Was hilft schnell bei Magenschmerzen

Magenschleimhautentzündung: Symptome, Behandlung, Essensplan

Magenschmerzen, Druck- oder Völlegefühl – oft steckt eine Gastritis dahinter. Wie kommt es dazu, welche Rolle spielen Bakterien, Stress und die Ernährung? Was hilft wirklich?

Teilen

Stand

Von Autor/in Sinmone Schaumberger, Eva Gnädig

Altersfreigabe: ab 0 (verfügbar von 0 Uhr bis 24 Uhr)

Was ist eine Magenschleimhautentzündung?
Akute und chronische Magenschleimhautentzündung
Magenschleimhautentzündung: Symptome 
Akute Magenschleimhautentzündung: Ursachen
Chronische Magenschleimhautentzündung: Ursachen
Magenschleimhautentzündung: Diagnose
Sollte sich jeder vorsorglich auf das Heliobacter-Bakterium testen lassen?
Magenschleimhautentzündung: Behandlung
Ernährung bei einer Magenschleimhautentzündung 
Vitamin B12 bei einer Magenschleimhautentzündung 
Wichtig: Entspannung in den Alltag einbauen
Wann zum Arzt?
Behandlung Typ-B-Gastritis
Achtung Säureblocker (Protonenpumpenhemmer, PPI)!
Probiotika während oder nach einer Antiobiotika-Therapie
Behandlung Typ-C-Gastritis 
Behandlung Typ-A-Gastritis
Ab wann spricht man von Magengeschwür?
Und was ist der Unterschied zum Reizmagen? 

Magenleiden ist ein Volksleiden in Deutschland: Rund jeder Dritte bekommt im Laufe seines Lebens eine Entzündung der Magenschleimhaut, auch Gastritis genannt. Diese kann akut auftreten oder chronisch sein. Und wenn sie länger anhält, kann sich daraus gar ein Geschwür entwickeln. 

Was ist eine Magenschleimhautentzündung? 

Der Magen ist ein dehnbarer Muskelsack im Oberbauch, der sich direkt an die Speiseröhre anschließt. Er produziert Magensäure, die die Nahrung zersetzt und Krankheitserreger abtötet.  

Damit die Säure die Magenwand nicht schädigt, ist diese mit einer Schleimhaut ausgekleidet. Darüber liegt ein schützender Schleimfilm.  

Eine Gastritis entsteht, wenn die Magenschleimhaut durch Bakterien, Medikamente oder andere Ursachen gereizt oder geschädigt wird. 

Akute und chronische Magenschleimhautentzündung 

Ärzte unterscheiden dabei in:  

  • akute Magenschleimhautentzündung (Gastritis) und  
  • chronische Magenschleimhautentzündung (Gastritis)

und die chronische wiederum in: 

Eine akute Magenschleimhautentzündung tritt meist plötzlich auf und geht häufig mit Symptomen wie starken Schmerzen im Magen, Druck- oder Völlegefühl einher.  

Chronische Magenschleimhautentzündungen schleichen sich häufig über einen längeren Zeitraum ein und bleiben mitunter lange unbemerkt. 

Magenschleimhautentzündung: Symptome 

Folgende typische Symptome treten vor allem bei einer akuten Gastritis auf: 

  • Schmerzen im oberen Bauchraum, 
  • Magendruck
  • Völlegefühl, aufgeblähter Bauch, 
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Saures Aufstoßen
  • Sodbrennen
  • Blähungen
  • Müdigkeit – ausgelöst durch eine Begleiterscheinung, den Vitamin B12 Mangel

Ursachen für eine Magenschleimhautentzündung gibt es viele. 

Akute Magenschleimhautentzündung: Ursachen 

Treten plötzliche Magenschmerzen auf, kann das verschiedene Auslöser haben. Denkbar sind: 

  • Zu viel Kaffee, Alkohol, Nikotin
  • Zu fettes und zu scharfes Essen. 
  • Körperlicher oder psychischer Stress (Sorgen, Ängste, belastende Ereignisse), 
  • Lebensmittelvergiftungen und bakterielle Infektionen, Viren oder Pilze

Wenn die Gastritis chronisch geworden ist, unterscheidet man entsprechend der Ursache verschiedene Gastritis-Typen.

