Kinderarzt: Warum sind die ersten 1000 Tage für Babys so wichtig?
Die ersten 1000 Tage im Leben eines Kindes seien mit entscheidend für die Gesundheit und das Thema Übergewicht. In dieser Zeit werden sozusagen die Funktionen der Gene mit geprägt, so Prof Dr Jörg Dötsch. Aber natürlich geht es auch darum, was die Umwelt und die Ernährungs-Methoden der Umwelt nahebringen.
Wir gehen davon aus, dass es etwa bis zum Ende des zweiten Lebensjahres die Zeit ist, in der am meisten Prägung im Hinblick auf die Veranlagung zu Übergewicht entsteht.
In dieser Zeit findet die größte Entwicklung des Körpers statt. Die Zellen teilen sich am häufigsten. Bei dieser Entwicklung kann man sich folgendes gut vorstellen. Dass diese sich permanent teilenden Zellen natürlich jedem Einfluss, der von außen stattfindet, ganz besonders gehorchen. Und vor allen Dingen diesen Einfluss dann wieder an die Zellen, die aus ihnen entstanden sind, weitergeben, erläutert Kinderarzt Prof. Dr. Jörg Dötsch.
Bewegung ist außerdem ein wichtiger Punkt. Dabei sei wichitg, dass die Kinder auch selbst herausfinden dürfen, was ihnen am meisten Spaß macht.
Man kann nicht sagen, du wirst jetzt im Leichtathletikverein angemeldet oder im Turnverein. Das machst du jetzt, weil das vielleicht schon dein Bruder gemacht hat oder deine Schwester [...]. Sondern es ist ganz wichtig, da auf einem spielerischen Weg herauszufinden, was passt eigentlich zu dem Kind.
Prof. Dr. Dötsch: Gesund aufwachsen - die ersten 10 Jahre entscheidend
Neben den ersten 1000 Tagen ist auch die Zeit bis zum zehnten Lebensjahr sehr wichtig. Prof. Dr. Jörg Dötsch begründet, dass bis zum zehnten Lebensjahr viel Einfluss auf die Kinder möglich sei. Dabei ginge es neben der körperlichen Entwicklung umso mehr auch um seelische - mentale - Entwicklung.
Grundsätzlich beobachtet der Kinderarzt, dass viele Menschen glauben, dass man für Kinder alles vorplanen müsse.
Wir haben den Klavierunterricht, wir haben dann den Sportunterricht und abends vielleicht noch die Elterngruppe. Die dann alles noch mal durchdiskutiert. Nein, das ist sicherlich nicht der richtige Weg. Kinder brauchen Freiheit, Kinder brauchen auch die Möglichkeit, sich zu entwickeln.
Pädagogik Der Kindheitsforscher Remo Largo – Gelassen die Kleinen beim Lernen begleiten
"Babyjahre" oder "Kinderjahre": Mit seinen Erziehungs-Ratgebern hat der Schweizer Kindheitsforschers Remo Largo (1943 - 2020) viele Eltern begleitet.
Übergewicht und Corona: Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche
Nach der Pandemie sehe man weiterhin Phänomene, die sich in der Corona-Zeit entwickelt haben. Dabei spricht Prof Dr. Jörg Dötsch vor allem von Essstörungen, die nach wie vor anhaltend sind. Adipositas bei Kindern ist ein relevantes Thema.
Was etwas abgenommen hat, ist die Ängstlichkeit, die Angststörung. Auch die Depressionen sind etwas zurückgegangen. Aber insgesamt kommt Ängstlichkeit noch mal leichter wieder, wenn wieder eine neue Krise kommt.
Adipositas: Kinderarzt zu Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen
Grundsätzlich könne man vor der Geburt eines Kindes schon viel zur Vorbeugung von Übergewicht tun. Beispielsweise, wenn die Schwangere nicht zu viel an Gewicht zunimmt. Später sollte darauf geachtet werden, dass man vor allem nicht zu stark Dinge in die Nahrung einführt, aus denen Fettgewebe gebaut wird. Stichwort Zucker.
Der Körper ist darauf ausgerichtet, Zucker zu Fetten umzubauen. Für schlechte Zeiten, [...] aber in der heutigen Zeit, wo wir keine Hungerzeiten mehr haben, [...] da baut man dann durch den Zucker Fett auf und wird im Laufe der Zeit übergewichtig, das sollte man verhindern.
Kinder Gesundheit - unsere Zukunft
Die Gesundheit unserer Kinder liegt Prof. Dr. Jörg Dötsch, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Uniklinik in Köln, am Herzen. Und das nicht nur in seiner täglichen Arbeit als Kinderarzt. Auch, weil er überzeugt ist, dass die Gesundheit unserer Kinder von heute die Gesellschaft von morgen entscheidend beeinflusst. Er ist selbst Vater von drei Kindern.
Die Gesundheit der 14,3 Millionen Kinder und Jugendlichen in Deutschland beeinflusst ihre soziale und wirtschaftliche Teilhabe und bildet damit eine Grundlage für eine resiliente, zukunftsfähige Gesellschaft.
Geburtenrate: Ist es noch eine gute Zeit Kinder zu bekommen?
Die Geburtenrate liegt aktuell in Gesamtdeutschland bei 1,35 Geburten. Und sie sinkt - bis auf einem kleinen Miniausreißer 2021 während der Pandemie - wieder kontinuierlich ab. Prof. Dr Jörg Dötsch ist der Ansicht, dass es auf der einen Seite richtig und wichtig für die Gesellschaft sei, Lebensmodelle ohne Kinder zu haben, die gut funktionieren. Auf der anderen Seite aber auch die Menschen unterstützt werden sollten, die Kinden bekommen wollen.
Umfragen würden zeigen, dass der durchschnittliche Kinderwunsch erheblich höher ist als der realisierte Wunsch. Zu dieser Unterstützung gehöre die allgemeine Einstellung, aber auch die Medizin, eine gute Versorgungssituation also auch der Optimismus dazu, dass Krisen gemeistert werden können.
Es ist ganz wichtig, den Fokus darauf zu richten, dass es ein wunderbares gesellschaftliches und familiäres Erlebnis ist, Kinder zu haben und dass sie das Leben unglaublich bereichern.
Kinderarzt-Mangel: Überlastung von Kinderkliniken
Für ein gutes Gefühl beim Kinder bekommen, sei auch eine gute medizinische Versorgung für Kinder wichtig. Dabei sei zu bedenken, dass Deutschalnd zu wenig Kinderkliniken hat: Es gebe etwa 1.700 KIlinken, in denen Erwachsene betreut werden und in ca 1.100 davon würden beispielweise Wirbelsäuleneingriffe gemacht. Im Gegensatz dazu 300 Kinderklinken. Allein daran sehe man schon die enorme Diskrepanz im Hinblick auf die Versorgungssituation von Kindern.
Prof. Dr. Jörg Dötsch war bis 2023 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Diese hat in 2024 Alarm geschlagen aufgrund der Zustände und Überlastung in den Kinderkliniken. Die Situation im Sommer Mitte 2025 scheine entspannt und weitgehend in Ordnung. Aber die Gefahr einer Überlastung sei weiterhin da, so Prof. Dr. Jörg Dötsch.
Immer dann, wenn große Infektwellen kommen; und die können immer wieder kommen und es wird auch die nächste Pandemie kommen; dann ist die Gefahr, dass es zu einer Überlastung kommt. Beispiel: Wenn die Kinder in der Corona Zeit genauso krank geworden wären wie die Erwachsenen, dann wären die Kinder Intensivstationen um ein Zehnfaches überlastet gewesen.