Saidi Sulilatu ist Chefredakteur von Finanztip. Er erklärt, warum sich die Steuererklärung für viele lohnt.
Steuererklärung nicht aufschieben und Geld zurück bekommen
SWR1: Die Steuererklärung schiebt man gerne auf. Diese ganzen Quittungen zu sortieren, macht auch keinen Spaß.
Saidi Sulilatu: Ja, das kann ich total verstehen, dass sich die Steuererklärung so ein bisschen so anfühlt, wie ein Zahnarztbesuch, den man auch gerne aufschiebt. Aber in der Tat sollte man es nicht aufschieben, vor allem dann nicht, wenn man zum 31. Juli nicht abgeben muss.
Das Finanzamt fordert einen dann zur Abgabe auf, wenn es vermutet, dass man vielleicht was nachzahlen muss. Aber wenn man wahrscheinlich was rausbekommt, fordert einen das Finanzamt nicht dazu auf.
Deswegen sollte wirklich jeder und jede eine Steuererklärung abgeben, insbesondere dann, wenn man nicht muss. Denn dann bekomme ich wahrscheinlich was raus.
Vor allem verschenken wir Geld, wenn wir eben nicht abgeben.
Diese Kosten sind besonders wichtig bei der Steuererklärung
SWR1: Wir verschenken möglicherweise jedes Jahr viel Geld, weil wir Sachen nicht angeben. Was wird da oft übersehen?
Sulilatu: Vor allem verschenken wir Geld, wenn wir eben nicht abgeben, denn im Schnitt gibt es über 1.200 Euro zurück. Wir haben mal geschätzt, dass allein etwa zwölf Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer überhaupt keine Steuererklärung machen, weil sie nicht verpflichtet sind. Und damit verschenken sie wahrscheinlich in aller Regel mindestens mal ein paar hundert Euro. Das ist schon ein sehr guter Stundenlohn.
Es wird dann oftmals übersehen, dass man nicht jede Quittung nochmal angeben muss, sondern vor allen Dingen sich auf die großen Posten konzentrieren muss. Wenn ich zum Beispiel einen neuen Schreibtisch gekauft habe. Meine Entfernungspauschale oder die Kindererziehungskosten sind aber die Dinge, die wirklich viel ausmachen und mir dann drei- oder sogar vierstellig etwas einbringen.
Bares Geld sparen Last-Minute-Tipps zur Steuererklärung
Am 31. Juli ist der Abgabetermin für die Steuererklärung. Zuhause stapeln sich Rechnungen und Belege? Wir machen es Ihnen leichter und geben Tipps, wie Sie Geld sparen können.
Wie hilfreich ist KI bei der Steuererklärung?
SWR1: Überall hilft uns schon KI. Ist sie auch gut bei der Steuererklärung?
Sulilatu: Da wäre ich noch vorsichtig. Ich kann vielleicht schon einzelne Fragen der KI stellen, wie ich jetzt was einzutragen habe. Das würde ich mich aber dann auch immer rückversichern lassen. Mir von der KI eine Quelle geben lassen für die jeweilige Information und dann in dieser Quelle nachlesen.
Aber vor allen Dingen würde ich eine gute Steuersoftware benutzen. Die kann dann schon mal ein paar Euro kosten. Aber das lohnt sich angesichts dessen, dass ich damit, wie gesagt, ein paar hundert oder sogar vielleicht über tausend Euro raushole.
SWR1: Können Sie welche nennen, die empfehlenswert sind?
Sulilatu: Der Klassiker ist die WISO-Steuer-App. Die haben wir gut getestet bei Finanztip. Oder auch sehr empfehlenswert ist tatsächlich die Steuererklärung von Check24. Die ist sogar kostenlos und auch wirklich solide, gerade für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
Warum es sich lohnt, die Steuererklärung selbst zu machen
SWR1: Ab wann empfehlen Sie Steuerbüros oder Lohnsteuerhilfevereine? Also, dass man die Steuer nicht selbst machen muss?
Sulilatu: Ich würde es andersherum formulieren (...), dass die allermeisten Leute das wirklich selbst machen können. Nicht nur Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, natürlich auch Rentnerinnen und Rentner.
Auch die meisten Selbstständigen, die jetzt, sage ich mal, solo-selbstständig sind oder noch einen sehr überschaubaren Betrieb haben, können das mit einer guten Steuersoftware eben sehr gut machen und sich damit wahrscheinlich schon einen dreistelligen Betrag sparen im Vergleich zum Steuerberater.
Klar, wenn ich dann eine größere Firma habe oder mich einfach mit den Firmenangelegenheiten nicht auseinandersetzen will, dann ist wahrscheinlich ein Steuerberater eine gute Idee.