Der Ansturm auf das glänzende Edelmetall ist seit einiger Zeit riesig. Die Preise für Gold und Silber variieren stark. Sie hängen von vielen Faktoren ab, die sich minütlich an der Börse ändern können.
Grob ist aber für jeden Geldbeutel etwas dabei. Wie funktioniert der Kauf von Edelmetallen?
Gold kaufen – in welcher Form: Barren, Münzen?
Zu erkennen ist Gold in seiner Reinform an der 999,9 Promille-Prägung auf den Barren. Edelmetall-Experte Thomas Wirtherle von Degussa, einem der größten deutschen Goldhändler, erklärt: "Am meisten gekauft ist der 20-Gramm-Goldbarren, der Ein-Unzen-Goldbarren und im Bereich der Anlage Münzen ist es der Krügerrand."
Eine Feinunze - abgekürzt oz - ist die gängige Gewichtseinheit für Gold und genau 31,1 Gramm schwer. Diesen Feingoldgehalt haben auch viele Münzen wie der Krügerrand.
Als Geschenk eignen sich Kleinstbarren mit 0,5 Gramm Feingold - kaum größer als ein Fingernagel, für etwa 85 Euro. Alles, was schwerer wiegt, gilt als Einstiegsinvestition: 20-Gramm-Barren kosten etwa 2.900 Euro und für Münzen mit einer Feinunze Goldanteil werden mehr als 4.400 Euro fällig.
Für fortgeschrittene Investitionen eignen sich größere Barren. 100 Gramm kosten dann allerdings schon mehr als 14.500 Euro, 250 Gramm rund 36.100 Euro und ein Kilo etwa 144.000 Euro.
Welche Zusatzkosten beim Goldkauf hinzukommen
Der Händleraufschlag für den Kauf von Gold kann je nach Anbieter zwischen 0,5 Prozent bei schweren Barren und bis zu 25 Prozent bei Kleinbarren betragen. Thomas Wirtherle, Direktor Mitteleuropa bei Degussa, sagt: "Als grobe Grundregel gilt, je höhergewichtiger der Barren, umso effizienter ist die Anlage."
Bei Käufen ab 2.000 Euro müssen Kunden sich seit einigen Jahren ausweisen. Anonyme Barzahlungen werden so vermieden. Bei Verdacht auf Geldwäsche kann der Händler dann dokumentieren, wer das Gold gekauft hat.
Warum die Nachfrage nach Gold extrem steigt
Auch Thomas Wirthele konnte sich in den letzten Wochen vor Kaufanfragen kaum retten. Kunden können bei seinem Unternehmen auch im Webshop Barren und Münzen erwerben und sie dann in der Niederlassung abholen. „Da gab es jetzt etwas längere Lieferzeiten.“
Die starke Entwicklung des Goldpreises hat viele private Anleger gelockt. Innerhalb von zwei Jahren hat sich sein Preis von etwas mehr als 1.700 Euro je Feinunze auf fast 4.300 Euro erhöht. Ein Zuwachs um rund 148 Prozent.
Hintergrund der Rallye Goldpreis auf Rekordhoch: Warum Gold immer teurer wird
Seit Langem steigt der Preis von Gold. Was sind die Gründe dafür - und welche Risiken birgt Gold als Anlageform? Ein Überblick.
Die Steuern: Bei Silber anders als bei Gold
Auch Silber wird bei Anlegern auf Grund des Kursanstiegs beliebter. Hier gibt es aber beim Kauf einen Nachteil gegenüber Gold.
Thomas Wirtherle, Direktor Mitteleuropa Degussa, erklärt: "Anlagegold ist in Deutschland mehrwertsteuerfrei. Beim Silber müssen die Anleger berücksichtigen, dass der Kauf von physischem Silber mehrwertsteuerpflichtig ist."
Edelmetalle aufbewahren: Kosten für die Sicherheit
Wer Gold oder Silber kauft, sollte es auch sicher aufbewahren. Goldhändler, aber auch Banken und Sparkassen bieten Schließfächer an. Doch das kostet: Ein kleines Schließfach etwa 50 Euro pro Jahr, bei höheren Vermögenswerten werden die Gebühren anteilig von deren Wert berechnet.
Bis zu einer bestimmten Summe sind die Wertsachen dort über die eigene Hausratversicherung oder eine extra Schließfachversicherung versichert. Übersteigt der Wert aber die Versicherungssumme – etwa, weil im Laufe der Zeit der Goldpreis gestiegen ist - sollte man diese anpassen.
Thomas Wirtherle, Direktor Mitteleuropa Degussa, rät: "Das bedeutet, es lohnt sich, regelmäßig zu schauen, ist das Schließfach noch entsprechend versichert. Wenn der Goldpreis über eine gewisse Zeit um 30 Prozent gestiegen ist, kann man aber auch problemlos die Versicherungssumme nachziehen."
Das Gold zuhause aufzubewahren ist riskant. Manche Hausratversicherungen verlangen ab einem bestimmten Wert bei der Aufbewahrung im Haus einen Tresor.
Finanzexpertin Barbara Sternberger-Frey weist darauf hin, dass es auch Kassetten gibt, in denen man in gewissem Umfang Dokumente und Wertsachen feuer- und wasserfest aufbewahren kann.
Auch die Aufbewahrung ist also ein Faktor für zusätzliche Kosten, über die man sich beim Kauf von physischem Gold im Klaren sein muss. Nicht zuletzt, so die Finanzexpertin, werden auch beim späteren Verkauf von Gold wiederum Abschläge fällig, die den Gewinn am Ende schmälern.
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ETCs kaufen statt physischem Gold
Bei Exchange Traded Commodities, kurz ETCs, handelt es sich um Schuldverschreibungen, die sich an der Wertentwicklung von Rohstoffen – unter anderem auch Gold – orientieren. Bei manchen ETCs wird ihr Wert mit physischem Gold hinterlegt.
„Von daher hält sich das Ausfallrisiko in Grenzen“, erklärt Finanzexpertin Barbara Sternberger-Frey. Anleger sollten sich jedoch zusichern lassen, dass das Gold auch ausgehändigt werden kann. „Das hat zur Folge, dass das Gold nach einem Jahr oder später ohne Anrechnung von Abgeltungssteuer verkauft werden kann.“
ETCs kaufen kann man wie Aktien etwa bei Banken oder Onlinebrokern. Goldanlagen und die besten ETCs wurden gerade von der Stiftung Warentest geprüft.