Fast-Fashion für wenig Geld, ständig neue Trends und Kollektionen – genau das macht H&M für viele attraktiv. Die Marke betreibt heute rund 3.600 Standorte weltweit.
Drei Milliarden Euro Umsatz macht H&M allein im Jahr in Deutschland – seinem weltweit größten Markt.
Marktcheck prüft H&M in diesen Punkten:
- Wie sich die Preise online und in der Filiale unterscheiden
- Wie die Verarbeitung der Stoffe mit der Konkurrenz mithält
- Wie sich die Materialien im alltäglichen Gebrauch schlagen
- Was der Moderiese mit Altkleidern macht
- Wie das Arbeitsklima von Mitarbeitern gesehen wird
Warum sollte man bei den Preisen genauer hinsehen?
H&M verkauft seine Waren in Filialen vor Ort aber auch online. Auf Socialmedia-Plattformen schreiben User, dass die Preise im Laden oft günstiger sind. Das haben wir mit 35 Artikeln getestet.
Die Stichprobe ergab, dass nur bei fünf der Preis identisch war. 60 Prozent der geprüften Produkte waren tatsächlich in der Filiale günstiger und nur 20 Prozent online. Es bestätigte sich auch der Socialmedia-Tipp, dass an der Kasse häufig der niedrigere Onlinepreis gewährt wird, wenn danach gefragt wird.
Für Erik Maier, Experte für Marketing und Betriebswirtschaft, ist das Ergebnis durchaus „eine überraschende Feststellung“. Günstigere Preise in den Filialen seien eher ungewöhnlich. Aber damit könnten auch die Lager für die schnell wechselnden Kollektionen immer wieder frei gemacht werden.
„Der zweite Grund ist, Menschen in die Filialen zu bringen“, erklärt Erik Maier. Das würde auch Impulskäufe begünstigen. „Sind sie einmal da, kaufen sie noch die Socken und den Lippenstift an der Kasse mit“, sagt er.
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Wie wertig sehen die Fast-Fashion-Textilien aus?
Halten die Sachen einem genaueren Blick stand? Das haben wir von zwei Expertinnen beurteilen lassen, die sich mit Schnitten, Nähten und Stoffen auskennen: Antje Christophersen, Textil-Expertin von der Hochschule Niederrhein und Anna Specht, Influencerin und Mode-Expertin.
Wir präsentierten ihnen vier Kleider, alles „kleine Schwarze“: ein Modell von H&M für 29,99 Euro, eins der höherpreisigen H&M-Untermarke COS für 89 Euro, eins von Hauptkonkurrent Zara für 35,95 Euro und eins der Zara-Schwestermarke Massimo Dutti für 90 Euro.
Auf Platz 1 sahen die Expertinnen die H&M-Untermarke COS, denn Design, Verarbeitung und Stoff konnte überzeugen, die Passform auch. Platz zwei ging an Massimo Dutti. Hier fielen etwas unsauber gearbeitete Nähte am Saum des Futters auf. Mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis waren die Expertinnen hier auch wegen des hohen Anteils an synthetischen Stoffen unzufrieden. Den stellten sie auch bei den Kleidern von Zara und H&M fest.
Das Modell von Zara landete auf Platz drei und fiel auch durch abstehende Fäden und herausblitzendes Futter auf. H&M belegte den letzten Platz. Das Urteil der Expertinnen: „Es macht einfach nicht so einen wertigen Eindruck“.
Wie belastbar sind die Materialien?
Jeans sind Klassiker und Basics. Was halten sie im alltäglichen Gebrauch aus? Das hat das Prüflabor der Hochschule Niederrhein für uns bei Modellen von H&M, Zara, Uniqlo und C&A im Preisrahmen von 29,99 bis 49,90 getestet. Alle in der Farbe dunkelblau und zu 100 Prozent aus Baumwolle.
Textiltechnologe Professor Lutz Vossebein und sein Team haben die Nähte einem Belastungstest von mehr als 40 Kilogramm unterzogen. Dabei gab es keine negativen Überraschungen. „Insgesamt kann man sagen, dass alle Nähte gut gehalten haben“, so der Experte.
Jedoch eine der Hosen gab bereits bei knapp über 30 Kilogramm nach, das war die von C&A. Aber auch das sind laut dem Experten noch riesengroße Kräfte, die ausgehalten wurden. Und damit weit mehr als nötig.
Interessiert hatte uns auch, wie stark färben die Jeans ab? Hier gab es keine nennenswerten Unterschiede. Im trockenen Zustand blieb die Farbe, wo sie sollte, nämlich an der Hose und rieb sich nicht auf einem hellen Stoff ab.
Beim Wet-Test sah das bei allen anders aus. „Das ist erwartbar, aber vielleicht sollte man das wissen, dass man vielleicht ein paar Mal die Jeanshose vorwäscht, bevor man sich damit auf ein helles Polster setzen kann“, rät der Textiltechnologe.
Wichtig ist bei Kleidung auch, dass sie beim Waschen nicht die Form verliert. Wie sieht das bei den vier Modellen nach zehn Waschgängen in einer handelsüblichen Maschine aus? Das entspricht etwa der Nutzung eines halben Jahres. Hier war die H&M-Hose klarer Verlierer, denn sie schrumpfte stark und war am Ende sieben Zentimeter kürzer.
