Backofen oder Fritteuse

Airfryer – nützliches Küchengerät oder Marketinghype?

Die Heißluftfritteuse liegt weiter voll im Trend. Vor Blackweek und Weihnachten steht sie auf vielen Wunschlisten. Was Airfryer besser können und für wen der Backofen mehr bringt.

Teilen

Stand

Von Autor/in Annika Erbach

Zahllose Influencer und Köche zaubern mit der Heißluftfritteuse leckere Gerichte in den sozialen Medien. Unzählige Videos, Zeitschriften und Kochbücher mit Airfryer-Rezepten werden angeboten. In Supermärkten gibt es speziell auf diese Küchengeräte abgestimmte Produkte zu kaufen.

Ist der Hype tatsächlich gerechtfertigt? Oder erreicht man zuhause dasselbe Ergebnis auch mit dem bereits vorhandenen Backofen? Ernährungswissenschaftlerin und Kochbuchautorin Dagmar von Cramm vergleicht beide Küchengeräte.

Was kann ein Airfryer, was ein herkömmlicher Backofen nicht kann? Und welche Rezepte bieten sich besonders für die Heißluftfritteuse an? Wir checken den Zeitaufwand und den Geschmack von Gerichten, sowie den Energieverbrauch beider Geräte.

TK-Brötchen: Airfryer heizt und bäckt schneller

Die Ernährungsexpertin Dagmar von Cramm bereitet drei Klassiker zu: Tiefkühl-Brötchen, Ofengemüse und Lachs - jeweils im Airfryer und im Backofen.

Zuerst der Test mit Tiefkühl-Brötchen: Der Airfryer heizt in zwei Minuten auf 180 Grad Celsius auf, der Backofen braucht dagegen fast zehn Minuten.

Die Brötchen sind im Airfyer nach fünf Minuten fertig: Außen sind sie knusprig und innen warm. Dasselbe Ergebnis – allerdings erst nach zehn Minuten - auch bei den Brötchen aus dem Backofen.

In den Airfryer passen nur drei Brötchen - in den Backofen viel mehr.

Supermarkt und Discounter Brötchen im Test: frisch aus der Klappe vs. Aufbackbrötchen

In Supermärkten und Discountern gibt es günstige Brötchen in Selbstbedienung oder tiefgekühlt zum Aufbacken. Ist die Qualität hochwertig? Und wie hygienisch sind die Brotklappen?

Größere Portionen können im Ofen zubereitet werden

Weiter geht es mit dem Ofengemüse. Ernährungsexpertin Dagmar von Cramm bereitet zarte Wirsingblättchen, festkochenden Kürbis und geruchsintensiven Brokkoli zu.

Wichtig ist hier zu beachten, dass Airfryer und Ofen immer vorgeheizt werden sollten.

Beim Gemüse ist es wichtig, dass eine Temperatur über 70 Grad schnell erreicht wird. In dieser Zwischenanwärmphase, zwischen 20 und 50 Grad, blühen die Enzyme, die die Vitamine abbauen, so richtig auf und werden hyperaktiv.

Richtig lecker wird Brokkoli folgendermaßen: Die Brokkoliröschen werden vom Strunk abgetrennt und in Sticks geschnitten. Anschließend werden diese in einer Mischung aus Olivenöl, Kräutersalz und Gewürzen gewendet.

Nach dem Vorheizen des Airfryers werden die Röschen ca. acht Minuten gegart. Nach vier Minuten sollte man sie wenden.

Im Backofen sollten die Röschen fünf Minuten gegart und anschließend gewendet werdet. Danach nochmal fünf Minuten weiter garen.

Besonders auffallend ist die Menge der Portionen: Im Backofen ist es möglich, größere Portionen zuzubereiten als im Airfryer.

Beim Geschmack gibt es beim Ofengemüse keinen Unterschied. Aus beiden Geräten kommt knuspriges Gemüse. Jedoch war auch hier der Airfryer schneller.

Airfryer vs. Ofen - bei Fisch punktet der Backofen 

Als nächstes im Test: Lachs mit Sauerampferkruste. Die Ernährungswissenschaftlerin bereitet den Fisch vor und gibt ihn in beide Geräte.

Das Problem nach dem Backen: Den Lachs aus dem Airfryer zu holen. Das wird leider in Kochvideos nicht gezeigt. Dennoch sieht der Lachs gut aus, innen ist er schön glasig.

Ein bisschen saftiger. Also dieses Garen im Ofen war etwas schonender und sanfter zum Lachs - das sieht man ja auch schon außen - als das Garen im Airfryer. Obwohl ich die selbe Temperatur eingestellt habe. Den Lachs würde ich doch lieber im Backofen machen.

