Das soll für alle gelten, egal ob mit Fahrrad, Roller oder Auto unterwegs. Denn Alkohol ist nach wie vor eine der größten Gefahren im Straßenverkehr. Fani Zaneta ist Referentin unter anderem für Fahreignung beim TÜV-Verband und hat unsere Fragen zu der Forderung beantwortet.
TÜV: 0 statt 0,5 Promille im Straßenverkehr
SWR1: Warum reicht die aktuelle 0,5-Promillegrenze nicht aus?
Fani Zaneta: Wir sind der Meinung, dass es klare Regeln braucht. Die Unfallzahlen gehen nicht nach unten. Wir haben aktuelle Zahlen aus dem November 2025, wo es sogar einen 16-prozentigen Anstieg gibt. Also, es muss etwas passieren, weil wir davon überzeugt sind, dass klare Regeln zu klaren Entscheidungen führen.
SWR1: Es gibt eine klare Promillegrenze bei 0,5. Wenn ich mit 0,3 Promille erwischt werde, weil ich Schlangenlinien fahre, dann werde ich auch schon straffällig.
Zaneta: Das stimmt, aber selbst kann man es häufig gar nicht einschätzen, wann man diese 0,5 Promille erreicht. Oder wann ist man bei 0,8 oder 1,1?
Es muss etwas passieren, weil wir davon überzeugt sind, dass klare Regeln zu klaren Entscheidungen führen.
SWR1: Manche machen richtige Rechenspiele, ob man noch fahren kann. Wie schwer bin ich, was habe ich getrunken und gegessen? Mit einer 0-Promille-Grenze wäre das weg.
Zaneta: Genau das ist auch unser Argument. Wenn man von vorneherein weiß: Wenn man etwas trinkt und damit nicht fahren darf, bemüht man sich eher um eine andere Fahrgelegenheit […].
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Gilt die 0-Promille-Grenze auch für Radler?
SWR1: Braucht es eine 0-Promille-Grenze auch speziell für den E-Roller und das Fahrrad? Viele denken, damit kann ich noch fahren und lasse das Auto dafür stehen.
Zaneta: Wir sind eigentlich dafür, dass alle, die sich am Verkehr beteiligen, sich wirklich daran halten sollten, nüchtern zu fahren – ohne Alkohol und ohne Drogen. Dazu gehören auch E-Scooter- und Fahrradfahrer. Einfach aus dem Grund, dass man sich und auch andere, in Gefahr bringt.
| Promille | Land |
| 0,0 | Tschechien, Ungarn, Rumänien, Slowakei |
| 0,2 | Norwegen, Schweden, Polen |
| 0,3 | Serbien |
| 0,4 | Litauen |
| 0,5 | Italien, Frankreich, Österreich, Schweiz, Belgien, Dänemark, Finnland, Griechenland, Irland, Island, Spanien |
| 0,8 | Großbritannien (Schottland 0,5 Promille) |
Das ist nicht einfach nur eine Kleinigkeit, mit Alkohol am Verkehr teilzunehmen. Gerade als Fahrradfahrer hat man keine Knautschzone. Und wenn man Schlangenlinien fährt, bringt man sich selbst in Gefahr, aber auch andere Verkehrsteilnehmer. Deshalb sagen wir, dass für Fahrradfahrer – wenigstens als Zwischenlösung – diese Ordnungswidrigkeit eingeführt wird.
Ist die 0-Promille-Grenze durchsetzbar?
SWR1: Rheinland-Pfalz ist ein absolutes Weinland und Alkohol gehört zu unserer Kultur. Auch das ist ein Argument Ihrer Kritiker. Was sagen sie denen? Glauben Sie, angesichts dieser Position ist die TÜV-Forderung durchsetzbar?
Zaneta: Ja, ich denk schon. Es geht uns nicht um den Genuss, sondern es geht uns um die Verantwortung. Wein gehört ganz klar zur Kultur, aber Autofahren zur Sicherheit. Und schon geringe Mengen Alkohol beeinträchtigen die Reaktionsfähigkeit und die Wahrnehmung. Dadurch, dass die Reaktion länger braucht, werden auch die Bremswege länger. Man überschätzt sich und wird einfach nicht sicherer.
Das ist auf jeden Fall kein Angriff auf den Weinbau. Jeder soll weiter seinen Wein genießen, aber dann nicht mehr fahren.
Wer kontrolliert eine 0-Promille-Grenze?
SWR1: Nehmen wir mal an, die Null-Promillegrenze kommt. Müsste da nicht mehr kontrolliert werden? Das ist ja kaum umsetzbar.
Zaneta: Es geht auf jeden Fall auch darum, dass man kontrolliert. Jede Regelung, die man einführt, ist nur so wirksam, wie sie auch kontrolliert wird. Deshalb sind wir dafür, dass man die Einhaltung dieser 0-Promille-Grenze auch kontrolliert.