Der Kunde zahlt Geld, im direkten Tausch dafür bekommt er die Ware – im Vor-Ort-Ladengeschäft funktioniert das. Beim Online-Shopping dagegen muss in der Regel eine der beiden Parteien in Vorleistung gehen. Auch beim Einkauf beispielsweise in einem Küchenstudio müssen die Geräte erst bestellt werden – gleiches gilt für Spezialanfertigungen, etwa bei Möbeln.
Zahlung auf Rechnung: Vor- und Nachteile
Bietet der Händler den Kauf auf Rechnung an, geht er das Risiko ein, dass der Kunde nicht zahlt. Bei vielen Shops gibt es diese Möglichkeit daher nicht, oder nur für Stammkunden.
Wird Rechnungskauf angeboten, ist es die für den Kunden sicherste Methode: Erst, nachdem ich die Ware erhalten und geprüft habe, bezahle ich dafür. (Wenn häufig auf Rechnung gekauft wird, kann sich das allerdings negativ auf den SCHUFA-Score auswirken.)
In sehr vielen Fällen bezahlen Kunden allerdings schon den gesamten Preis für ein Produkt, noch bevor sie es erhalten haben. Aber Vorkasse ist nicht gleich Vorkasse – in Punkto Kundenschutz gibt es beträchtliche Unterschiede.
Zahlung per Überweisung: Welche Rechte haben Käufer?
Für Käufer birgt die Zahlung per Überweisung einige Risiken und sollte daher nur bei wirklich bekannten und bewährten Shops gewählt werden. Für Händler ist die Zahlungsart dagegen praktisch und günstig, da sie keine Gebühren an Zahlungsdienstleister abführen müssen.
Um sich vor Fakeshops zu schützen kann beispielsweise der Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale für einen schnellen Check genutzt werden. Hier gibt es weitere Tipps:
Fälschungen werden immer besser Mit diesen 5 Tipps erkennt ihr Fake Shops
Fake Shops sind auf den ersten Blick schwer von seriösen Onlineshops zu unterscheiden und Dropshipping wird immer beliebter. Diese Tipps helfen!
Bei Zahlung per Überweisung kann die Bank das Geld nicht einfach ohne Zustimmung des Empfängers zurückholen. Habe ich eine Überweisung getätigt, ist das Geld also erst mal weg. Natürlich habe ich als Käufer nach Zahlung rein rechtlich einen Anspruch auf die gekaufte Ware oder Dienstleistung – allerdings ist es dann an mir, meinem Geld hinterherzulaufen und gegebenenfalls rechtliche Schritte einzuleiten.
Zahlung per Lastschrift: Geld zurückbuchen
Anders verhält es sich beispielsweise bei einer Lastschrift. Diese kann der Kunde innerhalb von acht Wochen ohne Angaben von Gründen aufs eigene Konto zurückbuchen lassen. Bei Lastschriften, bei denen der Käufer vorab keine Einzugsermächtigung erteilt hat, sind es sogar 13 Monate.
Zahlung per Kreditkarte: So bekomme ich mein Geld zurück
Bei Zahlungen mittels einer Kredit- oder Debitkarte können ungerechtfertigte Buchungen reklamiert und gegebenen Falls zurückgebucht werden. Dafür gibt es EU-weit das Chargeback-Verfahren. Wie das genau funktioniert, können Sie hier nachlesen:
Kreditkartenzahlung Chargeback: So bekomme ich beim Online-Shopping mein Geld zurück
Was, wenn zu viel abgebucht wurde? Die Ware nie ankommt? Nach Retouren kein Geld zurück überwiesen wird? Wie kann ich Kreditkartenzahlungen nachträglich mit Chargeback zurückholen?
Zahlung über Paypal, Amazon Pay, Klarna & Co.: Käuferschutz?