 

Backofen verbraucht mehr Strom als Airfryer 

Im Geschmack scheinen sich die Gerichte kaum zu unterscheiden. Doch welches der beiden Geräte verbraucht wie viel Strom?

Je nach Modell verbraucht ein Backofen rund 2.500 Watt. Und es dauert eine Weile, bis der Ofen vorgeheizt ist.

Der Airfryer dagegen kommt mit weniger Strom aus – und braucht zudem weniger Zeit zum Aufwärmen. Durch den kleineren Garraum zirkuliert die heiße Luft besser.

Das ist auch der Grund, warum das Essen oft in der Hälfte der Zeit fertig ist. Der Airfryer arbeitet effizienter und verbraucht oft deutlich weniger Strom als ein Backofen. 

Mit wenig Öl frittieren Heißluftfritteusen im Test: Ninja, Tefal, Cosori, Lidl & Philips

Sind die teuren Geräte wirklich besser? Welcher Airfryer liefert das beste Ergebnis? Wir machen den Test.

Marktcheck SWR

Marketingstrategie: Hype um Airfryer 

Die sozialen Medien sind voll mit unzähligen Videos mit Rezepten. Auch die Zahl unterschiedlicher Airfryer-Geräte steigt im Handel. Die Lebensmittelindustrie konzipiert immer mehr Produkte für die Heißluftfritteuse. Bei Tiefkühlkost wird mittlerweile auch die Zubereitung im Airfryer angegeben.

Der Hype ist kein Zufall. Social-Media-Nutzer können den Influencern bei jedem Schritt im Rezept folgen, erklärt Professorin Johanna Gollnhofer, Direktorin des Instituts für Marketing und Customer Insight an der Universität St. Gallen. Dadurch denke man, dass das Gerät gut sei, und man müsse sich nicht mehr so viele Gedanken darüber machen.

So einen Mechanismus nennt man auch Social Proof. Deshalb funktionieren Influencer allgemein so gut zur Produktvermarktung.

Etablierte Marken überholt Trendmarke Ninja: Warum sind die Küchengeräte so beliebt?

Nicht nur auf Social Media liegen die Heißluftfritteusen der US-Firma Ninja im Trend. Auch Elektrogrills, Eismaschinen und Co. sind für Ninja-Fans inzwischen ein Statussymbol.

Hersteller haben sich neue Marketingmöglichkeiten erschlossen. So wird der Hype weiter befeuert. Unter anderem auch dadurch, dass Starköche auf den Hype aufgesprungen sind.

Sei der smarte Konsument. Koch schneller und gesünder. Das ist fast ein Lifestyle-Versprechen. Und wie kannst du diesen Lifestyle erreichen? Wie kannst du so ähnlich sein wie Jamie Oliver? Da ist nicht die Lösung der Backofen, sondern es ist die Lösung der Airfryer. Daran sieht man schön, wie man im Marketing - das ist ein typischer Marketingmechanismus - Menschen über dieses Emotionale abholt. Rationale Argumente ziehen gar nicht so gut.

Fazit: Airfryer praktisch für kleinere Haushalte

Die Ernährungsexpertin Dagmar von Cramm findet den Airfryer für kleinere Haushalte praktisch. Zudem spart er Zeit und Energie.

Für mehr Personen, größere Mengen und bestimmte Speisen sei der Backofen aber die bessere Wahl.

Den Airfryer kann man am Ende für die Reinigung einfach auswischen oder bei vielen Modellen den Frittierkorb einfach in die Spülmaschine stellen. In diesem Punkt muss sich der Backofen geschlagen geben.

Einen klaren Sieger im Test gibt es nicht – es kommt auf den Bedarf im eigenen Haushalt an. Gewonnen hat auf jeden Fall das Marketing für den Airfryer.

Preisexplosion Schokolade: So teuer war sie noch nie

Ein Stückchen Weihnachtsfreude - die dieses Jahr bitter schmeckt: Schokolade ist Weihnachten 2025 teuer wie nie. Obwohl Kakao auf dem Weltmarkt gerade wieder billiger ist.

Isy, Hama, Inui und Co. Handy laden unterwegs – Powerbanks im Test

Unterwegs kein Akku? Wir prüfen vier kabelgebundene und zwei Wireless-Powerbanks im Labor und im Praxischeck: auf Ladeeffizienz, Kapazität und nach dem Falltest. Welche überzeugt?

Marktcheck SWR

Versteckte Preisfalle XXL-Angebote – kann man mit großen Packungen wirklich sparen?

Maxi-Pack, XXL-Angebote, Vorteilsgröße: So werben Hersteller und Händler gerne. Große Menge für wenig Geld – ist bei Mengenrabatt üblich. Wie man dabei ausgetrickst werden kann.

Marktcheck SWR

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Annika Erbach
Onlinefassung
Sofie Knorr