Chronische Magenschleimhautentzündung: Ursachen 

Eine chronische Magenschleimhautentzündung (Gastritis) kann verschiedene Ursachen haben. Je nach Auslöser unterscheiden Mediziner in Gastritis Typ A, B oder C

Bakterielle Infektion (Typ-B-Gastritis) = Bakterielle Reizung: Eine häufige Ursache ist ein Bakterienbefall im Magen, meist mit dem Stäbchenbakterium “Heliobacter pylori”. Dieses hat sich an das saure Klima im Magen angepasst. Schätzungsweise tragen über ein Drittel bis die Hälfte der erwachsenen Deutschen das Bakterium in sich – oft, ohne es zu wissen. Denn eine Einnistung kann völlig ohne Symptome erfolgen. Es gilt als Risikofaktor für Magengeschwüre und Tumore. Wie der Keim übertragen wird, ist noch nicht ganz geklärt. Eine Stuhlprobe, Magenspiegelung und oder ein Atemtest geben darüber Aufschluss. 

Medikamente (Typ-C-Gastritis) = Chemisch-toxische Reizung: Eine weitere häufige mögliche Ursache für die Entzündung ist die Einnahme bestimmter Medikamente, insbesondere Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen, Kortison, Immunsuppressiva, nicht steroidale Antirheumatika

Reflux (auch Typ-C-Gastritis): Auch ein Rückfluss von Galle kann, allerdings sehr selten, eine Magenschleimhautentzündung verursachen. 

Stress: körperlicher oder psychischer Stress, insbesondere über einen längeren Zeitraum, können ebenfalls Auslöser für eine Gastritis sein (uns ist etwas “auf den Magen geschlagen”).

Autoimmunerkrankung (A-Gastritis) = Autoimmmune Reizung: seltene Form, ausgelöste durch eine Autoimmunkrankheit, bei der aus bislang unbekannten Gründen Abwehrstoffe gegen Magenschleimhautzellen gebildet werden, die Magensäure produzieren. Folge ist häufig eine gestörte Vitaminaufnahme (Vitamin B12) und Blutarmut

Magenschleimhautentzündung: Diagnose 

Wenn Magenbeschwerden länger als zwei Wochen andauern, sollte ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden. Insbesondere dann, wenn Blut im Stuhl oder eine Gewichtsabnahme hinzukommen.  

Die Ärzte werden zunächst Ernährungsgewohnheiten sowie eine mögliche Medikamenteneinnahme abfragen. 

Um Gallensteine auszuschließen, kann eine Ultraschalluntersuchung sinnvoll sein. 

Bei Verdacht auf (chronische) Magenschleimhautentzündung wird eine Stuhlprobe genommen und gegebenenfalls eine Magenspiegelung (Gastroskopie) empfohlen. Hierbei wird ein dünner Schlauch mit einer kleinen Kamera in die Speiseröhre bis in den Magen hineingeschoben. So kann der Facharzt oder die Fachärztin das Mageninnere betrachten und bei Auffälligkeiten Gewebeproben fürs Labor entnehmen. Diese Untersuchung ist unangenehm, aber meist nicht schmerzhaft. 

Eine bakterielle Infektion mit dem Heliobacter-Bakterium (Typ B) kann durch eine Stuhlprobe oder durch eine Gewebeprobe, die bei der Gastroskopie entnommen wird, nachgewiesen werden. Auch ein Atemtest kann hier Aufschluss geben. 

Bei Verdacht auf eine Autoimmunerkrankung (Typ A) sollte ein Bluttest auf mögliche Antikörper gemacht werden. 

Bei einer länger anhaltenden Magenschleimhautentzündung besteht die Gefahr, dass sich ein Magengeschwür bildet. 

Sollte sich jeder vorsorglich auf das Heliobacter-Bakterium testen lassen? 

Da eine Infektion mit dem Heliobacter pyroli Bakterium eine besonders häufige Ursache für eine Magenschleimhautentzündung ist, empfiehlt Dr. Miriam Stengel, Gastroenterologin und Chefärztin der Klinik für Innere Medizin am Klinikum Sigmaringen, sich vorsorglich darauf testen zu lassen.  

Dies geschieht am einfachsten über eine Stuhlprobe. Leider werden die Kosten für dieses Screening noch nicht von den Krankenkassen übernommen

Magenschleimhautentzündung: Behandlung 

Eine akute Magenschleimhautentzündung heilt meist von allein wieder aus – insbesondere dann, wenn der Magen geschont wird, bestätigt Dr. Stengel. Hierfür gilt es, bestimmte Lebensmittel in den Essensplan mit aufzunehmen und andere ganz zu streichen

Ernährung bei einer Magenschleimhautentzündung 

Bei einer Gastritis ist eine reizarme, entzündungshemmende Ernährung empfehlenswert.  

