Tausende Ameisen im Garten - Marita Kraus entdeckt sie, kurz bevor der neue Rollrasen verlegt werden soll. "Unheimlich viele, richtig kräftige Ameisen", berichtet die Gartenbesitzerin. Sie will einen Fachmann hinzuziehen. Es ist Eile geboten.
Schädlingsbekämpfer gesucht
Marita Kraus sucht bei Google und stößt dabei auf eine Website, die Schädlingsbekämpfung auch an ihrem Wohnort vermittelt. Schon ein paar Stunden später seien zwei Männer gekommen, die sich gleich an die Arbeit gemacht hätten.
Die Kundin beobachtet, wie einer der beiden zwei Stunden lang etwas im Garten versprüht. Der andere Mann habe zugeschaut, berichtet sie. Dann der Schock: Die Männer wollen gut 1.200 Euro von ihr - und zwar sofort.
Marita Kraus fühlt sich von den kräftigen Männern unter Druck gesetzt. Sie bezahlt mit Karte.
Man ist in dem Moment so überrumpelt, dass man was macht, was man bei Verstand nicht macht. Die waren so selbstsicher.
Rechnung ohne Kontaktadresse – fehlendes Fachwissen
Auf der Rechnung steht ein Firmenname: Haustechniker365. Sonst nur die Vornamen der Mitarbeiter - keine Firmenanschrift, keine Kontaktmöglichkeit. Aber das eingesetzte Mittel wird aufgeführt: Permethrin - tatsächlich ein Insektizid. Aber ist es hier richtig eingesetzt?
Experte Kai Scheffler, Vorsitzender des Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verbands (DSV), beurteilt das so:
Permethrin wird im Garten gegen Ameisen definitiv nicht gespritzt, sondern es wird gegossen. Oder es wird ein Granulat ausgelegt. Die Vorgehensweise dieses Arbeitsschritts ist falsch.
Auch der Preis schockiert den Experten. "Also 1.200 Euro ist definitiv - wenn sie nicht einen ganzen Sportplatz gemacht haben und nicht komplett Insektizid ausgebracht haben - tatsächlich Wucher, möchte ich das fast nennen", erklärt Scheffler.
Marita Kraus versucht wegen des Firmennamens auf ihrer Rechnung, sich an den Betreiber der Internetseite Haustechniker365 zu wenden – ohne Erfolg. Sie erklärt: "Ich ärgere mich wahnsinnig. Die Polizei hat gesagt, ich soll vorbeikommen. Die waren sehr nett und haben aber gleich gesagt, das Geld ist weg."
Die ARD Verbraucher-Redaktion fragt beim Betreiber der Seite Haustechniker365 nach. Die Firma Seibel GmbH & Co KG. schreibt uns, ein Auftrag unter dem Namen von Marita Kraus sei bei ihnen nicht eingegangen. Jedenfalls habe ihre Website Haustechniker365.de
"[…] nichts mit der Firma auf der […] Rechnung zu tun."
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Die Reporter der ARD Verbraucher-Redaktion versuchen herauszufinden, wie es zu der Rechnung kommen konnte und entdecken im Browserverlauf von Marita Krause weitere Handwerkervermittler. Hat sie dort angerufen?
Die Redaktion fragt bei den Firmen nach, aber entweder bekommt sie keine Antwort oder auch diese Unternehmen bestreiten, etwas mit diesem Auftrag zu tun zu haben.
Bekämpfung von Ratten zu hohem Preis
Einen ähnlichen Fall meldete Marktcheck-Zuschauer Erwin Schneider der ARD Verbraucher-Redaktion. Bei ihm hatten sich auf dem Dachboden Ratten eingenistet. Auch er suchte Hilfe im Internet und stieß dabei auf die Seite "Kammerjäger-Huber.de" - mit einer Kakerlake im Logo. Es seien zwei Männer vorbeigekommen.
Der Hausbesitzer berichtet: "Dann haben sie mit so einer Sprühflasche, mit so einer Lanze überall rumgesprüht. Dann haben sie der Reihe nach ihre Fallen rausgeholt." Die angeblichen Schädlingsbekämpfer hätten gefragt, wie viele Fallen sie aufstellen sollen. Schneider habe geantwortet: "Das weiß ich nicht, das müssen Sie mir sagen."
Er habe über 700 Euro direkt zahlen müssen. Eine Rechnung habe es nie gegeben.
Schlagfallen aufzustellen und eine Schale mit Ködern auszulegen, ist sicherlich nicht 720 Euro wert. Das ist keine Maßnahme, sondern das ist Geldmacherei.
Die Seite "Kammerjäger-Huber.de" wird – genau wie "Haustechniker 365" - von der Seibel GmbH & Co. KG. betrieben. Diesmal kennt die Firma den Auftrag. Die Summe, die bei Erwin Schneider verlangt wurde, erscheint dem Unternehmen zwar recht hoch, die fehlende Rechnungstellung sogar "besorgniserregend". Verantwortlich dafür sei aber ausschließlich ein weiteres Unternehmen mit Sitz in Essen.
Die ARD Verbraucher-Redaktion kontaktiert diese Firma, erhält aber keine Antwort.
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Fachfirmen: wirtschaftliche Probleme durch Vermittlungsdienste
Für den Schädlingsbekämpferverband haben sich die Handwerker-Vermittlungsdienste zu einer echten Plage entwickelt.
"Firmen greifen Aufträge ab, die eigentlich an reguläre Schädlingsbekämpfungsunternehmen gehen würden. Das ist mal finanziell oder wirtschaftlich das größte Problem", erklärt Scheffler. Ein weiteres Problem sei, dass diese Firmen oftmals gar keine Sachkunde hätten.
