Der Black Friday steht bevor. 2025 fällt er auf den 28. November. Ihm dicht folgt der Cyber-Monday am 1. Dezember. Erwartet wird an beiden Tagen ein Umsatz von rund 5,8 Milliarden Euro.
Denn viele sehen den beiden Tagen jedes Jahr gespannt entgegen, um Schnäppchen zu machen. Nach einer Umfrage des Handelsverbands wollen 48 Prozent der Deutschen den Black Friday nutzen, um reduzierte Ware zu kaufen und 33 Prozent den Cyber Monday.
Die Wahrheit über Schnäppchen-Preise in der ARD Mediathek
Prime Day, Black-Friday oder Cyber-Monday – das ganze Jahr ist Schnäppchen-Jagd-Zeit. Wir schicken Amateure und Profis auf die Jagd nach den günstigsten Preisen.
Tipp: Vorher und hinterher schauen lohnt sich auch. Denn bei vielen Händlern gibt es sogar eine Black Week, hier können sich die genauen Zeiträume jedoch unterscheiden. Doch worauf sollte man nun allgemein achten, wenn man Schnäppchen machen will?
Schnäppchen-Challenge an Rabatttag und ohne Rabatttag
Sind an Rabatttagen wirklich die größeren Schnäppchen drin? Wir blicken hinter die Kulissen des Schnäppchenwahns: Eine Familie aus Leipzig hat für uns den Praxis-Test beim Prime Day von Amazon am 11. Juli gemacht. Fünf Produkte – eine Akku-Ketten-Säge (ohne Akku), Markenschuhe, eine Küchenmaschine, eine Matratze und ein Tablet - sollten zum besten Preis erstanden werden.
Wirtschaftspsychologe Lucas Scheller, der auch den populären Schnäppchen-Blog dealdoctor.de betreut, hatte das gleiche Ziel – aber ganz ohne Rabatttag. Er legte am 21. August los.
Er kennt Tricks und Kniffe rund um Coupons, Sonderrabatte und Co und versuchte, damit zu punkten. Und tatsächlich hatte er bei allen Produkten den niedrigeren Preis erzielt. Mit knapp 880 Euro, die er für die fünf Produkte bezahlt hat, lag er über 300 Euro drunter.
Das zweite Ergebnis: Die Familie fokussiert sich künftig nicht mehr auf beworbene Rabatt-Aktionen.
Das Ergebnis des Schnäppchen-Wettbewerbs im Einzelnen:
| Familie | Profi | |
| Kettensäge | 100,49 Euro | 97,78 Euro |
| Schuhe | 31,99 Euro | 29,99 Euro |
| Tablet | 425,90 Euro | 409,35 Euro |
| Matratze | 141,55 Euro | 136,16 Euro |
| Küchenmaschine | 429,99 Euro | 205,90 Euro |
| Gesamt | 1129,92 Euro | 879,18 Euro |
Günstiger als der UVP - was ist dran?
Die Akku-Ketten-Säge (ohne Akku), die sich die Familie ausgesucht hat, kostete am Rabatttag auf Amazon 118 Euro. Laut UVP ist sie mit 171,95 Euro angegeben. Das sind also 31 Prozent gespart. Aber nur auf den ersten Blick!
Nach unseren Recherchen hat sie auch zwischen März und Juni konstant 118 Euro gekostet. Laut Preisangabenverordnung, die zum Schutz für Verbraucher im Mai 2022 eingeführt wurde, muss sich die Rabattangabe am tatsächlich erzielten Bestpreis der letzten 30 Tage orientieren. Das wären hier also null Prozent Ersparnis!
Tipp: Den Preis über eine längere Zeit verfolgen und Produktvergleichsportale checken. Im schlimmsten Fall sind Produkte an einem Rabatttag sogar teurer. Das hat die Familie beim Tablet erlebt.
Experte: "Der Händler muss ja Gewinn machen"
Letztlich muss einem klar sein, diese Inflation von Sonderaktionen und Rabattaktionen kann ja nicht funktionieren. Denn der Händler muss ja Gewinn machen.
Auch UVP-Angaben seien mit Vorsicht zu genießen. Solch eine unverbindliche Preisempfehlung müsse nicht immer auf einer ernsthaften Kalkulation beruhen.
Dann sei auch hier eine Werbung mit solch einer Angabe irreführend und unzulässig. "Man macht es, weil es funktioniert", sagt er. Wer solle das beanstanden, gibt er zu bedenken. Für Verbraucher sei das nicht möglich. Darauf wird auch gesetzt.
Nur noch für kurze Zeit zu haben? – das Jagdfieber wird angeregt
Viele Angebote werden online begleitet von Hinweisen wie "nur für kurze Zeit", "nur noch wenige Artikel verfügbar" oder "…endet in 4-3-2-1" Sekunden. Das soll zum schnellen Handeln anregen, um kein Schnäppchen zu verpassen.
Doch in vielen Fällen ist die Marketing-Masche eine irreführende Werbung. Aber sie funktioniert oft, das ist auch wissenschaftlich nachweisbar. Neurowissenschaftler Kai-Markus Müller kann das anhand von Hirnstrombewegungen von Verbrauchern im MRT belegen, denen verschiedene Angebote präsentiert wurden. Es kommt zu stärkeren Durchblutungsänderungen.
