Laut dem Statistischen Bundesamt bekommen Eltern ihr erstes Kind immer später. Während 2013 Frauen in Deutschland durchschnittlich 29,3 Jahre alt waren, als sie ihr erstes Kind bekamen, waren sie 2023 29,8 Jahre alt.
Ältere Eltern sind Eltern, deren Altersabstand zu den Kindern deutlich größer ist als die früher üblichen 20 Jahre. Was das für die Kinder bedeutet, erklärt uns Prof. Dr. Bernd Kleine-Gunk. Er ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging Medizin.
Warum Menschen immer später Eltern werden
SWR1: Kommt uns das nur so vor oder gibt es tatsächlich einen Trend, dass wir immer später unsere Kinder kriegen?
Bernd Kleine-Gunk: Der Trend ist tatsächlich korrekt. Es hat viel damit zu tun, dass Leute auch inzwischen länger in der Ausbildung sind, einen höheren Schulabschluss haben und dann kommt man tatsächlich etwas später zum Kinderkriegen.
Späte Familiengründung als Vorteil
SWR1: Ist das ein Vorteil, ein Nachteil oder egal?
Kleine-Gunk: Ich sehe es eigentlich eher als Vorteil. Diese älteren Eltern werden häufig kritisch gesehen, aber wenn Leute älter sind, haben sie auch mehr Lebenserfahrung und machen weniger Dummheiten.
Vor allen Dingen bleiben sie auch dann häufig länger zusammen. Das ist natürlich für Kinder auch eine tolle Sache, weil es gibt kein größeres Trauma für ein Kind, als wenn sich die Eltern trennen und man lebt dann als Scheidungskind bei nur einem Elternteil. Da ist tatsächlich die Gefahr bei älteren Eltern geringer. [...]
Wenn Leute älter sind, haben sie auch mehr Lebenserfahrung, machen weniger Dummheiten.
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Unterschiede bei den Geschlechtern
SWR1: Männer können theoretisch noch bis fast 100 Papa werden. Ist das im Grunde genommen für uns alle eine Art Bedrohung?
Kleine-Gunk: Nein, eigentlich nicht. Bei den Hundertjährigen sind, glaube ich, die frischen Väter relativ gering. Aber es ist richtig; bei Frauen ist es zeitlich ziemlich begrenzt, also mit den Wechseljahren hört die Fruchtbarkeit auf und das ist normalerweise so um die 50.
Männer können tatsächlich noch bis ins höhere, teilweise auch höchste Alter nochmal Vater werden. Die tragen auch weniger dazu bei, den Nachwuchs dann großzuziehen. Bei Frauen ist es eben die Schwangerschaft, die Stillzeit und so weiter. Männer haben da weniger zu tun. Insofern bleiben die auch länger fertil. Auch diese älteren Väter kommen mit dem Nachwuchs ganz prima zurecht.
Geringerer Generationenunterschied bei heutigen Eltern und Kindern
SWR1: Ist es heute für Kinder noch ein Thema, dass sie sich jüngere Eltern wünschen, die fitter sind und mit denen man besser spielen kann?
Kleine-Gunk: Das war in meiner Kindheit auch so. Aber damals war auch wirklich ein ausgeprägter Generationenunterschied. Da war es so, dass wenn man selber Jugendlicher war, sich die Eltern anders gekleidet haben, sich anders verhalten haben und auch einen anderen Musikgeschmack hatten.
Das hat sich heute auch geändert. Also heute geht die Mutti mit ihrer zwölfjährigen Tochter auf das Taylor Swift-Konzert und beide haben Spaß.