Oft werben Discounter und Supermärkte mit XXL-Angeboten: Groß sparen mit größeren Packungen ist das Versprechen. Verbraucher glauben das leicht, denn Mengenrabatte gab es schließlich schon immer. In der Praxis zahlen Kunden für die Großpackung jedoch im Verhältnis oft mehr für dasselbe Produkt als in der herkömmlichen, kleineren Verpackung.
Trotz Vorteilspack mehr zahlen?
Marktcheck geht einkaufen und schaut in Stichproben genauer hin: Lenor Weichspüler in der Vorteilsgröße kostet 3,45 Euro, eine Standardflasche dagegen 1,99 Euro. Umgerechnet auf den Literpreis fällt auf, dass das XXL-Angebot teurer ist:
- Lenor Weichspüler Vorteilsgröße: 2,78 Euro pro Liter
- Lenor Weichspüler Standardgröße: 2,63 Euro pro Liter
Auf SWR-Nachfrage wegen des Preisunterschieds antwortet der Hersteller Procter and Gamble, dass die Festlegung der Verkaufspreise ausschließlich dem Handel obliegen würde und dass man keinen Einfluss auf die Endverbraucherpreise habe.
Wie viel spart ihr tatsächlich? Eigenmarken im Test: So günstig sind sie wirklich – aber auch gut?!
Eigenmarken wie „Ja“, „K-Classic“ und „Gut und günstig“ boomen. Der Preis ist gut, aber wie sieht’s mit der Qualität aus? Und wie unterscheiden sie sich von bekannten Marken?
Wir fragen deshalb beim Handel wegen des Preisunterschieds nach, in diesem Fall bei Rewe, wo wir gekauft haben. Rewe antwortet:
Wir bitten um Verständnis, dass wir Ihnen aus kartellrechtlichen und wettbewerbsstrategischen Gründen keine detaillierten bzw. vertiefende Informationen zur Preisgestaltung und Angebotsgestaltung geben können.
Verbraucher verwirren: Die Menge schrumpft, der Preis auch
Wie sieht es bei Discountern aus und deren Eigenmarken? Ist im günstigen Segment Verlass auf die XXL-Angebote? Die Stichprobe bezieht sich auf Hähnchenbrustfilet.
Bei Aldi Süd kostet das XXL-Hähnchenbrustfilet in der 1,5 Kilogramm-Packung 8,66 Euro. Eine Woche später fällt während der Recherche auf, dass die XXL-Packung von 1,5 Kilogramm auf die Menge von einem Kilogramm geschrumpft ist. Auch zahlt man pro Kilo Hähnchenfleisch 47 Cent weniger.
Image, Qualität und Preis Aldi: Wie günstig, frisch und gut ist der Discounter wirklich?
Spaghetti, Apfelsaft, Gartengeräte - wir vergleichen Stichproben mit der Konkurrenz sowie Marken und Eigenmarken. Aldi erfindet sich teils neu. Wo profitieren Kunden beim Einkauf?
Hier gehe es laut Armin Valet von der Verbraucherzentrale darum, die Leute zu verwirren, sodass sie die Preisentwicklung nicht mehr einordnen können und letztendlich den Überblick verlieren. Zu diesem Vorwurf antwortet Aldi Süd:
Bei den von Ihnen genannten Hähnchen-Artikeln handelt es sich um unterschiedliche Produkte. Zudem lässt sich ein direkter Vergleich von Standard- und Aktionsartikeln nicht ziehen.
Bis auf die Produktgröße kann die Marktcheck-Redaktion jedoch keinen Unterschied feststellen.
Für den Marketing-Experten Professor Arnd Zschiesche ist die XXL-Masche ein beliebter Marketing-Trick der Unternehmen.
"Böse Zungen behaupten, dass gerade die Deutschen den Schnäppchenjäger-Instinkt in sich tragen", erläutert der Experte. "Und genau auf diesen Schnäppchenjäger-Instinkt sind diese Angebote – die Vorrats-, Vorteils-, Mega- und XXL-Packungen - oder auch diese Zeichen und Symbole, die wir alle erlernt haben, ausgerichtet."
Neue Verpackung: weniger Inhalt und teurerer Preis für Müsli
Wir stellen fest: Das Kölln Schoko-Hafer-Müsli hat eine neue XXL-Packung: 1.050 Gramm Inhalt. Bis vor kurzem gab es eine 1.700 Gramm Vorratspackung, aber diese ist im Einzelhandel nicht mehr erhältlich.
Die neue Packung ist beim Kilo-Preis deutlich teurer als davor. Vergleiche man den Grundpreis, ist das Produkt knapp 30 Prozent teurer geworden, sagt Armin Valet, Verbraucherzentrale.
Hier müsse man beachten, das alte Produkt ist nicht mehr verfügbar und könne daher nicht mit dem neuen verglichen werden. "Hier haben wir tatsächlich den Fall: weniger drin, trotzdem steht XXL drauf und zum Teil dann noch deutlich teurer geworden", erklärt Valet.