Rabattsymbole sind ein gelernter Reiz. Wenn wir Rabattsymbol sehen, ist das in unserem Gehirn automatisch verknüpft mit der positiven Emotion, so dass wir gar nicht mehr wirklich nachrechnen.
Hier spricht man vom Neuropricing. Und die wissenschaftlichen Methoden des Neuropricing werden von Industrie und Handel vielfach genutzt, um Verbraucher gezielt zu beeinflussen.
Shoppen ohne Ende? Immer mehr Kauf-Events: Was es mit dem "Singles' Day" auf sich hat
Wenn es nach Händlern geht, sind November und Dezember Shopping-Monate: Es locken Rabatte beim Black Friday, Cyber Monday und am 11. November zum Singles' Day.
Paybackpunkte, Coupons und neue Visakarte mit Startgutschrift
Lucas Scheller vom Schnäppchen-Blog dealdoctor.de hat auch Paybackpunkte eingesetzt. Payback gehört zum Cash Back-System. Doch ehe man Punkte einlösen kann, muss man welche sammeln. Für 100 Euro erhält man 50 Payback-Punkte. Die können beim nächsten Einkauf eingelöst werden. Ein Punkt gleicht einem Cent Rabatt. Löst er also 50 Punkte ein, werden ihm dafür 50 Cent abgezogen vom Preis.
Rabatt-Coupons hat er ebenso benutzt, um den Preis zu drücken. Diese gibt es auch digital auf verschiedenen Couponseiten, über Apps oder E-Mails. Dabei werden Gutscheine meist durch eine Kundenkarte aktiviert und sofort an der Kasse eingelöst.
Einkaufs-Ärger Sonderangebote: Günstig – aber nie da?
Rabatte in Prospekten von Supermärkten und Discountern locken Kunden in die Läden. Ärgerlich, wenn das Regal dann leer ist. Gefühlt passiert das häufiger. Warum eigentlich?
Im Schnäppchenwettstreit hat sich der Experte auch eine neue Visa-Karte von Amazon zugelegt. Das ist eine kostenlose Kreditkarte mit Punkte-Programm. Dafür hat er eine Startgutschrift erhalten. Das ist zwar eine einmalige Aktion, aber sie bringt Amazon-Prime-Kunden 15 Euro. Wer nicht Prime-Kunde ist, bekommt zehn Euro.
Aber die Visa-Karte punktet auch danach. "Das Gute bei der Visa-Karte ist, die hat man bei Amazon immer hinterlegt als Zahlungsoption. Das heißt, da bekommt man automatisch immer ein Prozent. Das ist nicht viel, aber es läppert sich", sagt Scheller.
Der Bonus wird dem Kundenkonto gutgeschrieben und kann bei weiteren Einkäufen eingesetzt werden. Übrigens: Für Einkäufe außerhalb der Plattform, wo Visa akzeptiert wird, gibt es 0,5 Prozent auf das Amazon-Kundenkonto zurück.
Mit solchen Kniffen sind auch gute Ersparnisse außerhalb der Rabatttage drin. Doch sie kosten auch Zeit, weiß auch der Profi-Schnäppchenjäger.
Nicht den Fehler machen, zu viel Zeit zu investieren. Wenn es am Ende gar keinen Spaß mehr macht und man hat eventuell nur 2 bis 3 Euro gespart.
Die Gutschriften solcher Rabattaktionen werden aber auch immer mit der Herausgabe von eigenen Daten bezahlt. Darauf weisen auch Verbraucherschützer immer wieder hin.
Einen Preiskampf hat der Schnäppchen-Experte auch für sich entscheiden können, weil er ein Produkt über das Portal "Kleinanzeigen.de" günstig erwerben konnte: "Es gibt Leute, die haben ein Produkt gekauft, ausgepackt und dann wieder online gestellt. Dann hat man ein komplett neues, neuwertiges Produkt. Aber für viel weniger Geld."
Das Glück hatte er. Hier lohnt auch ein Blick bei der Konkurrenz, wie Quoka oder dem Marketplace von Facebook.
Abzocke im Internet Ärger beim Online Shopping - so schützen Sie sich vor Billigware und Retouren
Günstig einkaufen möchte jeder, aber auch die Qualität der Ware ist für viele entscheidend. Ein Einfallstor für ein Geschäftsmodell: Vorsicht, wenn aus Asien geliefert wird.
Zum Schluss: Vorsicht vor Fake-Shops
Der Online-Handel ist ein Milliardengeschäft. Daran wollen auch Kriminelle mitverdienen und präsentieren vermeintlich gute Angebote in Fakeshops. In Deutschland gibt es sie inzwischen im "hohen vierstelligen Bereich", wie Katrin Bartsch von der Verbraucherzentrale Niedersachsen sagt.
Hier sollte man sich auch nicht von den bekannten Gütesiegeln wie TÜV oder Stiftung Warentest täuschen lassen, denn die können von Betrügern kopiert werden.
Die Verbraucherzentrale hat einen Fakeshop-Finder entwickelt, der Verbraucher davor schützen soll. Gibt man dort die URL der verdächtigten Seite ein, wird sie als seriös, auffällig oder unseriös eingestuft.
Aber immer gilt auch: Das Impressum und AGB checken. Gibt es hier offene Fragen oder Auffälligkeiten: Finger weg!