Dazu gehört der konsequente Verzicht auf magenreizende Lebensmittel wie  

  • Kaffee, Alkohol, Nikotin,  
  • zu viel und  
  • zu Fettes,  
  • Süßes oder  
  • zu scharfes Essen.  
  • Auch Fertiglebensmittel,  
  • Wurst,  
  • Frittiertes und  
  • Geräuchertes heizen die Magensäureproduktion unnötig an und sollten vermieden oder am besten ganz weggelassen werden. 
  • Auch Weißmehl und Kuhmilch sollten nach Ansicht mancher Ärzte wenig konsumiert werden.

Stattdessen täglich fünf Portionen Gemüse und Obst essen – drei Hand voll Gemüse, zwei Hand voll säurearmes Obst. 

Auch eine eiweißreiche Ernährung, etwa durch Joghurt und Quark, wird oft empfohlen. 

Wichtig ist auch die Regelmäßigkeit der Mahlzeiten, betont Dr. Stengel.

Insbesondere das Frühstück spielt eine wichtige Rolle: “ Menschen, die kein Frühstück essen, haben ein höheres Risiko, an einer Gastritis zu erkranken”, so Stengel. 

Und: lieber häufiger und dafür nicht so große Mengen essen, das ist magenschonender.  

Magenberuhigend kann zudem ein Kräutertee aus Fenchel oder auch Wermut sein. 

Vitamin B12 bei einer Magenschleimhautentzündung 

Wenn der Magen gereizt ist, ist häufig die Aufnahme von Vitamin B12 erschwert. Deshalb wird empfohlen, einen möglichen Vitamin B12-Mangel ärztlich abklären zu lassen und gegebenenfalls zu substituieren

Wichtig: Entspannung in den Alltag einbauen 

Auch Stress sollte unbedingt reduziert werden, denn unser Magen ist eng mit dem vegetativen Nervensystem verknüpft.

Damit uns Dinge nicht mehr so sehr “auf den Magen schlagen”, wir den Stress besser “verdauen” können, helfen Entspannungstechniken wie Yoga, Qi-Gong, Meditation, Massagen, Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung sowie ein achtsamerer Umgang mit sich selbst. 

Stressquellen herauszufinden und Ruhephasen fest in den Tagesablauf einzuplanen kann ebenfalls helfen. 

Wann zum Arzt?

Wenn die Beschwerden länger als zwei Wochen andauern, sollte ein Arztbesuch erwogen werden. Dort kann mit einem Stuhltest geklärt werden, ob eine bakterielle Infektion vorliegt.  

Bei entsprechenden Warnsymptomen wie Blut im Stuhl oder Gewichtsabnahme oder starke Schmerzen empfiehlt Dr. Stengel zudem eine Magenspiegelung

Die konkrete Behandlung einer chronischen Magenschleimhautentzündung richtet sich nach der Form (Typ A, B oder C)

Behandlung Typ-B-Gastritis  

Häufige Ursache einer chronischen Gastritis ist eine Heliobacter-Infektion. Sie sollte medikamentös behandelt werden, empfiehlt Dr. Martin Teuscher. Er ist Gastroenterologe am Marienhospital in Stuttgart: “Früher dachten wir, man sollte nur Menschen behandeln, die auch Beschwerden haben, Magenbeschwerden, Bauchbeschwerden oder spezielle Begleiterkrankungen haben, zum Beispiel eine Magenblutung oder ein Magengeschwür. Heute wissen wir, dass es sich um eine Infektion handelt. Dieses Bakterium gehört nicht in den Magen, sodass bei Nachweis eine Behandlung notwendig ist.” 

Meist wird eine Antibiotika-Therapie empfohlen, in Kombination mit Bismutsalz mit antibakterieller und schleimhautprotektiver Wirkung sowie einem Magensäureblocker (so genannte Protonenpumpenhemmer, kurz: PPI), die die Magensäure reduzieren.  

Anwendung, Wirkung, Risiken Antibiotika richtig einnehmen: Darauf kommt es an

Antibiotika sollen in der Infektionszeit für schnelle Abhilfe sorgen. Doch eine falsche Einnahme kann gefährliche Folgen haben. Worauf sollte man achten und gibt es Alternativen?

Doc Fischer SWR

Diese kombinierte medikamentöse Therapie dauert meist zehn Tage. Wichtig ist, dass, wenn man sich dazu entschieden hat, "es durchhält, dass man wirklich die zehn Tage die Medikamente durchnimmt”, rät Dr. Stengel. 

Bei der Einnahme von Magensäureblockern (PPI) gilt es zu beachten, dass sie nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden sollten. Hierzu sollte mit dem Arzt Rücksprache gehalten werden. 

