Prof. Dr. Eva Asselmann ist Psychologin und kennt sich mit Stress und Resilienz aus. Sie hat wertvolle Tipps für uns, wenn wir im Alltag das Gefühl haben, dass wir nicht genug sind, oder dass uns in einer Situation alles über den Kopf wächst.
Damit wir nicht die Nerven verlieren oder panisch werden, können wir uns in akuten Situationen auf verschiedene Arten helfen.
Was führt zu Stress bei uns?
Wir sind gestresst, wenn wir merken, uns entgleitet die Kontrolle in einer Situation oder einen Moment, denn "Menschen brauchen das Gefühl, dass sie ihr Leben steuern können", sagt Prof. Dr. Eva Asselmann.
Und weil Kontrolle ein menschliches Grundbedürfnis ist, wie Prof. Dr. Eva Asselmann erklärt, verunsichert und stresst es uns, wenn wir selbst keine Kontrolle mehr haben.
Menschen brauchen das Gefühl, dass sie ihr Leben steuern können
Tipp 1: Kontrolliert ein- und ausatmen und Stress senken
Prof. Asselmann kennt selbst auch stressige Situationen, in denen viele Dinge spontan verändert werden müssen bzw. sich viele äußere Umstände ändern. Wenn der Stress von außen zu viel wird, kann kontrolliertes Atmen dabei helfen, wieder innere Ruhe zu schaffen.
Wenn wir merken, dass wir gestresst sind, der Puls hochfährt und die Hände anfangen zu schwitzen, dann kurz innehalten, "tief einatmen und noch länger wieder ausatmen", empfiehlt Eva Asselmann. Das führt dazu, dass unser Körper wieder etwas runterfährt. Das liegt daran, dass unser Atem ganz eng mit An- und Entspannung verknüpft ist, erklärt die Psychologin.
Tipp 2: Der Stress kann schwinden, wenn wir die Situation verlassen
Wenn es um einen herum zu wuselig wird und sich dadurch Stress bei uns einstellt, kann es auch helfen, die Situation für einen Moment zu verlassen – wenn das möglich ist. Dabei reicht es schon, kurz rauszugehen und vielleicht eine sprichwörtliche Runde um den Block zu drehen.
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Tipp 3: Moderner Stress-Faktor Smartphone
Was uns darüber hinaus auch noch stresst und was sich im Laufe der Zeit geändert hat, ist, dass wir durch das Smartphone ständig erreichbar sind und immer etwas dabei haben, das uns ein "Tor zur Welt" bietet. Dadurch haben wir ständig einen "Reizinput", wie Eva Asselmann es beschreibt.
In unserem Smartphone ist immer was los. Das weckt unsere Neugierde und stresst uns, denn wir machen uns vor, dass wir etwas verpassen könnten. Studien belegen, dass wir so sehr auf das Smartphone konditioniert sind und dort ständig etwas erwarten, auch wenn nichts passiert.
Alleine die reine Präsenz des Smartphones sorgt dafür, dass wir unkonzentrierter sind, weil wir "immer mit dem Fokus auf dem Gerät sind", erklärt Asselmann. "Es empfiehlt sich also das Smartphone auch mal in die Schublade oder den Nachbarraum zu legen", sagt Asselmann.
Es empfiehlt sich also das Smartphone auch mal in die Schublade oder den Nachbarraum zu legen.
Das Smartphone stresst uns aber nicht nur, wenn wir uns eigentlich auf etwas anderes konzentrieren sollten. Es verhindert auch, dass wir uns in vermeintlichen Ruhephasen entspannen und regenerieren können, weil es uns ständig mit neuen Reizen lockt.
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Tipp 4: Vergleiche mit anderen machen uns Stress
Was uns außerdem unter Druck setzen kann, bzw. uns stressen kann, ist der Vergleich mit anderen, was auch durch Social Media in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. "Wir wollen uns einordnen in das soziale Gefüge. [...] Es ist für uns ganz wichtig, abzuschätzen, wo wir gerade stehen, [...] auch das ist ein menschliches Grundbedürfnis", erklärt Prof. Dr. Eva Asselmann.
Wenn wir zum Beispiel Instagram öffnen, sehen wir dort nicht unbedingt nur normale Menschen wie unsere Freunde oder unsere Nachbarn.
Wir wollen uns einordnen in das soziale Gefüge. [...] Es ist für uns ganz wichtig, abzuschätzen wo wir gerade stehen [...] auch das ist ein menschliches Grundbedürfnis.
Dort sehen wir die schönsten Urlaubsbilder, sportlichsten Menschen und viele andere Dinge, die dafür sorgen, dass wir uns ungenügend und klein fühlen. Was unseren persönlichen Stress verringern kann, ist, dass wir uns bewusst machen, dass das eine verzerrte Wahrnehmung ist.
"Es ist ganz schwierig mit den sozialen Medien. Wir vergleichen uns dort nicht mit der Klassenkameradin oder dem Nachbarn, sondern [...] den erfolgreichsten, den schönsten, den toughesten Menschen auf der ganzen Welt und das mit der Realität verwechseln", sagt Prof. Dr. Eva Asselmann.
Tipp 5: "Früher war alles besser?" – Kann Nostalgie uns Stress bereiten?
Im SWR1 Interview erzählt Eva Asselmann, dass auch der Blick in die Vergangenheit uns stressen kann. Den Ausspruch "Früher war alles besser", haben wir alle schon gehört. Aber stimmt das auch? Nein, sagt Prof. Dr. Eva Asselmann.
Wir neigen dazu, unser Jetzt und die Vergangenheit zu verklären. Auch wenn wir heute ein schlechtes Gefühl zur Gegenwart haben, bleiben in unseren Erinnerungen langfristig die positiven Momente hängen. Dadurch wirkt die Vergangenheit oft rosiger.
Was können wir dagegen tun? Um die Gegenwart nicht zu sehr in einem negativen Licht wahrzunehmen, kann es uns helfen, wenn wir uns am Abend kurz bewusstmachen oder in uns hineinhören und uns selbst die Frage stellen: "Was waren denn heute die schönen Momente?"
Tipp 6: Gegen Stress durch Selbstoptimierung
Gesund leben zu wollen und etwas für das Wohlbefinden und den Körper zu tun, kann auch in Stress ausarten. Als Beispiel nennt Prof. Dr. Eva Asselmann hier die Smartwatches, die mit Sicherheit einen Vorteil haben, aber auch negative Aspekte haben.
Wenn der Waldspaziergang nicht mehr wirklich genossen werden kann, weil man dauernd auf den Schrittzähler schaut, um seine Leistungen, seine Herzfrequenz, sein Tempo – dann ist die Erholung schnell dahin. Vor allem wenn uns die Smartwatch mit digitalen Pokalen und Medaillen ständig belohnt und uns dadurch motivieren möchte.
Prof. Dr. Asselmann sagt, dass es helfen kann sich zu fokussieren und sich zu überlegen, was in einem bestimmten Moment Priorität hat. Ist es die Erholung durch den Waldspaziergang zum Beispiel, oder ist es hier der sportliche Ehrgeiz und die Leistungssteigerung, die im Fokus steht?