Für Manfried Kundt sollte es das letzte Auto werden. Daher machte er keine Kompromisse: Kein Re-Import, kein Internethändler. Er leistete sich einen neuen VW vom Vertragshändler. Einen ID.7 für rund 70.000 Euro.
Fehlendes Ersatzteil legt Auto wochenlang lahm
Zwei Monate lang ist Manfried Kundt glücklich mit seinem neuen Auto, bis ihm die Freude daran vergangen ist: „Meine Frau und ich hatten am Pfingstnachmittag einen Ausflug geplant. Bereits am Anfang stellten wir fest, dass die Klimaanlage nicht funktionierte. Die Kühlung hatte versagt. Es kam warme Luft aus der Anlage heraus.“
Manfred Kundt bringt den Wagen zur Werkstatt. Einen Tag später erhält er die Diagnose. Ein defektes Absperrventil. VW teilt ihm mit, dass die Lieferung des Ersatzteils Wochen dauern könne.
Bis zur Reparatur kann Manfred Kundt den Wagen nicht fahren. Da das Ersatzteil zur Kühlung der Hochvoltbatterie gehört, wurde Manfred Kundt darauf hingewiesen, dass „allergrößte Gefahr besteht“ und „ein Batteriebrand entstehen könnte.“
Ersatzteil fehlt – Leasingrate des Autos läuft weiter
Katja und Jörg Senner erging es noch schlimmer. Ihr Sohn schrammte im Sommer 2025 mit dem geleasten Peugeot beim Rangieren die Hauswand. Der Schaden sah zwar zunächst überschaubar aus, doch die Lenkung wurde beschädigt.
Normalerweise rechnet man nicht damit, dass das einen mehrmonatigen Werkstattaufenthalt bedarf, sondern: Ersatzteil bestellen, einbauen, fertig – so denkt man sich das.
Das Problem: Das benötigte Ersatzteil kommt nicht. Erst gibt es Lieferverzögerungen, später Probleme mit der Kodierung.
Während das Auto steht, läuft die Leasingrate weiter – mehr als 250 Euro jeden Monat.
Die Senners wenden sich an ihre Leasingbank und fragen, ob sie die Rate weiterzahlen müssen, obwohl das Auto nicht genutzt werden kann: „Aber die Leasingbank fühlte sich da im Endeffekt nicht zuständig und hat an unseren Händler verwiesen beziehungsweise an den Hersteller. Am Ende hat es sieben Monate gedauert, sieben Monate, bis das Auto tatsächlich repariert war.“
Der Peugeot Mutterkonzern Stellantis will sich auf Anfrage zum konkreten Fall nicht äußern, räumt aber grundsätzliche Probleme ein: „Bei einigen Komponenten sehen wir aktuell Herausforderungen bei der Teileverfügbarkeit, die auf vielfältige und komplexe Ursachen zurückzuführen sind.“
Unterschiedliche Marken und Bauteile mit einem Ergebnis: Fahrzeug bleibt stehen
Eine Recherche der Redaktion auf einschlägigen Foren zeigt immer wieder die gleichen Klagen: Nicht auf Lager, lange Wartezeiten, Teile im Rückstand, Teil in ganz Deutschland nicht zu bekommen.
Beim ADAC in München ist Klaus Heimgärtner Experte für Verbraucherrecht. Auch dort beschweren sich immer mehr Mitglieder.
Es gibt immer wieder das Thema, dass längerfristig Fahrzeuge ausfallen, weil Ersatzteile nicht lieferbar sind. Die Werkstatt kann ja in der Regel nichts dafür, oder auch der Autohändler, dass die Teile nicht lieferbar sind. Und dann sitze ich weitgehend auf dem Trockenen.
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Je höher die Schadenfreiheitsklasse (SF), desto günstiger der Tarif für die Kfz-Versicherung. Aber aufpassen beim neuen Auto unterm Jahr: Rabattmonate können verloren gehen.
Warum sind Ersatzteile wochenlang nicht lieferbar?
Werkstätten und Branchenverbände nennen kleinere Lagerbestände, globale Lieferketten und eine Produktion, die immer stärker auf Bedarf ausgerichtet ist als Gründe. Das spare Kosten – mache das System aber anfälliger.
Laut Arndt Hürter, Karosserie-Händler und Präsident des Zentralverbands Karosserie- und Fahrzeugtechnik, vernachlässigen die Autohersteller die Ersatzteilversorgung systematisch. Diese würden „mit Vorrang für die Produktion am Band benötigt.“
Hauptsache Fahrzeuge kommen auf den Markt. Und das führt dann dazu, dass im Reparaturbereich Teile fehlen. Wir reden davon, dass eine Heckscheibe fehlt. Da ist ein Kotflügel nicht lieferbar oder irgendwelche anderen Bauteile, die eigentlich tagtäglich benötigt werden.
