicht beschädigt werden.
- Alternativ können Sie mit einer Lochkamera indirekt beobachten – besonders geeignet für Kinder.
- Bei Sehstörungen wie dunklen Flecken, verzerrten Linien oder verschwommenem Sehen nach der Beobachtung: Sofort zum Augenarzt oder in die Augenklinik gehen.