Nach-Kontrolle: Vier Monate nach der Behandlung wird per Stuhlprobe geprüft, ob der Keim noch nachweisbar ist. 

Achtung Säureblocker (Protonenpumpenhemmer, kurz: PPI)! 

Länger als zwei Wochen sollten Säureblocker nicht eingenommen werden, es sei denn, Ärztin oder Arzt verordnen es ausdrücklich. Es gibt alternative, mildere Hausmittel, die den Magen beruhigen können, etwa mit Wasser aufgekochte Haferflocken (engl.: “Porridge”). 

Probiotika während oder nach einer Antiobiotika-Therapie 

Dr. Stengel empfiehlt die Einnahme von Probiotika zu oder nach einer Antibiotikatherapie (bei Typ-B-Gastritis).

Dazu zählen fermentierte Lebensmittel wie Kombucha, Kefir, Kimchi, Sauerkraut oder Brottrunk, um den (Wieder-)Aufbau einer gesunden Darmflora zu unterstützen. 

Behandlung Typ-C-Gastritis 

Wenn bestimmte Medikamente Auslöser sein könnten, ist es sinnvoll, gemeinsam mit dem Arzt nach möglichen Alternativen in der Medikation zu suchen. 

Behandlung Typ-A-Gastritis 

Hier produziert der Magen nicht zu viel, sondern zu wenig Magensäure. Die Ernährungsempfehlungen sind also teilweise andere: ein Glas Zitronenwasser zum Essen kann der Verdauung helfen.

Auch hier sollte auf die Nährstoffversorgung geachtet und gegebenenfalls ergänzt werden (z.B. Vitamin B12). Wie bei anderen Autoimmunerkrankungen auch ist eine entzündungshemmende Ernährung empfehlenswert.  

Ab wann spricht man von Magengeschwür? 

Bei oberflächlicheren Entzündungen spricht man von Gastritis, bei tiefer reichenden von Magengeschwür

Ein Magengeschwür, auch Ulcus ventriculi genannt, ist also eine tiefe Wunde in der Magenwand, die tiefer reicht als die Schleimhautdicke. Aus einer länger anhaltenden Magenschleimhautentzündung kann sich ein Magengeschwür bilden.  

Auch hier sind häufige Ursachen eine bakterielle Infektion oder Medikamenteneinnahme (vor allem eine längere Einnahme von Acetylsalicysäure, Ibuprofen oder Kortison). 

Während ein Magengeschwür früher häufig operiert wurde, erfolgt heute meist eine medikamentöse Therapie mit Magensäureblockern (PPI), bei einer Infektion mit dem Heliobacter-Bakterium in Kombination mit Antibiotika.  

Eine Blutung kann meist durch Klammerung der Gefäße oder mittels einer Medikamenten-Injektion durch ein Endoskop gestillt werden. 

Und was ist der Unterschied zum Reizmagen? 

Ein Reizmagen, auch funktionelle Dyspepsie genannt, wird diagnostiziert, wenn keine organischen Ursachen für die Magenbeschwerden gefunden werden.  

Die genauen Ursachen für einen Reizmagen sind bislang noch nicht geklärt, Stress und bestimmte Ernährungsgewohnheiten können eine Rolle spielen. Meist ist ein Reizmagen nicht gefährlich, er kann den Alltag der Betroffenen aber sehr belasten

Auch bei einem Reizmagen kann eine schonende Ernährung mit regelmäßigen, häufigeren, dafür kleineren Mahlzeiten sowie eine bewusste Stressreduktion helfen.

Sanfte Bewegung in Kombination mit regelmäßigen Ruhepausen und Entspannungstechniken sind auch hier empfehlenswert.

 

Expert*Innen: 

Dr. Martin Teuscher, Gastroenterologe am Marienhospital in Stuttgart

Dr. Miriam Stengel, Gastroenterologin und Chefärztin der Klinik für Innere Medizin am Klinikum Sigmaringen 

Zuckerfallen überall So können Sie Zucker reduzieren

Es lohnt sich, weniger Zucker zu essen - schon nach wenigen Tagen fühlen Sie sich fitter und wacher. Denn: Zucker raubt uns Energie und Reserven - die vermeintliche "Belohnung" hält nur kurz an.

ARD-Buffet Das Erste

Uralte Heilpflanze bei Entzündungen Weihrauch als Hausmittel: Besser als Ibuprofen & Co.?

Weihrauch soll bei Rheuma, Arthrose, entzündlichen Sportverletzungen und Darmerkrankungen helfen. Heilwirkung, Anwendung und Rezept.

Doc Fischer SWR