Am 25. Oktober 2000 haben sich die Umweltminister von Bund und Ländern darauf geeinigt, ein Zwangspfand auf Einweg-Flaschen und Dosen einzuführen - umgangssprachlich das Dosenpfand. Deutschland hatte zuvor drei Jahre lang in Folge die gesetzlich vorgeschriebene Quote für Mehrwegverpackungen von rund 70 Prozent verfehlt.
Dann, so war es gesetzlich geregelt, mussten Maßnahmen folgen. Das Pfand auf Einwegflaschen und Dosen trat zum 1. Januar 2003 in Kraft und betraf am Anfang nur Bier, Mineralwasser und kohlensäurehaltige Getränke.
Pfand auf Einweg-Flaschen und Dosen sollte Müll reduzieren
Mit dem Pfand wurden zwei Ziele verfolgt: Zum einen sollte es dafür sorgen, dass Getränkeverpackungen nicht in der Umwelt landen, sondern wieder zurückgebracht werden. Zum anderen sollten Einwegverpackungen dadurch unattraktiver werden. Das sollte Verbraucherinnen und Verbraucher dazu bringen, zu Mehrwegflaschen zu greifen. Dadurch sollten auch die Weichen gestellt werden in Richtung Kreislaufwirtschaft. Denn Glasflaschen können bis zu 50 Mal befüllt werden.
Auch das Klima sollte geschont werden. Einwegverpackungen werden sehr häufig aus fossilen Rohstoffen hergestellt. Ihre Produktion, der Transport und später das Recycling sind sehr energieaufwändig und sorgen für einen hohen CO2-Ausstoß.
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat einmal ausgerechnet: Würden wir in Deutschland nur bei alkoholfreien Getränken ganz konsequent auf Mehrweg setzen, könnten wir allein dadurch jährlich bis zu 1,4 Millionen Tonnen CO2 einsparen.
Ziel weit verfehlt: Verpackungen werden meist nicht wiederverwendet
Das Ziel wurde allerdings mehr als verfehlt: Die seit Jahrzehnten gesetzlich vorgeschriebene Mehrwegquote von 70 Prozent haben wir noch nie erreicht. Aktuell liegt sie zwischen 30 und 40 Prozent - und das ist sogar ein niedrigerer Wert als zur Einführung des Einwegpfandes.
Gründe, warum es nicht klappt:
- Getränkedosen sind wieder sehr beliebt, vor allem bei jungen Menschen - weil sie leicht sind. Und 25 Cent Pfand tun vielen nicht weh, wenn sie die Dose doch nicht zurückbringen.
- Dazu kommt: Einwegprodukte haben auch für den Handel Vorteile. Denn Einweg ist billig und Mehrweg teurer, weil personell aufwändiger.
- Die Hersteller haben es bisher außerdem nicht geschafft, sich auf eine einheitliche Flaschenform und ein einheitliches Rücknahmesystem zu einigen.
Von einer Kreislaufwirtschaft ist Deutschland noch weit entfernt. Wir nutzen Verpackungen kurze Zeit, werfen sie weg und bestenfalls werden sie dann recycelt. Der Müll in der Umwelt hat nicht zuletzt deshalb nachgelassen, weil es Dosensammler gibt.
Höhere Mehrwegquote durch neue Gesetze?
Gesetzliche Vorgaben könnten dafür sorgen, dass Einweg finanziell deutlich unattraktiver wird. Konkret heißt das: Das Pfand für Einweg müsste deutlich teurer sein als das für Mehrweg.
Alle Supermärkte, Discounter oder Tankstellen könnten außerdem dazu verpflichtet werden, Mehrweg anzubieten.
Deutschland könnte die Hersteller von Mehrwegflaschen in die Pflicht nehmen, sich auf ein einheitliches System zu einigen. Auch verpflichtende Einweg-Reduktionsziele sind denkbar, hinterlegt mit konkreten Maßnahmen.
Und: Eine Verpackungssteuer wie in Tübingen oder Konstanz ist durchaus eine Möglichkeit, um Händler, aber auch uns Verbraucherinnen und Verbraucher mehr in Richtung Kreislaufwirtschaft und Mehrweg zu lenken.