Das war "Baden-Württemberg wählt - Die Wahlarena"

Live-Blog: Pflege soll "entschlackt" werden (CDU), Bahn muss zuverlässiger werden (AfD, SPD), Berichtspflichten für Unternehmen streichen (Grüne), Aussagen auf dem Prüfstand

Was bewegt BW vor der Landtagswahl? Die Spitzenkandidaten von Grünen, CDU, SPD, FDP, AfD und Linken stellen sich Fragen aus dem Publikum. Ihre Aussagen auf dem Prüfstand.

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Von Autor/in SWR Fakten-Team BW

Die Wahlarena - die Sendung zum Anschauen

"Baden-Württemberg wählt - Die Wahlarena" verpasst? Die ganze Sondersendung zu den sechs Spitzenkandidaten gibt es hier:

Das war unser Live-Blog zur "Wahlarena": Gute Nacht!

Und damit sind wir am Ende unseres Live-Blogs angelangt. Alle geprüften Aussagen der Kandidatinnen und Kandidaten können Sie hier in der jeweiligen "Faktenbasis" nachlesen. Bevor wir uns verabschieden, dürfen wir Ihnen noch einige interessante Informationen aus unserem Angebot rund um die Wahl ans Herz legen:

Wir bedanken uns für Ihr Interesse! Das SWR Fakten-Team BW wünscht eine gute Nacht.

Faktenbasis: Abschiebungen (Frohnmaier)

Markus Frohnmaier (AfD) sagte: "Dann müssen die Verfahren deutlich schneller gehen. Es kann nicht sein, dass beispielsweise die Straftäter von Illerkirchberg - bis die abgeschoben worden sind, das hat sieben Jahre gedauert."

Vom Zeitpunkt der Tat bis zur Abschiebung des letzten der vier Täter sind sechs Jahre und vier Monate vergangen. Ende Oktober 2019 wurde in Illerkirchberg ein 14-jähriges Mädchen von vier Männern unter Drogen gesetzt und mehrfach vergewaltigt. Im März 2021 wurden die Täter rechtskräftig verurteilt und haben ihre Haft angetreten. Der erste wurde 2022 in den Irak abgeschoben. Die anderen drei wurden nach Afghanistan abgeschoben, und zwar einer im August 2024, einer im Juli 2025 und der letzte am Donnerstag. Die Abschiebung dauerte so lange, weil Deutschland Rückführungen nach Afghanistan aufgrund der politischen Lage bis August 2024 ausgesetzt hatte. Auch danach blieben Abschiebungen in das Land kompliziert. Die Rückführung am Donnerstag war nach Angaben des Bundesinnenministeriums der erste Charterflug, der nach einer direkten Vereinbarung mit den islamistischen Taliban zustande kam. Bei vorigen Flügen hatte Katar vermittelt.

Unsere Einschätzung: Es stimmt, dass die Abschiebung der Täter von Illerkirchberg lange gedauert hat – auch die zuständige Landesministerin Marion Gentges (CDU) hat das kritisiert. Bei der Dauer ist Frohnmaier ungenau. Drei der vier Täter sind früher zurückgeführt worden. Beim letzten hat es allerdings sechs Jahre und vier Monate gedauert.

Faktenbasis: Zum "Pull-Faktor" (Ghazaei)

Mersedeh Ghazaei (Linke) sagte: "Und Menschen verlassen nicht freiwillig ihre Heimat. Und unsere Sozialsysteme bezahlen übrigens auch keinen Swimmingpool im Garten. Dieser sogenannte Pull-Faktor, dass Menschen in unsere Sozialsysteme einwandern würden, das ist wissenschaftlich widerlegt."

Die Höhe von Sozialleistungen gilt als nicht mehr entscheidend dafür, in welches Land Menschen einwandern. Die These des Pull-Faktors des US-Demografen Everett S. Lee aus den 1960er Jahren, gilt schon seit einiger Zeit als wissenschaftlich überholt. Das wurde in einer Bundestagsanhörung von Sachverständigen zu dem Thema im April 2024 deutlich. Entscheidender sind neuesten Forschungen zufolge die Frage, wie viele Menschen der eigenen Nationalität in dem Land schon leben, Arbeitsperspektiven und die demokratische Zuverlässigkeit des Landes, in das man einwandern möchte. Die These, dass sogenannte Wohlstandsmagnete, etwa die Attraktivität der Sozialsysteme, für die Migrationsentscheidung ausschlaggebend seien, ist auch nach Einschätzung des deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung wissenschaftlich eindeutig widerlegt.

Unsere Einschätzung: Die Aussage der Linken-Politikerin ist richtig.

Faktenbasis: Meisterprämie (Hagel)

Manuel Hagel (CDU) sagte: "Wenn eine junge Handwerkerin, ein junger Handwerker die Meisterausbildung macht, zahlen die oft zwischen 5.000 und 25.000 Euro. Und das ist eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit zu Lasten unseres Handwerks. (…) Deshalb möchte ich die Meistergebühren abschaffen."