Hersteller Kölln schreibt dazu, man habe die Vorratspackung nicht verkleinert, sondern eine neue Packungsgröße eingeführt.
Mit der neuen "XXL"-Verpackung reagieren wir auf die Wünsche unserer Verbraucher:innen nach größeren Mengenpackungen, die allerdings leichter zu handhaben sind und den Bedürfnissen moderner Haushalte besser entsprechen, insbesondere von Kleinfamilien, Senior:innen und kleineren Haushalten. Zusätzlich verringert die "XXL"-Verpackung das Risiko von Lebensmittelverschwendung.
Je größer die Packung, umso höher der Preis: Kilopreis beachten
Eine weitere teure Falle gibt es zum Beispiel bei der Merci Schokolade. Je größer die Packung, desto teurer der Preis:
- Kleinste Packung: 18,36 Euro pro Kilo
- Mittlere Packung: 21,23 Euro pro Kilo
- Große Packung: 22,21 Euro pro Kilo
Hersteller Storck gibt hier die Schuld nicht nur dem Handel. Auf die Marktcheck-Anfrage hin heißt es, dass die Großpackungen teurer herzustellen seien.
Sonderangebot gilt nicht unbedingt für Großpackungen
Genauer hinschauen sollte man unbedingt auch bei Aktionsware. Wenn die Standardgröße im Angebot ist, ist es die Großpackung deshalb nicht gleichzeitig auch. Dann kann die große Packung sogar deutlich teurer sein.
Wie zum Beispiel bei der Schokolade von Milka: Eine Tafel à 90 Gramm kostet 1,11 Euro - eine Großtafel 4,99 Euro. Viermal die kleinere Tafel zu kaufen, ist hier die billigere Variante. Man bekommt 360 Gramm für 4,44 Euro statt 250 Gramm für 4,99 Euro.
Ein weiteres Beispiel: eine Stichprobe mit der Butter von Kerry Gold. Die Butter ist in der größeren Verpackung zum Normalpreis deutlich teurer, als in der Standardgröße zum Angebotspreis:
- 250 Gramm-Packung: Kilopreis 9,56 Euro
- XXL-Packung mit 400 Gramm: Kilopreis 14,98 Euro
Rund 57 Prozent ist der Kilo-Preis der XXL-Packung teurer als der Kilo-Preis der kleineren Packungsgröße.
Wir haben die Preisfreiheit, also die Vertragsfreiheit bei den Händlern. Die allein legen die Preise fest. Und dürfen sie festlegen, wie sie wollen quasi. Deshalb ist rein rechtlich dagegen nichts zu machen. Es zeigt aber, wie schwierig das ist, da durchzublicken.
Wir fragen bei Rewe nach, warum bei Angeboten nicht auch die Großpackungen reduziert werden. Zur Preisgestaltung will sich Rewe auch in diesem Fall nicht äußern.
Masche mit festlicher Verpackung
In der Vorweihnachtszeit müssen Verbraucher nicht nur bei den Großpackungen genau auf den Kilopreis achten. Die festliche Verpackung kann hübsch aussehen, verursacht aber oft einen deutlichen Preisaufschlag.
Zum Beispiel kostet die Lindor-Milchschokolade von Lindt:
- in der Weihnachtsbaumverpackung 58,77 Euro pro Kilo
- in der Standard-Verpackung: 51,02 Euro pro Kilo
Das macht etwa 15 Prozent Aufschlag für eine festlichere Verpackung.
Labor- und Geschmackstest: Lidl, Edeka, Aldi, Weiss, Wicklein, Rewe Bio Nürnberger Oblaten-Lebkuchen – welcher kann im Test überzeugen?
Beliebtes Herbstgebäck in Deutschland: Nürnberger Oblaten-Lebkuchen. Welcher der sechs Lebkuchen aus Supermärkten und Discountern können im Geschmack- und Labortest überzeugen?
Lindt schreibt auf Nachfrage, die Tanne würde den Vorteil eines fertig verpackten und dekorativen Geschenkes bieten. Die Produktionskosten seien für Verpackungen wie diese höher.
Gerade um Weihnachten wird im Handel diese Stimmung ausgenutzt und alle wollen ihre Marge machen. Viele Menschen gucken nicht mehr auf den allerletzten Cent, wie sie es vielleicht den Rest des Jahres machen.
Eine niedliche Verpackung und die Aufschrift Sonderedition Weihnachten könne dazu führen, dass Verbraucher das Produkt dann doch in den Einkaufskorb packen, weiß der Experte.
Fazit: Grundpreis vergleichen
Am Ende zeigt sich: XXL bedeutet noch lange nicht günstig. Der Vorteil bei der Vorteilsgröße liegt oft beim Händler oder Hersteller und nicht beim Kunden.
Wer wirklich sparen will, sollte unbedingt den Grundpreis pro Kilo vergleichen, der am Regal unter dem Preis des Produkts immer mit angegeben werden muss.