Auf Anfrage schrieb der Modekonzern dazu: „Bitte beachten Sie, dass die Ergebnisse zur Maßbeständigkeit unter den Bedingungen von zehn aufeinanderfolgenden Waschgängen ohne die übliche Abnutzung und Pausen durch das Tragen unserer Kund*innen entstanden sind“.
Eingegangen war auch die Hose von Zara, aber nicht ganz so gravierend. Die Jeans von C&A zeigte hier kaum Auffälligkeiten, noch weniger Uniqlo.
Hält der Moderiese sein Nachhaltigkeitsversprechen?
Schätzungsweise eine Million Kleidungsstücke bringt H&M jeden Tag in Deutschland auf den Markt und das in zehn bis zwölf Kollektionen pro Jahr.
Der Konzern wirbt damit, nachhaltig zu sein. Er verspricht, Kunden können ihre Altkleider in seinen Filialen gegen einen Gutschein eintauschen. Wie unser Praxistest ergab, braucht man dafür die App des Modeanbieters. Dann lief alles unkompliziert und es gab einen Rabatt-Gutschein über 15% auf einen Artikel beim nächsten Einkauf.
Weil wir jeweils viele Sachen abgaben, bekamen wir in mehreren Filialen sogar zwei Gutscheine, die nach dem Scannen eines Codes jeweils in der App gleich angezeigt wurden. Das hing aber auch von der Kulanz der Mitarbeiter in den zehn getesteten Filialen ab. An der Kasse nach mehreren Gutscheinen zu fragen, lohnt sich, wie wir festgestellt haben.
Was jetzt gilt und wie wir Fehler vermeiden Wohin mit den Altkleidern?
Der Kleiderschrank ist ausgemistet, die Tüte steht bereit und dann kommt die Unsicherheit: Darf das alles in den Altkleidercontainer oder muss es doch in den Restmüll?
Transportwege: Wohin geht die Ware nach der Rückgabe?
Wir haben in zehn der abgegebenen Textilien Tracker angebracht und dann ihren Weg über mehr als drei Monate lang verfolgt. Die Teile legten zusammen rund 50.000 Kilometer zurück und landeten unter anderem im Libanon, in der Türkei und in der Ukraine bei Second-Hand-Händlern.
Die Kleidung fand damit ihren Weg tatsächlich in den globalen Altkleidermarkt, aber das mit großen Transportwegen verbunden.
„Wenn ein Unternehmen wie H&M die Textilien zurücknimmt, dann gehen die eigentlich auch den üblichen Weg der Textilverwertung. Das heißt, H&M verwertet sie nicht selbst, sondern gibt sie wieder weiter an andere Unternehmen“, weiß Philip Heldt von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen aus der Praxis.
In unseren Fällen in ärmere Länder. Der Markt in den reichen Ländern sei „hemmungslos übersättigt“ so Heldt.
Wie schneidet H&M als Arbeitgeber bei Mitarbeitern ab?
Auf der Online-Plattform von kununu können Mitarbeiter ihre Arbeitgeber bewerten. Das haben auch bereits rund 1.500 Mitarbeiter von H&M getan. Sie haben 3,2 von 5 möglichen Punkten vergeben, so das aktuelle Bild.
Das ist ein durchschnittlicher Wert, sagt Dario Wilding von kununu. „Aktuell ist lediglich Primark mit einem Score von 3,6 über dem von H&M. Die Mitbewerber wie C&A, Uniqlo oder Zara schneiden teilweise sogar deutlich schlechter ab von Scores bis zu 2,6“, ordnete er Stimmungsbild ein.
Positiv hervorgehoben werden von H&M-Mitarbeitern der Teamzusammenhalt, die Gleichberechtigung und der Umgang miteinander. „Also vor allem das Zwischenmenschliche“, so Wilding. Minuspunkte gibt es bei der Work-Life-Balance, dem Vorgesetzten-Verhalten oder den Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Verdi begrüßte uns gegenüber, dass H&M tarifgebunden ist und tarifliche Löhne zahlt.
Doch beim Umgang mit den gekündigten Mitarbeitern bei einer kürzlichen Filialschließung gab es von der Gewerkschaft Kritik an den Verhandlungen zum Sozialplan.
Fazit: Was steckt hinter den Fast-Fashion-Textilien?
Beim Preis kann sich Vergleichen richtig lohnen: In unserer Stichprobe waren 60 Prozent der Artikel in der Filiale günstiger als online. Und ist der Onlinepreis niedriger, lohnt es sich, an der Kasse nachzufragen.
Bei der Verarbeitung wie Nähten und Säumen ist Luft nach oben. Daher sah das kleine Schwarze von H&M für die Expertinnen nicht wertig aus. Dem 40-Kilogramm-Belastungstest hielt die Jeans des Moderiesen locker stand.
Gebrauchte Kleidung kann unkompliziert zurückgegeben werden. Sie legt aber enorme Wege zurück, bis sie in den Second-Hand-Kreislauf gelangt.
Als Arbeitgeber zeigt H&M zwei Seiten: guter Teamzusammenhalt und Tarifbindung auf der einen Seite. Kritik am Umgang mit Beschäftigten bei einer Filialschließung auf der anderen.