"Foodsharing" bedeutet, Lebensmittel zu teilen. Wie genau das funktioniert, erklärt Michael Schäffer. Er ist Botschafter des Netzwerk Foodsharing in Mainz, eine Initiative, die gegen Lebensmittelverschwendung kämpft.
Foodsharing gegen Lebensmittelverschwendung
SWR1: Wie funktioniert Foodsharing?
Michael Schäffer: Im Endeffekt gehen wir zu Betrieben, seien das jetzt Discounter oder Bäckereien oder Uni- und Schulmensen. Wir sagen: "Was ihr nicht mehr verkaufen könnt oder wollt, gebt es uns. Das ist alles viel zu gut, als dass man es wegschmeißen muss." Dann sortieren wir für die vor und verteilen das so, dass möglichst wenig für die Tonne ist.
[...] Es findet natürlich auch Lebensmittelverschwendung im privaten Bereich statt. Insofern beschäftigen wir uns auch viel mit Aufklärungs- und Bildungsarbeit, um den Leuten ein bisschen die Problematik Lebensmittelverschwendung begrifflich zu machen.
So funktioniert Foodsharing bei Supermärkten und Discountern
SWR1: Funktioniert das? Geben die Märkte und diejenigen, die das Essen haben, das dann auch gerne ab?
Schäffer: Oh, absolut. Nehmen wir jetzt als Beispiel einen Discounter. Der spart sich eine Menge Müll, wenn wir hinkommen und Lebensmittel retten. Und: Wir sind in der Lage, frische und zum Teil wirklich beste Lebensmittel vor der Tonne zu retten und in Privathaushalte zu verteilen. Das erreicht zum Teil bedürftige, zum Teil nicht bedürftige Menschen, die das noch problemlos verwenden können.
Privatpersonen können Abgabestellen nutzen
SWR1: Wenn ich in den Urlaub fahre und in meinem Kühlschrank Lebensmittel habe, die sonst ablaufen würden, dann melde ich mich bei euch und gebe die Sachen ab, damit ich sie nicht in die Tonne schmeißen muss?
Schäffer: Genau, mehr oder minder. Bei Foodsharing kann jeder und jede mitmachen, es ist offen für alle. Zum Teil funktioniert es genauso, dass Sie sich bei jemandem melden.
Zum Teil gibt es Abgabestellen, unsere sogenannten Verteiler. Wenn Sie noch den halben Obstkorb übrig haben, können Sie den einfach in einen unserer Verteiler legen. Tagsüber kommen da Leute hin und dürfen sich dann bedienen.
Zusammenarbeit mit den Tafeln
SWR1: Nehmt ihr eigentlich den Tafeln etwas weg?
Schäffer: Den Tafeln auf keinen Fall. Im Gegenteil, würde ich behaupten. Das ist eine super laufende Kooperation. Zum einen haben die Tafeln einfach einen anderen Schwerpunkt. Da steckt ein riesiges Logistikunternehmen dahinter. Die sind in der Lage, schnell große Mengen zu verteilen. Da sind wir einfach eine Stufe darunter.
Wir arbeiten viel dezentraler und auch persönlicher. Das Nächste ist, dass die Tafel nicht überall sein kann. Zum Beispiel gibt es Tage, wie den Samstag, oder Ferienzeiten – da kommt die Tafel nicht.
Ein kleines Beispiel: Zwischen Weihnachten und Silvester hat die Tafel zu. Und da kommen wir als Foodsharing. Wir sagen dann: "Hey, wir haben jetzt einen Großteil des Mainzer Weihnachtsmarkts "berettet". Wir haben das in eine soziale Einrichtung gefahren und so konnten 80 Leute mit einem kleinen Weihnachtsmenü bekocht werden".