Sollte man neue Kleidung vor dem ersten Tragen waschen oder nicht? Diese Frage beschäftigt Verbraucherinnen und Verbraucher. Oft hört man, dass Schadstoffe in Textilien sein können, die Allergien und Ausschläge auslösen können. Detlef Sielaff vom Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz weiß um die Chemikalien in Textilien.
SWR1: Sollte man Kleidung vor dem ersten Anziehen waschen oder nicht?
Detlef Sielaff: Das würde ich auf alle Fälle empfehlen, weil Textilien Restchemikalien aus der Produktion enthalten können. Waschen vor dem ersten Tragen erhöht deutlich die Sicherheit.
Weniger Schadstoffe in Kleidung durch mehr Kontrollen und EU-Grenzwerte
SWR1: Ist Kleidung heute nicht viel sicherer als früher, weil einfach mehr getestet wird und weniger Schadstoffe erlaubt sind?
Sielaff: Ja, das kann ich deutlich bestätigen. Das spiegelt sich auch in unseren Zahlen wider. Die Beanstandungsquoten bei Textilien und Bekleidung sind deutlich zurückgegangen, seitdem wir EU-weite Grenzwerte haben und immer mehr Kontrollen stattfinden.
Die Grenzwerte sind für den Verbraucher, seitdem sie existieren, eine deutliche Verbesserung. Und wir hatten im letzten Jahr im Bekleidungsbereich eine Beanstandungsquote von zwei Prozent. Das ist wirklich sehr erfreulich für den Verbraucher.
SWR1: Was ist mit Biokleidung?
Sielaff: Bio ist erstmal kein geschützter Begriff bei Bekleidung, Biokleidung wird also genauso kontrolliert wie andere Bekleidung. Hier kann ich die Sicherheit erhöhen, indem ich auf Textilsiegel achte, zum Beispiel das Siegel G.O.T.S. (Global Organic Textile Standard). Hier wird festgelegt, dass mindestens 70 Prozent der Fasern auch Bio sein müssen. Und das wird auch unabhängig überprüft.
Experte Sielaff zu Schadstoffen in Textilien: "Problematisch sind Direktimporte aus Fernost"
SWR1: Abgesehen vom Waschen neuer Kleidung: Gibt es andere Punkte zu beachten?
Sielaff: Der Verbraucher hat eine gewisse Macht. Der Preis alleine sollte nicht das Argument für den Kauf von Bekleidung sein. Qualität hat eben einen gewissen Preis. Problematisch sind Direktimporte aus Fernost, die am Handel völlig vorbeigehen.
Der Preis alleine sollte nicht das Argument für den Kauf von Bekleidung sein. Qualität hat eben einen gewissen Preis.
Die Ware wird im Internet bestellt und direkt hier nach Deutschland geliefert, geht an der Überwachung vorbei und wird dadurch deutlich weniger oder gar nicht getestet. Das macht sich natürlich dann positiv im Preis bemerkbar, stellt aber häufig ein Qualitätsproblem dar.
SWR1: Aber produzieren nicht alle in schwierigen Ländern, an schwierigen Standorten mit schwierigen Bedingungen?
Sielaff: Da gebe ich Ihnen natürlich recht. Die meisten Textilien werden in Asien oder in anderen Ländern hergestellt, nicht in Europa. Aber trotz alledem gibt es große Handelsketten, die auch schon in Fernost Prüfinstitute haben, bevor die Ware in den Container nach Deutschland geht. Das verursacht Kosten, die sich im Preis dann widerspiegeln. Da ist das Risiko bei Billigprodukten dann deutlich größer.