Bezahldienste wie Paypal, Amazon Pay oder Klarna bieten Kunden einen gewissen Käuferschutz, falls etwas mit der online bestellten Ware nicht stimmt oder sie nicht ankommt. Bei Paypal darf das Geld jedoch nicht mit der Einstellung „Freunde & Familie“ überwiesen werden, hier gilt der Käuferschutz nicht.
Sie haben als Käufer Rechte gegenüber dem Händler, die häufig über den Käuferschutz von Paypal und Co. hinausgehen. Lesen Sie hier alles Wichtige zum Thema Reklamation von Online-Käufen:
Einkaufen im Internet Online Reklamation – Ihre Rechte beim Online-Shopping
Die Online-Ware ist beschädigt? Der Shop ist pleite? Die häufigsten Probleme und wichtigsten Rechte von Kunden beim Online-Einkauf. Tipps vom Rechtsexperten zur Reklamation.
Möbelkauf: Häufig Bezahlung per Vorkasse
Auch beim Kauf von Möbeln oder Küchengeräten bestehen viele Händler mindestens auf eine Anzahlung vorab. Wie sich Kunden bei Problemen wehren können, lesen Sie hier:
Verbraucherrechte Möbelkauf: Lässt Onlinehändler Kunden hängen?
Immer mehr Menschen kaufen Möbel im Internet. Wenn sich Lieferung, Montage oder Rückerstattung über Monate hinziehen: Wie Verbraucher sich gegen Onlinehändler wehren können.
Alles Wichtige zum Thema Vorkasse bei Handwerkerleistungen gibt es hier:
Große Anschaffungen oder Reisen Handwerker: Darum sollte man Vorkasse vermeiden
Viele Handwerker fordern Anzahlungen oder Vorkasse. Welches Risiko tragen Kunden? Was ist, wenn die Firma insolvent geht?
Vorkasse bei Pauschalreisen
Auch wer in den Urlaub möchte, muss oft vieles im Vorfeld bezahlen. Wie ist das bei Pauschalreisen? Darf der Veranstalter beispielsweise die Hälfte des Reisepreises als Anzahlung verlangen? Hier gilt: 20 Prozent Anzahlung sind zulässig.
Weist der Reiseveranstalter jedoch eigene Vorleistungen in entsprechender Höhe nach, können bis zu 40 Prozent des Reisepreises vorab verlangt werden. Dieses Urteil hat die TUI 2017 gegen die Verbraucherzentrale erwirkt (BGH X ZR 71/16, Urteil vom 25.7.2017). Zudem dürfen Reiseveranstalter 30 Tage vor Reiseantritt die Restzahlung des gesamten Reisepreises verlangen.
Gleichzeitig ist aber bei Pauschalreisen auch das Risiko für die Kunden geringer als bei Individualreisen oder einzelnen Flugbuchungen. Denn sie sind durch einen Sicherungsschein gegen eine Insolvenz des Veranstalters abgesichert. Den Sicherungsschein bekommen sie bei der Buchung ausgehändigt. Auch eine Kreuzfahrt ist rechtlich gesehen eine Pauschalreise.
Vorkasse bei Flugreisen
Bei Flugreisen müssen Kunden den gesamten Preis bereits bei der Buchung bezahlen. Das hat der BGH zwar bestätigt, doch die Kritik daran wird immer lauter. So ging der BGH in einem Urteil davon aus, dass Fluggesellschaften in der Regel nicht pleitegehen. Allerdings meldete schon wenige Monate später Air Berlin Insolvenz an.
Vorkasse bei Flug- und Bahnreisen
Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert die Abschaffung der Vorkasse sowohl bei Flugreisen als auch bei anderen Reisen. Der Verband hatte dazu ein Gutachten in Auftrag gegeben und ein Positionspapier verfasst. Danach sei die Systemumstellung wirtschaftlich mit Mehrkosten von weniger als vier Prozent möglich.
Eine solche Initiative müsste allerdings von der Bundesregierung in der EU-Gesetzgebung angeschoben werden. Ein deutscher Alleingang wäre wahrscheinlich kaum machbar, da der Flugverkehr ganz Europa betrifft.