Für viele Menschen ist Wolfgang Grupp Kult, nicht zuletzt wegen seiner TV-Werbung mit einem Affen als Markenbotschafter. Er gilt als Vorbild, als der starke Mann bei der Burladinger Textilfabrik Trigema, der allen Krisen zum Trotz noch immer in Deutschland produziert.
Grupp ist ein gern gesehener Gast in Talkshows, Diskussionsrunden und Meinungspodien. Einer, der anderen Unternehmern und der Politik Anstand, Kultur und die Tugend des Unternehmertums predigte.
Suizidversuch Wolfgang Grupp
Wolfgang Grupps Suizidversuch im Juli 2025 hat viele überrascht, schockiert und berührt. Und die Erkenntnis gebracht, dass vieles über Wolfgang Grupp nicht bekannt war.
Grupps's Verlust der Lebensaufgabe
Der zentrale Auslöser für seine suizidale Krise, so Wolfgang Grupp, war das plötzlich eintretende Gefühl der Nutzlosigkeit. Für den Unternehmer markierte die Abgabe der eigenen Firma – das "Verschenken" des Lebenswerks – einen radikalen Bruch. Wo vorher das Selbstbild durch das "Immer-gebraucht-Werden" definiert war, entstand über Nacht ein Vakuum. Dieser Kontrast zwischen der früheren Bedeutung und der aktuellen Leere führte zu der schmerzhaften Überzeugung, wertlos geworden zu sein.
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Existenzielle Bedeutung von Zugehörigkeit in Wolfgang Grupps Leben
Grupp ist der Auffassung, dass materieller Erfolg im Alter massiv an Bedeutung verliert.
Das Schönste im Leben ist nicht Geld zu zählen den ganzen Tag, sondern das Gefühl zu haben von anderen noch gebraucht oder gern gesehen zu werden.
Fehlt diese Bestätigung, kann es zu einem psychischen "Aussetzer" kommen, bei dem die eigene Existenz nur noch als Last oder als überflüssig wahrgenommen wird. Grupp bereute seinen Suizidversuch unmittelbar danach, sagt er.
Das gibt’s mal im Leben, dass man einen Aussetzer hat und den hatte ich. Ich habe mir selbst vorgemacht, dass ich wertlos geworden bin. Es war ein gravierender Fehler. Ich habe es sofort bereut. Fehler, die man macht, kann man nicht ungeschehen machen.
Trigema Unternehmensnachfolge als bewusste Entscheidung im Alter
Mit 82 Jahren entschied sich der Unternehmer Wolfgang Grupp Anfang 2024, sein Lebenswerk an die eigenen Kinder zu verschenken. Diese Entscheidung entsprang einer realistischen Einschätzung der eigenen Endlichkeit.
Dass ich ewig lebe, kann ich mir nicht einbilden.
Trotz der Abgabe der Hauptverantwortung sitzt Wolfgang Grupp noch täglich an seinem Schreibtisch, nur wenige Meter von seinen Kindern entfernt. Er ist beratend für seine Firma tätig und die Kinder holen sich diesen Rat auch.
Wir besprechen im Prinzip alles, auch das alltägliche Geschehen. So wie ich zehn Jahre das mit den Kindern machte, machen die das jetzt mit mir.
Was bedeutet Glück für Wolfgang Grupp nach seinem Suizidversuch?
Für den langjährigen Unternehmer ist Glück Zufall. Aber: man könne etwas durch bewusste Entscheidungen zu seinem persönlichen Glück, seinem Lebensverlauf beitragen. Gesunde Ernährung und Fleiß seien Garanten für ein gutes Leben.
Glück ist Zufallsprinzip. Die, die mehr Pech haben, sind zu bedauern. Man trägt viel zu seinem Glück bei. Wenn man weniger Krankheiten hat, kann es auch an einem selbst liegen.
Das Wirken des Ex-Trigema-Chefs in einem Buch Neue Biografie über Wolfgang Grupp behandelt auch Suizidversuch - "Sein Leben hat jetzt eine Narbe"
Autor Volker ter Haseborg hat Wolfgang Grupp oft in Burladingen besucht. Aus intensiven Gesprächen und dem Blick in Fotoalben ist eine Biografie über den Unternehmer entstanden.
Wolfgang Grupp über die Haftung: Der ehrbare Kaufmann und seine Steuermodell Idee
Für Wolfgang Grupp ist das Unternehmertum untrennbar mit persönlicher Verantwortung verbunden. Er kritisiert in SWR1 Leute eine Mentalität, bei der Gewinne privatisiert und Verluste durch Insolvenzen der Allgemeinheit aufgebürdet werden. Er schlägt vor, dass Unternehmen, bei denen die Eigentümer persönlich für Misserfolge haften, steuerlich begünstigt werden.
Sie sind für das, was sie tun, mit ihrem Privatvermögen haftbar. Das zeichnet den ehrbaren Kaufmann aus. Es kann ja nicht sein, dass es heißt: Solange es gut läuft, kassiere ich; läuft es schlecht, mache ich Insolvenz.
Grupps Rechtsverständnis ist simpel: Wer Fehlentscheidungen trifft, muss diese selbst "ausbaden" und darf sie nicht auf Mitarbeiter, Lieferanten oder Kunden abwälzen. Konsequenterweise fordert er steuerliche Begünstigungen für jene, die persönlich haften – meist der Mittelstand.
Den Wandel erkennen: Von Aldi zur Eigenvermarktung
Der Erfolg von Trigema in Burladingen ist für Grupp kein Zufall, sondern das Ergebnis ständiger Wachsamkeit. Während von 26 Textilfabrikanten in seinem Heimatort 25 in den Konkurs gingen, blieb er bestehen, weil er den "Wandel der Zeit" mitmachte. Ein entscheidender Moment war das Ende der Zusammenarbeit mit Aldi, nachdem der Discounter eigene Etiketten und niedrigere Preise forderte.
Eine "PC Quote" – eine Quote einer Mindestanzahl von Computer und Digitalisierung – hält der Unternehmer aber für nicht sinnvoll. Firmen sollten den Wandel mitmachen, ihn aufgezwungen zu bekommen, sei Unsinn.