Aktuell wird viel politisch diskutiert. Am Stammtisch, in der Familie und in der Partnerschaft ist die Bundestagswahl ein großes Thema. Können unterschiedliche politische Ansichten Auswirkungen beim Dating oder in einer Partnerschaft haben? Wir haben mit dem Soziologen Dr. Ansgar Hudde von der Universität zu Köln darüber gesprochen.
Politische Einstellung beim ersten Date thematisieren?
SWR1: Darf man beim ersten Date fragen: Wen wählst Du?
Dr. Ansgar Hudde: Das ist tatsächlich eine schwierige Frage. Es ist auch die Frage, will man das, wenn man es gleich fragt? Dann hat man vermutlich allerlei Stereotype und […] steckt die Person vielleicht schnell in eine Schublade.
Vielleicht will man das […], weil manche zu scharfe politische Konflikte gleich ausklammern wollen. Vielleicht ist es aber auch sinnvoll, sich erstmal so kennenzulernen.
SWR1: Spricht man in der Dating-Phase überhaupt über das Thema?
Hudde: […] Ich denke, für viele Menschen ist ihre politische Haltung wichtig. Es gibt viele Menschen, die nicht bereit sind, über große politische Gräben hinweg zu daten. Man muss sich auch selbst überlegen, wie weit und wo will ich Grenzen ziehen?
Ich denke, es gibt viele, die sagen, bestimmte radikale Positionen sind ein No-Go. Wahrscheinlich gibt es aber deutlich mehr Graubereiche, wo man schon Offenheit zeigen kann. Dann merkt man dabei vielleicht, es passt zusammen, auch wenn man nicht eins zu eins dieselbe politische Haltung hat.
Unterschiedliche politische Einstellungen und Partnerschaft
SWR1: Kann man trotz unterschiedlicher politischer Ansichten eine glückliche Partnerschaft führen?
Hudde: Was wir aus bisherigen Studien wissen ist, dass wenn wir Menschen – die sich nicht kennen und die politisch recht weit auseinander sind – zu einem Gespräch zusammensetzen, sie relativ schnell Sympathien füreinander aufbauen. […]
Der Kontakt über politische Grenzen hinweg führt nicht so schnell dazu, dass man sich politisch sofort angleicht und sofort einer Meinung ist. Es führt aber recht schnell dazu, dass man die andere Position mehr respektieren lernt.
Wenn wir dann wieder an Paare denken, die eine ernsthafte Beziehung eingehen und zusammenleben, dann sehen wir in den ersten Jahren […] eine gewisse Angleichung auch der politischen Haltungen.
SWR1: Wer kann eher über eine andere politische Einstellung beim Partner hinwegsehen, Männer oder Frauen?
Hudde: […] Diese Woche ist eine Umfrage der Dating-Seite Parship erschienen. Da sind Frauen diejenigen, die häufiger sagen, die politische Haltung ist für mich nicht okay. Also Frauen sind die, die eher aus politischen Gründen eine Partnerschaft ausschließen.
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Unterschiedliche politische Einstellung bei Frauen und Männern
SWR1: Männer und Frauen haben unterschiedliche Wahltendenzen. Frauen wählen eher linker, Männer eher konservativer. Hat sich das in den letzten Jahren irgendwie verschärft oder verändert?
Hudde: Dieser politische Gender-Gap, Frauen linker als Männer, ist ein relativ neues Phänomen in Deutschland, das es seit grob zehn Jahren gibt.
Bei den jungen Leuten scheint sich das in den letzten Jahren auch noch weiter auseinander zu bewegen, vor allem bei der AfD. Die hat in den letzten Jahren bei jungen Männern deutlich zugelegt, bei jungen Frauen auch, aber nicht im selben Ausmaß.
SWR1: Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Hudde: Die eine sehr klare Erklärung gibt es dafür nicht. […] Das eine ist das Thema Gleichstellungspolitik. Linke Parteien werden eher mit Gleichstellungsmaßnahmen zusammengebracht. Und das Thema Gleichstellung und mehr Gleichstellungsmaßnahmen sind jungen Frauen deutlich wichtiger als jungen Männern. Generell ist das Thema in den letzten Jahren zentraler und wichtiger und vielleicht auch wahlentscheidender geworden als früher.
Ein weiterer Punkt ist, dass Social-Media die zentrale oder eine der zentralsten Informationsquellen für junge Leute ist. Und auf Social-Media ist die AfD zumindest sehr sichtbar. Und […] es kann auf Social Media auch leichter passieren, dass Frauen und Männer unterschiedlichen Inhalt sehen. Dieser Content kann vielleicht auch Einstellungen und Wahlverhalten beeinflussen.