Unterwegs mit dem Auto

Digitale Maut und Kennzeichenerkennung – Ärger im Urlaub?

Reisende mit dem Auto aufgepasst: Im europäischen Ausland setzen viele Orte auf digitale Vignetten statt auf klar erkennbare Mautstationen. Das hat oft Tücken.

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Stand

Von Autor/in Sven Marcinkowski

Nachträgliche Gebühren für Mautstrecken

Stefan Hausladen fuhr mit dem Auto von Deutschland über Österreich und Slowenien nach Kroatien. Nach dem Urlaub erhielt er überraschend Post: ein Einschreiben der österreichischen Autobahngesellschaft Asfinag. Er sollte 120 Euro zahlen, obwohl er dachte, auf alles geachtet zu haben.

Der Grund für die Strafgebühr: Er habe die Mautgebühr für einen 5,5 Kilometer langen Tunnel nicht bezahlt. Diese hätte normalerweise 6,50 Euro gekostet.

Digitale Maut auf zusätzlichen Strecken

In Kroatien wird abhängig von der Strecke an beschrankten Stationen eine Maut erhoben. Für Slowenien und Österreich kaufte Stefan Hausladen an den Grenzen jeweils die dort gültige Vignette.

Mir war bisher nicht bewusst, dass man in Österreich noch einzelne zusätzliche Mautstrecken hat. Das ist uns dort erst aufgefallen, wo diese Stationen kamen.

Zwei Systeme für die digitale Streckenmaut

Wie ein Informationsvideo der Asfinag erklärt, gilt auf gewissen Spuren zusätzlich die sogenannte digitale Streckenmaut. Dort werden die Fahrzeugkennzeichen automatisch von Kameras überprüft.

Dabei kommen zwei Systeme zum Einsatz: Eine Spur unter einem grünen Schild darf nur befahren werden, wenn die Maut bereits im Voraus bezahlt wurde. Auf den anderen Spuren gibt es eine Schranke, die bei nicht gezahlter Maut geschlossen bleibt.

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Steigende Kosten für Ersatzmaut

Stefan Hausladen zahlte die Gebühr. Die "Ersatzmaut" ist das Bußgeld, das bei Verstößen gegen die Mautpflicht erhoben wird.

Doch er ist nicht der einzige Betroffene. Das zeigt auch die Asfinag-Jahresbilanz 2025.

Die Ersatzmaut-Einnahmen sind im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Viertel - auf fast 94 Millionen Euro gestiegen. Als Grund gibt die Asfinag den "steigenden Ersatzmaut-Versand ins europäische Ausland“ an.

Asfinag-Jahresbilanz 2025
Asfinag-Jahresbilanz 2025

Ein Drittel der Ersatzmaut-Einnahmen kommt aus Deutschland. Seit diesem Jahr zudem mit einer höheren Gebühr. Statt 120 Euro kostet die Ersatzmaut jetzt 200 Euro.

Die Asfinag begründet dies nach Nachfragen mit der Erklärung, dass zur Abbildung der Kostenwahrheit bei gleichzeitig kontinuierlich gestiegenen Kosten für die Kontrolle der Mautpflicht sowie zur Beibehaltung eines abschreckenden Charakters die Anhebung des Ersatzmaut-Betrags überfällig gewesen sei. Außerdem sei die Gebühr seit 2003 nicht erhöht worden.

Unterschiedliche Systeme sorgen für Verwirrung  

Auch beim Zentrum für europäischen Verbraucherschutz (EVZ) melden sich vermehrt Betroffene, die Probleme mit ausländischen Mautsystemen haben.

Das sind sehr hohe Forderungen, die viele Verbraucher überraschen. Insbesondere weil es kaum Möglichkeiten gibt, hier auch tatsächlich Einspruch einzulegen. Und in jedem Land haben sie andere Systeme. Das heißt, jeder Verbraucher, der in Europa unterwegs ist, muss sich wirklich pro Land informieren.

Immer mehr Länder schaffen Schranken an Mautstationen ab

Die Abschaffung von Schranken soll den Verkehrsfluss verbessern. Kroatien beginnt im März 2027, Frankreich ist schon mittendrin.

Im nordfranzösischen Boulay weisen Schilder auf die Kennzeichenerfassung hin. Die Maut muss innerhalb von 72 Stunden bezahlt werden – entweder direkt vor Ort oder online. Andernfalls können nachträgliche Gebühren anfallen.

Auch Italien testet das schrankenlose System.

Gebühren nach dem Urlaub - kein Einzelfall

Thomas Bay war im März 2023 mit seinem Wohnwagengespann unterwegs von Deutschland Richtung Elba. Aufgrund einer Tunnelsperrung direkt nach der Grenze musste er durch Chiasso eine Umleitung fahren. Diese führte ihn auf das schrankenlose Mautsystem der A59. Auch dort standen Kameras.

Die Hinweisschilder, die auf das sogenannte Free-flow-System aufmerksam machen sollen, hatte Thomas Bay gesehen. Da die Zahlung in Italien innerhalb von 15 Tagen erfolgen musste, rief er die Seite der Autobahngesellschaft auf und zahlte die Maut in Höhe von 2,60 Euro.

Vier Monate nach seinem Urlaub erhielt er einen Brief der Nivi S.P.A., eines italienischen Inkassodienstleisters. Darin hieß es, das Unternehmen sei von der Autobahngesellschaft Pedemontana Lombarda beauftragt worden, die auf der A59 nicht gezahlten Mautgebühren von 11,02 Euro einzutreiben. Die Zahlungsaufforderung verwunderte Thomas Bay.

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Mit Wohnwagen: Vorsicht bei unterschiedlichen Kennzeichen  

Der Grund für die Mahnung war die Kennzeichenerkennung. Das schrankenfreie Mautsystem erstellt von vorne und von hinten ein Bild, um das Fahrzeug zu erkennen. Allerdings unterscheiden sich die Kennzeichen vorne am Auto und hinten am Wohnwagen.

Das Wohnwagen-Kennzeichen hatte Thomas Bay nicht angegeben, weshalb beim italienischen System nachträgliche Gebühren anfielen. Diese zahlte er.

Das französische System erkennt Gespanne dagegen automatisch, auch wenn sie verschiedene Kennzeichen haben.

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Wo finden Reisende Hilfe?

Bei Fragen zur Maut können sich Betroffene unter anderem an das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz (EVZ) wenden.

Nach dem sich das EVZ bei Thomas Bay einschaltete, überprüfte die Nivi S.p.A. den Vorgang. Es stellte sich heraus, dass die Maut, die er bezahlt hatte, korrekt war. Das Wohnwagenkennzeichen hätte nicht berechnet werden dürfen. Darauf erstatte Nivi S.p.A. den Mahnbetrag abzüglich der Transaktionskosten.

Der ADAC bietet Pkw-Reisenden auf seiner Internetseite zudem einen kostenlosen Mautrechner an. Rolf Köchl vom ADAC empfiehlt außerdem, sich richtig vorzubereiten, zu überlegen, welche Strecke man fährt, und dann Vorkehrungen zu treffen und sich entsprechend zu registrieren.

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Autor/in
Sven Marcinkowski
Onlinefassung
Emma Challouf