Mehr als 250 Eier isst ein Mensch in Deutschland im Schnitt pro Jahr - als Frühstücksei oder versteckt in Produkten wie Eierwaffeln oder Kuchen. Um die Nachfrage zu decken, setzen Geflügelzüchter und -züchterinnen auf spezialisierte Rassen - auf Legehennen, die viele Eier legen.
Männliche Küken sind in diesem System weniger wertvoll, weil sie keine Eier legen und wenig Fleisch ansetzen. Als Küken wurden sie deshalb bis 2022 nach dem Schlüpfen getötet, in vielen Fällen durch Gas oder durch Schreddern. Ein Gesetz hat das in Deutschland verboten.
Oft steht auf Eierpackungen im Supermarkt "ohne Kükentöten" oder "mit Bruderhahnaufzucht". Doch wie wird sichergestellt, dass keine männlichen Küken schlüpfen? Was passiert mit den Bruderhähnen? Und werden für Eier wirklich keine Küken mehr getötet?
Geschlechtsbestimmung im Ei: Männliche Küken vor dem Schlüpfen aussortieren
Brütereien versuchen, das Geschlecht der Küken schon im Ei zu bestimmen und damit zu verhindern, dass männliche Küken überhaupt schlüpfen. Dafür gibt es verschiedene Methoden.
- Bei einer davon wird ein kleines Loch in das Ei gebohrt, um die Flüssigkeit im Inneren zu analysieren - ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest.
- Bei einer anderen Methode durchleuchten Sensoren das Ei und messen, welches Licht absorbiert oder reflektiert wird.
Das Start-up Omegga München setzt auf die zweite Methode. Beim Auswerten der gesammelten Daten hilft künstliche Intelligenz (KI). Die KI wertet aus, ob das Ei eher männliche oder weibliche Merkmale zeigt.
Männliche Eier werden anschließend blau markiert, weibliche rot. So können Brütereien gezielt entscheiden, welche Eier sie weiter ausbrüten und welche sie aussortieren.
Je früher das Geschlecht bestimmt werden kann, desto besser
Laut dem Start-up lässt sich das Geschlecht schon am siebten Bruttag bestimmen. Das ist ethisch relevant: Je früher der Eingriff erfolgt, desto unwahrscheinlicher ist es, dass der Embryo bereits Schmerz empfindet. Gesetzlich erlaubt ist das nur bis zum zwölften Bruttag.
Bislang am Markt etablierte Methoden brauchen dafür rund drei Tage länger als die KI-Methode. Das Start-Up wurde auch deshalb von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) ausgezeichnet und vom Europäischen Innovationsrat gefördert.
Die KI liegt in 90 Prozent der Fälle richtig, während das Verfahren, bei dem die Flüssigkeit im Ei untersucht wird, in 98 Prozent der Fälle richtig liegt.
Das ungelöste Problem der Bruderhähne
Trotz des Fortschritts bei der Geschlechtserkennung im Ei schlüpfen manchmal nach wie vor männliche Küken. Brütereien können sich auch von Beginn an dafür entscheiden, sie auszubrüten. Diese sogenannten „Brüderhähne“ müssen laut Gesetz dann aber auch aufgezogen werden.
Doch die Aufzucht ist teuer, da diese Hähne – anders als für die Mast gezüchtete Tiere – nur wenig Fleisch ansetzen. Deshalb verkaufen viele Betriebe die Bruderhähne ins Ausland, wo die Mastbedingungen oft günstiger sind als in Deutschland - etwa durch niedrigere Lohnkosten und weniger Kontrollen.
Anschließend wird das Fleisch verkauft, teils um die halbe Welt, in Länder wie Ghana. Dort kann es eine Konkurrenz für das Hühnerfleisch heimischer Geflügelhalterinnen und -halter darstellen.
Andere Betriebe brüten die Eier nicht selbst aus, sondern kaufen schon geschlüpfte Legehennen aus dem Ausland. In Polen und den Niederlanden ist das Kükentöten weiterhin erlaubt. Vor allem in Lebensmitteln, in denen Eier verarbeitet sind, ist deshalb nicht auszuschließen, dass dafür auch Küken getötet wurden.
Nahrhaftes Lebensmittel wird knapp Eier – Massenware oder wertvoller Schatz?
Eier enthalten viele tolle Nährstoffe auf kleinstem Raum, sind aber seit dem letzten Jahr teuer und rar. Und das ist gut so - auch zu Ostern.
Zweinutzungsrassen: eine alternative Lösung?
Eine mögliche Lösung könnte die Rückkehr zu Zweinutzungsrassen sein. Die Hennen legen Eier, die Hähne setzen Fleisch an. Tierschutzverbände fordern genau das.
Auch deutsche Bio-Verbände wie Bioland, Naturland, Demeter, Biokreis und Gäa e.V. haben sich gegen die Geschlechtsbestimmung im Brutei entschieden und wollen langfristig die Entwicklung der Zweinutzungsrassen voranbringen.
Diese Tiere sollen robuster und weniger krankheitsanfällig sein. Doch der Marktanteil von Zweinutzungshühnern ist momentan sehr klein. Der Grund: Zweinutzungshühner sind weniger produktiv als Hybridrassen, was die Kosten für Eier und Fleisch erhöht.
Eier ohne Kükentöten: Auf KAT-Siegel achten
Das zeigt: Das Verbot des Küken-Schredderns ist vielleicht gut gemeint, aber nicht gut gemacht. In der Konsequenz haben viele deutsche Brütereien aufgegeben, und Brüderhähne werden im Ausland aufgezogen, weil es sich in Deutschland selten lohnt. Deshalb fordern auch Verbände, dass sich das System grundlegend ändert.
Bis dahin gilt im Supermarkt der genaue Blick: Das runde, rot-weiß-grüne KAT-Siegel ist ein wichtiger Hinweis, dass die Eier in diesem Karton ohne Kükentöten produziert wurden.