Kai Scheffler googelt für die ARD Verbraucher-Redaktion nach Kammerjägern an seinem Wohnort Paderborn. "Dann werden mir ganz viele Unternehmen angezeigt, die irgendwie Sponsoring betreiben hier bei Google."
Er sagt, es gebe in Paderborn "eine Handvoll Schädlingsbekämpfer und die kenne ich alle." Viele Anbieter, die im Suchergebnis im Internet angezeigt werden, "die gibt es in Paderborn definitiv nicht", sagt Scheffler.
An erster Stelle steht der Name "Andreas Haustechnik". Scheffler weiß bereits: "Andreas Haustechnik ist durchaus ein Unternehmen, welches häufig auftaucht – egal, welchen Städtenamen man eingibt."
Klempnerarbeiten: 400 Euro ohne Reparatur
Isabella M. kennt Andreas Haustechnik auch – obwohl sie vierhundert Kilometer weit weg von Paderborn lebt. Hier ging es um Klempnerarbeiten und einen zähen Kampf um Geld.
Im August hatte ihr Sohn in seiner Wohnung plötzlich kein warmes Wasser mehr. Über Google landet er bei Andreas Haustechnik.
Noch am selben Tag sei ein Mann gekommen, der die Gastherme inspiziert habe. Mehr sei nicht passiert.
Der Handwerker habe dem Sohn noch den Tipp gegeben, ein Ersatzteil zu bestellen und es dann selbst einzubauen. Für diese Leistung hätte der Handwerker sofort fast 400 Euro verlangt.
Überrumpelt habe der Sohn bezahlt. Rechnung habe es keine gegeben, die könne er im Nachgang anfordern. Doch das habe nicht funktioniert - genauso wenig wie der Einbau des Ersatzteils.
Isabella M. beschwert sich daraufhin mehrfach bei der Hotline von Andreas Haustechnik. "Nach drei Wochen kam eine zweite Firma. Der Herr hat dann gesagt, er kann das Problem nicht lösen, es ist zu groß", berichtet Isabella M..
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Geld zurück nur durch Hartnäckigkeit
Die Familie hat genug und engagiert einen lokalen Handwerker. Die ARD Verbraucher-Redaktion will wissen, ob er das Problem lösen konnte. Die Umwälzpumpe sei kaputt gewesen und deswegen sei auch keine Wärmeabnahme im Wärmetauscher angekommen, erklärt der lokale Handwerker. Für einen Heizungsbauer sei das eine relativ einfache Sache.
Das Wasser ist wieder warm. Aber Isabella M. will, dass ihr Sohn das Geld zurückbekommt. Sie ruft immer wieder im Callcenter von Andreas Haustechnik an.
"Als meine Wut mit der Zeit stieg, habe ich die Leute auch mal persönlich angesprochen. Ich habe wirklich mal gesagt‚ 'Frau X, schämen Sie sich nicht, hier mitzuarbeiten? Was machen Sie hier?'. Und dann war eine ganz betretene Stille am Telefon, als ob sie selber kurz überlegt, was sie da tut", berichtet Isabella M..
Nach Wochen sei es ihr gelungen, mit dem Chef des Callcenters zu sprechen. Und tatsächlich schafft sie es, das ganze Geld zurückzubekommen.
Die ARD Verbraucher-Redaktion fragt bei Andreas Haustechnik nach, wie sich das Unternehmen die erfolglosen Reparaturversuche erklärt? Andreas Haustechnik teilt mit, man habe in diesem Fall keine eigenen Handwerker geschickt, sondern den Auftrag an eine andere Firma übermittelt.
Unser internes Qualitätssicherungssystem sieht vor, dass wir bei wiederholten Problemen dieser Art die Zusammenarbeit mit den betreffenden Unternehmen dauerhaft einstellen.
Firmennetz für die Handwerker-Vermittlung
In ihrer Recherche stellt die ARD Verbraucher-Redaktion fest, dass viele der Firmen, mit denen die Betroffenen in Kontakt gekommen sind, miteinander zusammenhängen:
Andreas Haustechnik ist eine Tochtergesellschaft der Heltom Gmbh. Und die Heltom ist auch an der Seibel GmbH & Co. KG beteiligt, der Betreiberin der Internetseiten Kammerjäger-Huber.de und Haustechniker365.
Die ARD Verbraucher-Redaktion kontaktiert die Heltom, möchte weitere Informationen über die Aktivitäten ihrer Tochterfirmen bekommen. Das Unternehmen antwortet nicht.
Tipps für Verbraucher: Seriöse Schädlingsbekämpfer finden
Es gibt viele Handwerkervermittler – und für Laien sind sie schwer zu erkennen. Um die Risiken zu vermeiden, hat Kai Scheffler Tipps für die Suche nach Schädlingsbekämpfern:
Ruhe bewahren, das ist immer das Erste. Das größte Problem ist, dass die Leute auf einmal in Panik verfallen. Schauen Sie auf die Seite des Deutschen Schädlingsbekämpferverbandes und suchen Sie sich einen Kollegen raus. Dann werden Sie zumindest jemanden haben, der verbandlich organisiert ist und den Sie auch morgen noch wiederfinden und der definitiv zumindest alle notwendigen Genehmigungen hat, um auch eine Schädlingsbekämpfung durchzuführen.
Ebenfalls möglich ist eine Suche bei der regionalen Handwerkskammer: Auch dort finden sich qualifizierte Betriebe, deren Mitarbeiter ihr Handwerk gelernt haben. So lassen sich böse Überraschungen hoffentlich vermeiden.