Diese Zutat soll nach Sommer, Urlaub, Sonne schmecken: “Pesto alla genovese” bringt den Geschmack Italiens auf unsere Tische. Zumindest, wenn man der Werbung glaubt.
Aber wie sieht es tatsächlich aus - mit dem Geschmack? Und den Schadstoffen? Denn eines ist klar: Pesto aus dem Glas hat nicht den besten Ruf, regelmäßig finden sich in Produkttests Pestizide und Mineralöl-Rückstände. Wie steht es also ums Fertigpesto aus Supermarkt und Discounter?
Die Stichprobe bestätigt: Pestizid-Spuren in sechs von acht Pestos. Dazu stark erhöhte Rückstände von Mineralöl.
Ist das Pesto noch “alla genovese” oder nur günstig?
Im Test: Acht fertige Pestos “alla genovese” - von der Discounterware bis zum Markenprodukt. Dabei sind Produkte von Lidl und Aldi, die Eigenmarken von Edeka und Rewe, dazu Pestos von Barilla, De Cecco und - als Bio-Varianten - von dm und Ppura.
Was ist drin? Und wie schmeckt es? Laut Cristian Bortolotti, Chefkoch des Berliner Centro Italia, kommt das traditionelle Originalrezept mit sieben Zutaten aus: frisches Basilikum, Olivenöl extra vergine, Parmigiano Reggiano, Pecorino Romano, ein bisschen Knoblauch, eine Prise Salz und Pinienkerne.
Aber was ist im Vergleich dazu in den Fertigpestos? Von denen tragen die meisten zwar das “alla genovese” im Namen - also nach der Machart aus Genua -, doch mit italienischer Kochtradition haben die Zutaten oft wenig zu tun. Das stellt auch Ernährungsexpertin Britta Schautz von der Verbraucherzentrale fest.
Die Hersteller ersetzten teure Zutaten regelmäßig durch deutlich günstigere: Statt Olivenöl werde billiges Sonnenblumenöl verwendet. Auch an den Nüssen werde gespart: Statt der teuren Pinien- kämen günstige Cashewkerne zum Einsatz.
Zusätzlich fänden sich - im Gegensatz zur Originalrezeptur - auch Inhaltsstoffe wie Maisfaser, Kartoffelflocken, Molkenerzeugnis und ähnliches im Fertigpesto. “Das sind Zutaten, die hätten in der Originalrezeptur überhaupt nichts verloren”, so Schautz. Einzig das Basilikum sei genauso wie im Original.
Hauptzutat Basilikum oft pestizidbelastet
Das Basilikum ist zugleich auch die wichtigste Zutat im Pesto. Das mediterrane Kraut wird vor allem in Norditalien in großen Mengen angebaut. Nach Angaben der Hersteller stammt es in allen getesteten Produkten aus Italien. Besonders viel Basilikum steckt im Bio-Pesto von dm - ganze 60 Prozent. Marktführer Barilla setzt dagegen nur auf rund die Hälfte.
Ein Problem mit dem Basilikum: Es ist sehr anfällig für Schädlinge und Schimmelpilze. Deshalb werden im konventionellen Anbau häufig Pflanzenschutzmittel eingesetzt.
In Tierversuchen zeige sich allerdings, dass durch die Gabe von Pestiziden das Krebsrisiko erhöht werden könne, erläutert Schautz. Aus dem Grund seien Pestizide streng reguliert. Die Rückstandshöchstmengen müssten so klein sein, dass sie langfristig kein Risiko für die Menschen darstellen. Halten sich die Hersteller der getesteten Produkte daran?
Neben Pestizid- auch Mineralöl-Rückstände im Pesto
Die Ergebnisse aus dem Labor zeigen, dass alle konventionellen Pestos in der Stichprobe mit Rückständen belastet sind: Bei der Laboruntersuchung auf insgesamt 650 Pestizide wurden bis zu fünf verschiedene Pestizide in einem Glas gefunden. Allerdings liegen alle Rückstände unterhalb der erlaubten Grenzwerte. Aber: Einzig in den Bio-Pestos finden sich keine Pestizide.
Auch Kohlenwasserstoffe aus Mineralöl - sogenannte MOSH und MOAH - können durch Verunreinigungen ins Pesto gelangen. Das Verbrauchermagazin “Öko-Test” hat in der Ausgabe 10/2025 insgesamt 21 Produkte unter anderem auf solche Rückstände untersucht.
Zwei Drittel der Produkte seien mit Mineralölbestandteilen belastet gewesen, so Heike Baier von Öko-Test. Die meisten davon mit beidem, also mit MOSH und mit MOAH.
