Möbelhändler im Check

Wie gut ist Ikea – bei Preis, Leistung, Qualität, Service?

Ikea ist Möbelhändler Nummer 1, wirbt mit guter Qualität zum kleinen Preis. Ist Ikea günstiger als die Konkurrenz? Geht der Aufbau jetzt schneller? Und was ist mit Giftstoffen?

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Von Autor/in Martin Küstermann, Moritz Hartnagel

Fast eine Million Kundinnen und Kunden besuchen jedes Jahr einen von mehr als 60 Ikea-Standorten in Deutschland. Aber ist der Möbelriese wirklich günstiger als die Konkurrenten Roller, Poco oder Mömax?

Ikea hat ein Möbelstück angekündigt, das angeblich ganz ohne Werkzeug aufgebaut werden kann. ARD Marktcheck testet, ob das funktioniert.

In der Vergangenheit gab es bei Möbeln Probleme mit Giftstoffen wie Formaldehyd. Die ARD Verbraucher-Redaktion lässt im Labor prüfen, wie das inzwischen aussieht.

Wie gut ist Ikea? Qualität, Marketing, Nachhaltigkeit

Ikea-Möbel früher versus heute: Wir checken, wie sich die Qualität von Billy, Pax, Ivar & Co. im Laufe der Zeit verändert hat. Außerdem: Herkunft des Holzes und Schadstoffe.

Pax, ein Schrank ohne Schrauben – klappt der Aufbau wirklich schneller?

Es gehört seit Jahrzehnten zum Geschäftsmodell von Ikea, dass die Kunden ihre Möbel nicht nur selbst abholen, sondern auch zu Hause selbst aufbauen. So ist Ikea groß geworden.

Aber Ikea-Kunden wissen, anstrengend und teilweise nervig ist der Aufbau manchmal. Deshalb hat Ikea den bekannten Pax-Schrank neu aufgelegt - mit einem Stecksystem. Das Unternehmen verspricht: Der Aufbau geht viel schneller, dauert nur 20 Minuten und das Ganze funktioniert sogar ohne Werkzeug.

Vier Tester haben für Marktcheck den neuen Pax aufgebaut - vier Mitglieder eines Sportvereins traten dafür gegeneinander an. Einer hat es tatsächlich in weniger als 20 Minuten geschafft, die anderen brauchten aber um die 30 Minuten.

Ikeas Werbeversprechen ist eher nur die halbe Wahrheit, denn das Stecksystem gibt es nur für den Korpus des Schranks. Für das Zubehör - also zum Beispiel die Türen oder Schubladen - braucht man nämlich nach wie vor Schrauben, Werkzeug - und auch Zeit. Damit waren die Tester doppelt so lang beschäftigt wie mit dem neuen Korpus.

Ikea Möbel im Labor: Wie man sich vor Schadstoffen schützen kann

Man kennt das: Nach dem Auspacken riechen Möbel oft ziemlich intensiv. Diese Ausdünstungen können zum Beispiel von Klebstoffen im Holz oder Lösungsmitteln stammen, die in der Produktion verwendet werden.

In den 1990er Jahren musste Ikea den Verkauf des Regalsystems „Billy“ kurzfristig vorübergehend einstellen, weil es größere Mengen Formaldehyd ausgedünstet hatte. Solche Ausdünstungen können in hohen Konzentrationen gesundheitsschädlich sein.

Gerade bei Möbeln fürs Wohn- oder Schlafzimmer ist das ein Problem, denn in diesen Räumen hält man sich täglich am längsten auf. In sogenannten Prüfkammern im Labor wurde deshalb untersucht, wie viel Schadstoffe Möbel von Ikea an die Raumluft abgeben.

Getestet wurden zwei Schränke aus den Modellreihen Pax und Kleppstad, ein Friheten-Eckbettsofa sowie das Boxspringbett Säbövik. Die ARD Verbraucher-Redaktion lässt im Labor auf das Lösungsmittel Dimethylformamid untersuchen. Es kann eine Gefahr für die Fortpflanzungsfähigkeit sein.

Die Klebstoffe im Holz werden auf Aldehyde getestet. Diese können unter anderem zu Schleimhautreizungen sowie Vergiftungen führen.

Die gute Nachricht: Kein Möbel hat hier gesetzliche Grenzwerte überschritten. Bei zwei Proben waren aber die Emissionen von Formaldehyd und Hexanal in den ersten drei Tagen erhöht.

Ikea teilt auf Nachfrage der ARD Verbraucher-Redaktion mit: „Verschiedene Produkttypen werden regelmäßig durch Emissionskammer-Tests überprüft. […] IKEA hat zwar keine spezifische Vorgabe für die erhöhte Aldehydausprägung von Hexanal, dennoch wird es als Teil der Gesamtemissionen flüchtiger organischer Verbindungen berücksichtigt. […] wir betrachten dies als eine natürliche Emission von Holzfasermaterial.“

Eine Probe war besonders auffällig, deshalb wurde hier in einem Langzeittest noch genauer geprüft. Nach weiteren 28 Tagen konnte aber Entwarnung gegeben werden.

Die Ausdünstungen sind über den längeren Zeitraum deutlich zurückgegangen. Das heißt, nach etwa vier Wochen klingen die Ausdünstungen ab. Auch die Grenzwerte wurden insgesamt eingehalten.

