Es gibt wenige befriedigendere Berufe als Pflege. Familienpflege kann extrem befriedigend sein und sinnhaft. Man ist total nah am Menschen, in den Familien drin. Es gibt, glaube ich, keinen Beruf, der so sehr und so nah in die Familien hineingeht, also in deren Privates […], wo letztendlich die Hilfe, die man gibt, auch unmittelbar ankommt.
Familienpflege: Entlastung für Familien in Notsituationen
Ein Unfall in der Familie: Mutter oder Vater fallen über Wochen mit einem Beinbruch aus. Das Leben mit Kindern geht trotzdem weiter. In solchen Fällen kommt Brigitte Schäfer ins Spiel, Leiterin der Berufsfachschule für Familienpflege Korntal. Hier werden Frauen und Männer zu Pflegefachkräften oder Aushilfs-Müttern und -Vätern ausgebildet.
Es handelt sich um Fachkräfte, die, wenn eine Familie, aus welchen Gründen auch immer, in Not geraten ist, in die Familie hineingehen. Dort entweder den Haushalt machen, die Kinderbetreuung oder auch pflegerische Leistungen, meist im Kleinkindbereich, übernehmen.
Pflege ist einfach auch zum Teil ein ziemlicher Knochenjob. Auch Familienpflege ist manchmal ein Knochenjob.
Pflegebranche: Frauen weiter in der Mehrheit
Nach wie vor ist der Anteil an Frauen in der Pflege deutlich höher. Das zeigt sich an der Berufsfachschule für Familienpflege Korntal.
Zum einen ist es vom Gehalt her lange schlecht gemacht worden. […] Dann glaube ich, dass tatsächlich immer noch sozialisationsbedingt viele junge Männer eher technisch orientiert werden - auch junge Frauen natürlich - und in MINT-Berufe gelockt werden und Pflege nicht unbedingt das beste Image hat.
Regelungen und Vorschriften beim Thema Pflege oft unbekannt
Wer sich mit dem Thema Pflege auseinandersetzt weiß: Es gibt viele Regelungen zu beachten. Was viele nicht wissen: Familienpflege wird in der Regel nur genehmigt, wenn es Kinder unter 12 Jahren in der Familie gibt oder bei Kindern mit Handicap unter 14 Jahren.
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Oft denken wir beim Thema Pflege an ältere Menschen, aber auch Kinder und Jugendliche können pflegebedürftig sein. Wie gelingt der Alltag mit all seinen Herausforderungen?
Wie arbeiten Familienpflegekräfte?
Pflege kann anstrengend sein. Das Aufgabenfeld ist vielseitig: klassische Haushaltsjobs, wie Wäsche waschen, kochen, aber auch pädagogische Tätigkeiten, wie Spielen mit den Kindern oder Betreuung bei Hausaufgaben. Die Arbeit der Familienpflegekräfte ist wichtig. Sie halten den Lebensalltag aufrecht in Familien, die kurze Zeit ohne Hilfe nicht mehr auskommen.
Es braucht eine gewisse Belastbarkeit, weil Familienpflege nur dann verordnet wird, wenn irgendeine Notlage in der Familie ist. [...] Man muss letztendlich belastbar sein und sich auseinandersetzen mit diesen Notsituationen. Man muss gleichzeitig die Abgrenzungsfähigkeit haben, dass man da nicht so sehr mit reingezogen wird.
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Hilfe in Krisenzeiten: Die wichtige Rolle der Familienpflegekräfte
Oft sind die Situationen in den Familien herausfordernd. Auch weil die Familienpfleger:innen fast immer selbständig und alleine arbeiten.
Es gibt kein Backup im Sinne eines Teams. Anders als in einem Pflegeheim oder in einem Krankenhaus, wo immer ein Team im Rücken ist, ist man in der Familienpflege letztlich immer allein. Nicht in den ersten Ausbildungsmonaten und im ersten Jahr […], aber ab dem zweiten Jahr dürfen die [Auszubildenden] in leichteren Einsätzen auch schon tageweise alleine sein und ausprobieren, wie das ist, wenn man die Verantwortung trägt.
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Die Auszubildenden eines Alten- und Pflegeheims in Buchen (Neckar-Odenwald-Kreis) sind einen Tag lang in die Rolle der Bewohner geschlüpft. Das soll sie sensibilisieren.
Wichtige Stütze: Pflegefachkräfte mit Migrationshintergrund
Ich würde sagen, die Hälfte der Klassen [in der Berufsfachschule für Familienpflege Korntal] haben meistens Migrationshintergrund. Die Familienpflege braucht diese Familienpflegekräfte. [...] Ohne die Menschen, die, aus welchem Grund auch immer, zu uns kommen, würden wir es nicht schaffen.
Seit fünf Jahren Pflegestudium in Tübingen Pflege studieren - warum lohnt sich das?
Tübingen war vor fünf Jahren eine der ersten Universitäten, die das Pflegestudium anboten - in Kooperation mit der Hochschule Esslingen. Wie sind die Erfahrungen?
Pflege ist etwas ganz Grundlegendes, was wir hoffentlich alle erst spät brauchen. Aber sobald wir krank werden oder in irgendeiner Form hilfsbedürftig werden, ist Pflege notwendig und von daher braucht sie eine ganz, ganz hohe gesellschaftliche Anerkennung.