Private Stellplätze für alle öffnen

Diese Parkmöglichkeiten helfen gegen die Parkplatznot in Städten

In vielen Städten wie Mainz kostet das Anwohnerparken immer mehr Geld. Doch mit alternativen Parkmöglichkeiten könnte man der Parkplatznot entgegenkommen.

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Stand

Parken in Mainz kostet jetzt mehr – vor allem für große Autos. Doch die Stadt bietet Alternativen: Abends, am Wochenende und an Feiertagen können Anwohner Stellplätze in den Parkhäusern mieten. Nach diesem Modell kosten die Plätze im Parkhaus rund 17 Euro im Monat, was 204 Euro im Jahr entspricht. Zum Vergleich: Für Anwohnerparkplätze an der Straße werden jetzt je nach Fahrzeuggröße bis zu 300 Euro jährlich fällig.

Wir haben mit Prof. Dr. Volker Blees darüber gesprochen. Er ist Professor für Verkehrswesen an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden und hat erforscht, wie parkende PKW den öffentlichen Raum beeinflussen.

Parkplätze in städtischen Parkhäusern mieten

SWR1: Lohnt sich dieses Projekt in Mainz besonders für Luxuslimousinen und SUVs?

Volker Blees: Ich denke, das lohnt sich für alle. Der Preisunterschied ist auf das Gesamtjahr gerechnet nicht allzu groß und beide sind gemessen daran, was Stellplätze tatsächlich kosten, auch recht günstige Tarife.

SWR1: In Ihrer Studie kommen Sie zu dem Schluss, dass es gut ist, wenn sich Anwohner Stellplätze in Parkhäusern mieten. Wenn dadurch die Mainzer Autofahrer kaum etwas sparen, wo liegen denn da die Vorteile?

Blees: Die Vorteile liegen vor allem darin, dass wir heute in vielen Bereichen des öffentlichen Raums Platz verbrauchen mit stehenden Autos, den wir in heutigen Zeiten – Stichwort wachsender Fußgängerverkehr, wachsender Radverkehr und Notwendigkeit, Flächen zu entsiegeln in der Stadt – einfach nötiger brauchen.

Dann kann es eigentlich nur sinnvoll sein, wenn Flächen, die ohnehin zum Parken vorgesehen sind, zu vielen Zeiten aber leer stehen, eben genutzt werden.

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Parkplatznot in Städten: private Stellplätze nutzen

SWR1: Besteht die Gefahr, dass in Zukunft in den Städten dann keine Parkplätze mehr frei sind für Leute, die einfach in die Stadt wollen?

Blees: Nein, diese Stellplätze im privaten Raum, die können auch durchaus so bewirtschaftet werden, dass sie spontan genutzt werden können. Also, da gibt es durchaus Systeme, es gibt Anbieter, die das heute schon in verschiedenen Städten wie beispielsweise Düsseldorf oder Köln offerieren. Das ist also nicht das Problem.

SWR1: Wie funktioniert das genau?

Blees: Sie können einen Parkplatz buchen, genauso wie Sie heute auch in eine freie Tiefgarage oder in ein Parkhaus fahren, über eine App. Dann wird Ihnen angezeigt, wo gerade Stellplätze frei sind, die bisher eben nicht so öffentlich zugänglich waren und dort können Sie dann hinfahren.

Alternative Parkmöglichkeiten

SWR1: Sie haben in Ihrer Studie zum Beispiel auch die Parksituation in Neustadt an der Weinstraße überprüft. Das Ergebnis: Es gibt einige Parkplätze an Schulen oder auch Behörden, die man abends und am Wochenende an Anwohner vermieten könnte. Wäre das auch eine Überlegung für andere Orte in Rheinland-Pfalz?

Blees: Ja, auf jeden Fall. [Die Parkplatznot] ist natürlich eher ein städtisches Phänomen als ein ländliches oder kleinstädtisches. [...] Aber wir stellen einfach fest, dass der öffentliche Raum häufig voll geparkt ist, während teurer Parkraum auf privaten Grundstücken leer steht. Das würde sich einfach wunderbar ergänzen, auch in mittelgroßen Städten wie Neustadt an der Weinstraße.

Wir stellen fest, dass der öffentliche Raum häufig voll geparkt ist, während teurer Parkraum auf privaten Grundstücken leer steht.

SWR1: Die Stadt Düsseldorf hat sogar Supermarktparkplätze angemietet, wo sich Anwohner abends und am Wochenende ihren Parkplatz buchen können. Wäre das auch was für größere Städte hier bei uns in Rheinland-Pfalz?

Blees: Auf jeden Fall. Wir haben ganz viele verschiedene Stellplatztypen, die unterausgelastet sind. Das sind Supermarktparkplätze, vor allem in den Nachtstunden. Das sind aber auch Parkplätze von Gewerbeeinrichtungen, von Büros, die auch häufig tagsüber nur ausgelastet sind und selbst seit Corona und seit zunehmendem Homeoffice eben nicht mehr gut ausgelastet sind.

Bees: Kommunen und Städte müssen auf private Stellplatzbesitzer zugehen

SWR1: Das klingt so, als ob die Parkplatzprobleme damit komplett gelöst wären. Wann spüren wir das als Bürger?

Blees: Wir spüren das dann, wenn es gelingt, all diese brachliegenden Ressourcen tatsächlich zu aktivieren. Das heißt, wir brauchen irgendeinen Akteur, beispielsweise die Stadt Mainz oder die Kommune insgesamt, die auf all diese Grundstückseigentümer zugeht und ihnen auch Angebote macht. Das ist unter Umständen die Öffnung von privaten Parkplätzen für solche Mehrfachnutzungen.

Es erfordert vielleicht die ein oder andere kleinere Investition, um beispielsweise mit der App dann auch einen Parkplatz ansteuern zu können. Da müssen einfach die Kommunen als Akteure auf die privaten Stellplatzbesitzer zugehen.

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Erstmals publiziert am
Stand
Das Interview führte
Steffi Stronczyk
SWR1 RP Moderatorin Steffi Strinczyk
Michael Lueg
Michael Lueg
Interview mit
Volker Blees, Professor für Verkehrswesen
Onlinefassung
SWR1