MOSH und MOAH: Gesundheitliche Auswirkungen auf Menschen unklar
Im Test sei MOSH in Gehalten vorhanden gewesen, die Öko-Test als stark erhöht einordnet. Die Auswirkungen von MOSH, die sich im menschlichen Fettgewebe und in Organen anreichern, ist laut Ökotest unklar.
Noch kritischer sieht es laut dem Verbrauchermagazin bei der zweiten Gruppe aus, den MOAH. Zu dieser Gruppe gehörten Substanzen, die Krebs erregen können. Für MOAH-Höchstgehalte gebe es seit einiger Zeit einen EU-Vorschlag.
“Sechs Produkte reißen sogar diesen Höchstgehalt”, so Baier. Darunter auch die Produkte von Aldi und De Cecco.
Aldi teilt mit, dass alle veröffentlichten Ergebnisse analysiert und bei Bedarf entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden. De Cecco erklärt: "Alle Chargen des Pesto alla Genovese erfüllen die europäischen Regeln zur Lebensmittelsicherheit und werden regelmäßig von unabhängigen Laboren geprüft."
Vier günstige Fertig-Pestos zu sauer oder zu salzig
Zurück zu Cristian Bortolotti und seinem feinen Gaumen. Er checkt die acht Pestos gemeinsam mit dem Berliner Feinkosthändler Patrick Groth in einer Blindverkostung auf Geschmack, Textur, Geruch - und Traditionstreue.
Das Pesto von Aldi kommt dabei nicht gut weg, es sei zu sauer, so das einhellige Urteil. Das von Lidls Eigenmarke Baresa überzeugt aus anderem Grunde nicht: Es sei zu salzig und habe kein Basilikumaroma.
Beide Pestos kosten 0,52 Euro pro 100 Gramm. Ebenso wie die beiden Pestos der Eigenmarken von Edeka und Rewe.
Das von Rewe empfinden die beiden Tester als zu wenig cremig, regelrecht stückig. Außerdem zu salzig. Das von Edeka wiederum als zu sauer. Käse und Nüsse seien nicht ausreichend vorhanden.
Teure Pestos bekommen im Geschmackstest höchstens ein “befriedigend”
Das Pesto von Barilla kostet immerhin 1,84 Euro pro 100 Gramm. Von den Experten wird es als “befriedigend” eingestuft: Es sei cremig, der Geschmack passabel, allerdings im Abgang zu salzig und bitter.
Die Konkurrenz von De Cecco für 1,89 pro 100 Gramm ist laut Bortolotti und Groth kein Basilikum-Pesto. Man schmecke weder Basilikum noch Knoblauch, sondern nur ranziges Öl. Immerhin: Das De-Cecco-Pesto kommt ausschließlich mit Olivenöl aus.
De Cecco teilt mit: “Bei Überprüfungen vor der Auslieferung hat die Charge alle sensorischen und Qualitätsstandards erfüllt. Die Geschmackswahrnehmung kann jedoch durch externe Faktoren bei Auslieferung, Lagerung und Verkauf variieren.“
Auch die Bio-Pestos - mit Olivenöl und Pinienkernen - können nicht überzeugen. Das vegane Pesto von dm für 1,62 Euro pro 100 Gramm sei zu wenig aromatisch, “eine Zumutung”. Das von Ppura - mit 2,46 Euro pro 100 Gramm das teuerste Pesto im Vergleich - habe eine zu starke Säure, die alles überlagere.
Beide Pestos beinhalten ausschließlich Olivenöl und Pinienkerne, keine günstigen Alternativzutaten oder Mixturen aus günstig und teuer wie in den anderen Produkten.
Das Fazit zum Fertig-Pesto
Insgesamt eine “katastrophale Auswahl” an Fertigpestos, so das Fazit der beiden Gourmets. Nur Marktführer Barilla könne halbwegs überzeugen, obwohl keine Pinienkerne drin sind. Der Rest sei nicht ansatzweise zu empfehlen.
Fertigpestos sind also praktisch und schnell, aber mit italienischer Kochkunst haben sie wenig zu tun. Nimmt man dann noch die Mineralölrückstände dazu, lohnt es sich, eine andere Zubereitungsart für seine Pasta zu nutzen - oder das Pesto selbst zu machen.
Wer doch beim Fertigpesto bleibt, tut gut daran, einen Blick auf die Zutatenliste zu werfen: Wie hoch ist der Anteil an Olivenöl und Pinienkernen denn nun? Dann kommt man geschmacklich wenigstens etwas Richtung Genua.