Tipps für Eltern, die ihre Kinder beim Sport wirklich unterstützen wollen
Viele Eltern wollen nur das Beste für ihren Nachwuchs. Sie verpassen kein Spiel der Kinder, coachen und pushen an der Seitenlinie. Häufig wird von dort geschrien und auf der Heimfahrt im Auto lautstark analysiert. Doch das kann Druck beim Kind aufbauen.
Joscha Balle ist Mitgründer der Plattform "Advance Football“ und gibt mit seinem Team unter anderem Sportvereinen Tipps bei der Nachwuchsarbeit, aber auch für Eltern, die ihre Kinder beim Sport begleiten.
SWR1: Wann kippt extremes Engagement von Unterstützung zu Druck?
Joscha Balle: Das kommt immer darauf an. Wahrscheinlich ist es ganz oft der Fall, wenn die Erwartungshaltung der Eltern mit der Erwartungshaltung des Vereins irgendwie "clasht" oder mit der Erwartungshaltung der Spieler oder der Spielerinnen.
SWR1: Wir reden jetzt auch über kleine Kinder. Kann es sein, dass einige Eltern meinen, sie müssten aus ihren Kindern schon in der Kreisklasse Superstars formen?
Balle: Ja, das ist durchaus möglich. Es liegt sicherlich auch daran, dass wir sehr viel Fußball-Bundesliga und Champions League konsumieren. Die Weltmeisterschaft steht ja jetzt auch vor der Tür.
Wir sehen ganz oft eben nur das Endprodukt, nämlich den fertigen Profi, und denken: 'Das ist ja super, der verdient ein paar Millionen und hat ein schönes Leben.' Aber bis dahin ist es tatsächlich noch ein ganz schön weiter Weg, je nachdem, wie alt die Kinder sind. Und ja, da kommt es ab und zu mal zu Differenzen und zu unterschiedlichen Meinungen, wie das zu funktionieren hat.
Das können Eltern nach dem Spiel ihrer Kinder tun
SWR1: Nur die allerwenigsten Kinder werden am Ende Profis. Es heißt ja oft, dass die schlimmsten Minuten für einen sporttreibendes Kind, die Minuten auf der Rückbank im Auto direkt nach dem Spiel sind. Was passiert da, wenn Eltern sofort anfangen, die Fehler vom Spiel zu analysieren?
Balle: Prinzipiell lässt sich sagen, dass Kinder oft diesen "Safe Space" haben, also ein sicherer Raum, in dem ich mit meinen Eltern darüber sprechen kann oder ein Stück weit erwarte, dass die Eltern mich unterstützen.
Wenn dann Fehler aufgezeigt werden oder "hättest du da mal geschossen, hätte der Trainer dich vielleicht auch früher eingewechselt", können das Kinder oft noch gar nicht richtig einschätzen. Für die ist es ja immer noch ein Spiel.
Das muss immer im Vordergrund stehen, dass das Spiel, das Fußballspiel oder jede andere Sportart, auch im Kindesalter erstmal Spaß machen muss. Sonst wird man auch kein Profi. Auch Jamal Musiala oder Harry Kane haben jedes Spiel über Spaß, nur so wird man besser und nur so funktioniert dann auch Lernen und Entwicklung.
Man sollte es durchaus respektieren, wenn Kinder nicht sprechen wollen.
SWR1: Einer ihrer zentralen Tipps lautet, liebevoll und verständnisvoll zu sein, unabhängig von der Leistung. Was wäre denn ein Satz, den sie sich wünschen würden, den dann die Eltern nach dem Spiel zum Kind sagen würden?
Balle: Es sollte kein Satz sein, es sollte eine Frage sein: Hat es Spaß gemacht? Und nicht: Wie viel Tore hast du geschossen, wie habt ihr gespielt? Das Allerwichtigste ist erstmal, hattest du Spaß heute und daraus kann man dann Sachen ableiten. Und es muss auch nicht jedes Mal Spaß machen.
Auch ein F-Jugend-Kind verliert nicht gerne, und dann sollte man es durchaus respektieren, wenn Kinder nicht sprechen wollen. Es muss gar nicht jedes Mal übers Spiel gesprochen werden.