Heidrun Hofmann vom Bremer Umweltinstitut sagt dazu: „Das ist ein gutes Zeichen. Das heißt, wenn der Schrank länger steht, dann werden im Laufe der Zeit die Emissionen immer niedriger.“

Das Laborergebnis zeigt: In der ersten Zeit nach dem Auspacken sollte in den Räumen mit neuen Möbeln wegen der restlichen Schadstoffe gut gelüftet werden, um auf der sicheren Seite zu sein.

Kulanz: Wie die Rückgabe von Ikea-Möbeln klappt

Ikea verspricht, dass Kundinnen und Kunden alle Möbel ein Jahr lang in jeder beliebigen Filiale zurückgeben können. Aber im Check der ARD Verbraucher-Redaktion in drei Filialen gab es Unterschiede, die nicht so richtig zu erklären waren.

In einer Filiale konnte das Team zum Beispiel einen wieder auseinandergebauten Schrank nicht zurückgeben, in der nächsten aber schon. In einer anderen Filiale wiederum war man besonders kulant - dort wurde für ein Regal mit Transportschaden sogar ein Gutschein über den vollen Kaufpreis ausgegeben.

Ikea sagte hierzu, dass in den Einrichtungshäusern die Abwicklung individuell erfolge. Und es daher unterschiedliche Rückgabeerfahrungen geben könne.  

Insgesamt war Ikea bei der Rückgabe aber durchaus kulant. Das Unternehmen könnte aber noch an der Einheitlichkeit der Bedingungen arbeiten. 

Auf der sicheren Seite scheint man übrigens zu sein, wenn man genug Platz im Auto hat. Denn komplett montierte Möbel wurde das ARD Marktcheck-Team in jeder Filiale ohne Probleme los. 

Preise bei Ikea im Vergleich zur Konkurrenz - wer ist günstiger?

Die ARD Verbraucher-Redaktion hat vergleichbare Gegenstände wie ein Regal, Kleiderbügel oder einen Stuhl bei den Möbelhändlern Roller, Mömax, Poco und Ikea gekauft.

Ergebnis: Am teuersten waren die Möbel bei Roller mit 115,14 Euro. Danach folgt mit 94,83 Euro Mömax. Etwas günstiger: Poco mit 91,33 Euro. Und tatsächlich waren die Produkte dieser Stichprobe bei Ikea am günstigsten - für 83,35 Euro. 

Einige Zeit später hat ARD Marktcheck die Zahlen nochmal gecheckt. Mittlerweile hat Poco die Preise gesenkt und ist am günstigsten. Dennoch ist Ikea immer noch auf Platz 2.

Professor Karsten Kilian, Experte für Marken- und Medienmanagement, erklärt das so: "Ikea ist der größte Möbelhändler, und damit haben sie diese Größeneffekte. Sie kaufen mehr ein, sie haben größere Stückzahlen, deshalb einfach niedrigere Kosten - und können diese Kosten als Marktführer an ihre Kunden weitergeben."

Wie bei Ikea alles anfing

Der Möbelkonzern ist über 80 Jahre alt, wurde 1943 in einem Dorf im Süden Schwedens gegründet - von Ingvar Kamprad. Der Firmenname setzt sich zusammen aus den Anfangsbuchstaben Ingvar Kamprad aus Elmtaryd in Agunnaryd. Also dem Namen des Gründers, des Hofs und des Dorfs, aus dem er stammt.

1958 wird das erste Einrichtungshaus in Älmhult in Schweden eröffnet. Anfangs bot Ikea vor allem günstige Haushaltswaren an. 1974 eröffnet der erste deutsche Ikea-Markt im Münchner Vorort Eching. Das Erfolgsgeheimnis von Ikea: Die Möbel waren günstiger als bei der Konkurrenz, dafür verlangte Ikea von den Kunden, die Möbel selbst zuhause zusammenzubauen – damals ein Novum.

1979 werden das legendäre Billy-Regal und das Sofa Klippan eingeführt. Übrigens: Badezimmer-Artikel sind bei Ikea nach schwedischen Seen oder Flüssen benannt. Gardinen bekommen immer Frauennamen. Und Sofas, Stühle oder Couchtische tragen schwedische Ortsnamen.

In den 1990er Jahren expandiert Ikea in die ganze Welt. Heute kann man in mehr als 40 Ländern Ikea-Möbel kaufen. Fast 170.000 Menschen arbeiten für die Möbelhauskette.

Gründer Ingvar Kamprad starb 2018 im Alter von 91 Jahren. Vier Jahre vorher war er vom Schwedischen Tagblatt zum besten schwedischen Unternehmer aller Zeiten gekürt worden.

Was die wenigsten wissen: Der offizielle Firmensitz ist gar nicht in Schweden. Denn Ikea gehört inzwischen einer Stiftung, die ihren Sitz in den Niederlanden hat.

Das Fazit in diesem Check:

  • In Sachen Fairness bemüht sich Ikea beim Umweltschutz, indem FSC-zertifiziertes Holz verwendet wird. Doch was dahintersteckt, ist für den Verbraucher nicht immer klar.
  • Ikea bietet überwiegend ordentliche Qualität. In Punkto Schadstoffe könnte das Unternehmen noch besser werden.
  • Mit seinem Marketing setzt Ikea voll auf das Schweden-Image – und kommt damit bei den Kunden gut an. In den Filialen werden viele zu Spontankäufen verlockt.
  • Der Service funktioniert in der Stichprobe der ARD Verbraucher-Redaktion gut, die Rückgabebedingungen waren allerdings zum Teil schwer durchschaubar.
  • Die Preise bei Ikea sind niedrig. Viele Produkte sind hier günstiger als bei der Konkurrenz.

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