Psychotherapeutin verrät: So könnt ihr den Ruhestand richtig genießen

Dr. Regina von Einsiedel beschäftigt sich als Psychiaterin und Psychotherapeutin intensiv mit dem Wechsel vom Arbeitsleben in das Rentendasein und gibt Tipps zur Vorbereitung.

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Wenn wir nicht dafür gesorgt haben, dass wir schon vorzeitig Alternativen zu unserer Arbeit haben, ist das für viele Menschen ein kalter Entzug.

Nicht ins Loch fallen: Ruhestand braucht Vorbereitung

Für viele steht der Ruhestand für eine Zeit, in der sie endlich tun und lassen können, was wir wollen. Wenn der Fokus aber vor allem auf dem liegt, was wir nicht mehr machen, ist die Gefahr groß, in ein Loch zu fallen. Denn: Arbeit bedeutet weit mehr als Geld verdienen.

Arbeit gibt unserem Alltag Struktur. Sie bestimmt die Zeit, wann wir aufstehen, nach Hause kommen oder Urlaub haben. Auch gebe uns der Beruf häufig eine Identität, meint von Einsiedel. Die meisten würden sich als Angestellte:r, Verkäufer:in, Anwalt/Anwältin, Arzt/Ärztin etc. identifizieren.

Wenn man seine Kompetenz hat, seine Struktur, seine Anerkennung und soziale Kontakte – das sind die Funktionen der Arbeit, die am wichtigsten sind.

Schon während der Arbeit auf den Ruhestand vorbereiten

Für manche komme der Ruhestand und der Wegfall der Arbeit sehr plötzlich. Tatsächlich sollten wir uns mindestens zwei Jahre vorher damit auseinandersetzen, rät Regina von Einsiedel.

Im Coaching habe ich gesehen, dass es zwei Jahre lang braucht, um sich von der alten, gewohnten Situation in eine neue Situation zu verändern.

Das habe unter anderem mit Neurotransmittern zu tun. Es brauche eine gewisse Zeit, bis sich neue Bahnen im Gehirn ausbilden für Dinge, die einem Spaß machen, die Sinn und Struktur geben.

Unsere Werte gelten ein Leben lang – auch in der Rente

Es wäre super, wenn man sich klar macht: Was sind wirklich meine Kernwerte, die im Leben auch nicht veränderbar sind?

Wer zum Beispiel gerne andere unterstützt, brauche auch in der Rente etwas, das dieses tiefe Bedürfnis befriedigt. Jemand, der gerne etwas leisten und entwickeln möchte, sollte vielleicht in einer Tafel nicht nur Essen austeilen, sondern könnte sich um die Organisation der Tafel kümmern.

Macht es mir Spaß Neues auszuprobieren und brauche ich Abenteuer? Oder halte ich lieber an Bekanntem fest und bin gerne zu Hause? Wer sich selbst auf diese Weise analysiert, habe eine Orientierung, um auch im Ruhestand zufrieden zu werden, rät Psychotherapeutin Regina von Einsiedel.

Ein glücklicher Ruhestand ist individuell

Selbstverständlich gibt es auch Menschen, die es genießen, nichts tun zu müssen. Auch das sei völlig in Ordnung, wenn man sich damit wohlfühlt. Wichtig sei, darauf zu achten, ob man alles hat, was man braucht. Oder ob man sich unwohl, unruhig oder nervös fühlt, weil eigene Wünsche und Bedürfnisse nicht befriedigt sind.

Man muss etwas finden, was keiner einem vorsagt, was nicht die falschen Trends sind, sondern was wirklich zu einem selber passt.