Nicht nur die vielen Krisen in der Welt sorgen für steigende Energiepreise. Ein Grund ist auch die geplante Wärmewende, die die erneuerbaren Energien weiter fördern soll. Neben Wärmepumpen will Deutschland dabei auch auf Fernwärme setzen.
Bis Ende Juni sollen darum alle Städte über 100.000 Einwohner einen kommunalen Wärmeplan vorlegen, um den CO2-Ausstoß weiter zu reduzieren. Das Fernwärmenetz muss dafür vor allem in den Ballungsgebieten ausgebaut werden. Rund 15 Prozent der Haushalte (ca. 7,5 Millionen) heizen bereits mit Fernwärme. Oftmals nachhaltig mit Abwärme aus Industrieunternehmen und Müllverbrennungsanlagen. Mit überschüssiger Energie, die über unterirdische Rohre in die Haushalte geliefert wird. Doch die Fernwärme ist zurzeit die teuerste Heizquelle.
Explodierende Fernwärme-Kosten
Volker Seifert aus Wadgassen bei Saarbrücken hatte für seinen Fernwärmeanschluss seines Eigenheims 2023 noch jährlich 2.560 Euro Heizkosten. 2025 waren es schon 4.938 Euro. Und ein Ende ist nicht abzusehen. Der Fernwärme-Anbieter FVS gehört zu Steag Iqony und begründet das unter anderem mit Steuern, Abgaben und Umlagen sowie steigenden Investitionen und hohen Kosten für Personal und Dienstleistungen.
Aber auch mit der befristet gesenkten Mehrwertsteuer für Gas und Fernwärme, die 2024 wieder von sieben auf 19 Prozent erhöht wurde. Auch Mieter wie die Rentnerin Carola Marschner aus dem saarländischen Wallerfangen sind betroffen: Statt rund 80 Euro an monatlichen Heizkosten muss sie jetzt gut 150 Euro bezahlen.
Quasi Monopole der Fernwärme-Versorger
Gregor Hermanni von der Verbraucherzentrale NRW beklagt, dass man als Kunde gar keine Wechselmöglichkeit wie bei Strom- und Gasanbietern hat. Lokal gibt es meist nur ein Fernwärmeversorgungsunternehmen, also keinen Wettbewerb. Aufsichtsbehörden und Schlichtungsstellen wie für Gas und Strom sind ebenfalls nicht vorhanden. Das für Fernwärme zuständige Kartellamt reicht nach Ansicht von Verbraucherschützern überhaupt nicht aus.
Transparentere Kosten gefordert
Sogenannte Fernwärme-Preisänderungsklauseln, die innerhalb einer Vertragszeit zu Erhöhungen führen können, sind sehr kompliziert und für den Verbraucher kaum zu verstehen. Deswegen haben bundesweit rund 6.500 Kunden mit Hilfe des Bundesverbandes Verbraucherzentrale eine Sammelklage gegen E.ON eingereicht.
Noch können sich weitere Betroffene der Klage anschließen, da die 1. Anhörung erst im August stattfindet. Laut Bundeswirtschaftsunternehmen plant man aktuell eine Überarbeitung des Markt- und Rechtsrahmens und der Fördermaßnahmen für den Ausbau von Fernwärmenetzen. Doch ob das in Zukunft für faire und transparente Preise für Kunden und Mieter sorgen wird, bleibt fraglich.