Hohe Preise für Ersatzteile
Lange Wartezeiten sind jedoch nicht das einzige Problem. Auch die Preise haben sich verändert. Laut Berechnungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft haben sich die Preise für Originalersatzteile zwischen 2015 und 2025 teilweise mehr als verdoppelt.
Wenn man einen Range Rover Velar hat und sie müssen einen neuen Scheinwerfer einbauen, und dann kostet der 7200 Euro. Und der Hersteller sagt sogar, wenn der Scheinwerfer über fünf Jahre alt ist, dann müssen sie den zweiten gleich mit tauschen. So und dann sind wir schon bei 14.400 Euro plus Einbau, plus kalibrieren. Da fehlen mir die Worte, dem Kunden auch, dem bleibt die Spucke weg.
Gebrauchte Originalteile aus Unfallfahrzeugen
Hohe Preise und extreme Lieferzeiten bringen inzwischen eine Alternative ins Spiel: gebrauchte Originalteile aus Unfallfahrzeugen. Versicherer setzen zunehmend auf diese sogenannten „Green Parts“. Die gebrauchten Originalteile können günstiger sein und sind angeblich schnell verfügbar, wenn das Neuteil fehlt.
Auch Arndt Hürter hält das für sinnvoll, sofern Herkunft und Qualität gewährleistet sind. Aber er weiß auch: gerade für jüngere Fahrzeugmodelle ist das Angebot viel zu knapp: „Das Problem ist, dass immer noch viel zu viele Totalschäden nicht in diesem Recyclingprozess überführt werden, wie es sein müsste. Und man muss auch hier aufpassen. Wenn das nachher alles wieder in Hersteller Hand liegt, dann ist auch das wieder mit Vorsicht zu genießen. …Warum? …Weil man auch da dann wieder die Preise bestimmt.“
Dann könnten Gebrauchtteile am Ende womöglich das Gleiche kosten wie das teure Original. Zum Nachteil der Verbraucher.
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Muss ein Auto immer mit neuem Ersatzteil repariert werden? Geht nicht auch ein Gebrauchtes? Laut einer Studie sind gebrauchte Ersatzteile sogar günstiger und besser für das Klima.
Sind Hersteller verpflichtet, Ersatzteile zu liefern?
Die Autoindustrie verweist auf eine freiwillige Selbstverpflichtung zur Ersatzteilversorgung. Stellantis Deutschland erklärt dazu, ihr Ziel sei es, der freiwilligen Verpflichtung der Automobilhersteller nachzukommen und Ersatzteile bis zum zehnten Betriebsjahr des jeweiligen Fahrzeuges liefern zu können.
Eine Garantie für den Kunden gibt es allerdings nicht. Klaus Heimgärtner vom ADAC hält die freiwillige Regelung deshalb für unzureichend: „Allein die Aussage, wir kümmern uns darum, ist eher ein bisschen zur Selbstaufbesserung des Images gedacht. Sie hat nicht sofort rechtliche Konsequenzen. Das heißt, das ist letztlich nichts, worauf man eine Sonderrechtsbeziehung zu einem Kunden herstellen kann. Und das bräuchte ich, um da wirklich eben ein Recht daraus ableiten zu können, zu sagen, wenn ihr euch so verpflichtet, dann kann ich das auch erwarten und wenn ihr das nicht erfüllt, dann habe ich Rechte.“
Belastung für Verbraucher durch verzögerte Ersatzteillieferungen
Katja und Jörg Senner erhielten ihren Peugeot nach sieben Monaten repariert zurück. Der Leasingvertrag war da bereits abgelaufen. Inzwischen haben sie das Auto zurückgegeben – die Geschichte ist für sie beendet. Die Werkstatt können sie wegen der Lieferverzögerung nicht haftbar machen.
Klaus Heimgärtner erklärt dazu: „Eine Verzögerung ist etwas, was ja letzten Endes nicht auf das Verschulden der Werkstatt zurückgeht. Und ich kann daraus nichts ableiten, außer den Werkvertrag kündigen zu können. Das macht mir aber mein Auto natürlich auch nicht wieder heil.“
Manfried Kundt hat mittlerweile einen Anwalt eingeschaltet, weil er sein nagelneues Auto wochenlang nicht nutzen konnte. Dieser prüft, welche Ansprüche er gegen den Verkäufer geltend machen kann. Beispielsweise Minderung oder Rücktritt vom Kaufvertrag. Die Geschichte hat sein Vertrauen in das fast neue Auto beschädigt. Er will es loswerden, notfalls vor Gericht.