Die Meisterausbildung im Handwerk ist im Gegensatz zum Masterstudium in Baden-Württemberg mit hohen Kosten für Kurs- und Prüfungsgebühren verbunden, oft sind es mehrere tausend Euro. Die von Hagel genannte Zahl von bis zu 25.000 Euro ließ sich nirgends nachweisen. Das Land Baden-Württemberg zahlt schon jetzt einen Zuschuss zu den Gebühren in Form einer "Meisterprämie". Im laufenden Haushalt sind für die Meisterprämie 4,5 Millionen vorgesehen. In ihrem Programm fordert die CDU, die Prämie von 1.500 Euro auf mindestens 3.000 Euro zu erhöhen. Mit seiner Forderung in der Wahlarena geht er darüber hinaus. Das Landesfinanzministerium schätzt, dass eine vollständige Finanzierung der Meisterausbildung im Handwerk zwischen 36 und 54 Millionen Euro im Jahr kosten würde.

Unsere Einschätzung: Hagel hat Recht, die Meisterausbildung ist mit hohen Kosten verbunden, die die Betroffenen selbst tragen müssen. In der Landesregierung könnte Hagel seine Forderung umsetzen und die Meistergebühren abschaffen. Die Regierung müsste sich dann darauf einigen, diese zusätzlichen Mittel zur Verfügung zu stellen.

Faktenbasis: Pflegekosten (Stoch)

Andreas Stoch (SPD) sagte: "Wir haben in Baden-Württemberg eine steigende Anzahl von Menschen, die pflegebedürftig sind. Wir haben allerdings die höchsten Kosten bei der stationären Pflege."

Hat Baden-Württemberg tatsächlich die bundesweit höchsten Heimkosten? Nach einer Auswertung des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) vom Januar 2026 ist der Eigenanteil für Heimbewohnerinnen und -bewohner in ihrem ersten Heimjahr im Schnitt auf 3.532 Euro pro Monat gestiegen. Das sind fast 300 Euro mehr als im Bundesdurchschnitt. Allerdings liegt demnach der Eigenanteil in Bremen, dem Saarland und in Nordrhein-Westfalen noch höher. Im Eigenanteil stecken neben der eigentlichen Pflege unter anderem auch ein Teil für Investitionen im Heim. Deutlich größer als die Steigerung bei den Investitionskosten war aber die Kostensteigerung für das Pflegepersonal.

Unsere Einschätzung: Es stimmt, dass Baden-Württemberg beim Eigenanteil bundesweit in der Spitzengruppe rangiert. Allerdings liegt er in drei Bundesländern noch höher.

Sendung vorbei, SWR Fakten-Team BW prüft weiter

Inzwischen ist die Sendung vorbei. Das SWR Fakten-Team BW arbeitet aber weiter und stellt Aussagen der Spitzenkandidatinnen und Spitzekandidaten auf den Prüfstand. Ziel ist es, unseren Zuschauern und Lesern bei Einordnung und Analyse zu helfen und den Kontext herzustellen, um die Hintergründe zu verstehen.

Hier eine kurze Zusammenfassung zur Sendung:

Bahnverkehr: Wie soll sich die Situation verbessern? Das sagen Linke, SPD und Grüne

Volker Tekolf pendelt regelmäßig von Heilbronn nach Stuttgart. Sein Problem: Oft verspäten sich die Bahnen - oder fallen komplett aus. Auch wegen des erneut verschobenen Starts von S21 macht er sich Sorgen. Er will von der Politik wissen, wie die Zuverlässigkeit im Bahnverkehr verbessert werden kann.

Man brauche einen massiven Ausbau des ÖPNV - besonders im ländlichen Raum, sagt die Spitzenkandidatin der Linken, Ghazaei. Ihre Partei habe sich beim S21-Projekt dafür eingesetzt, dass Gleisfelder "nicht weiter abgebaut werden, um teure Wohnung draufzubauen, sondern dass Schienen erhalten werden." Auch SPD-Spitzenkandidat Stoch sieht Probleme mit der Verlässlichkeit. Man habe Bauphasen bei S21, "in denen Dinge nicht funktionieren. Das ist schlimm, aber wir hoffen ja, dass am Ende das Ganze gut funktioniert." Kritik an S21 kommt auch von Cem Özdemir. "Die Befürworter dürften gerne mal was dazu sagen, wie sie sich das eigentlich vorstellen." Man müsse jetzt dafür sorgen, dass das Projekt funktioniert.

Wie verbessert man die Mobilität? Das sagen FDP, CDU und AfD

FDP-Spitzenkandidat Rülke fordert aufgrund der Pendlererfahrung des Fragenden eine bessere Verbindung zwischen Stuttgart und Heilbronn. Während er zu Özdemir schaut, kritisiert er den grünen Verkehrsminister Winfried Hermann: "Da hat offensichtlich Ihr Freund Hermann zu wenig Kilometer bestellt, deshalb funktioniert es nicht." Rülke meint, dass das Verkehrsministerium die Nachfrage auf der Strecke wohl falsch einschätzt. Um Ausfälle durch das Bauprojekt Stuttgart abzufedern, müsse der Busverkehr gestärkt werden.

CDU-Spitzenkandidat Hagel ist der Ansicht, dass "alle Verkehrsträger" erforderlich sind, also neben Bahnen auch Busse und Rufbussysteme. Er verweist darauf, dass der Verkehrsminister im Land Grüner ist. Er kündigt eine "Planungsoffensive" an, "dass wir mehr Schwung in Planungs- und Genehmigungsverfahren bekommen".

Auch AfD-Spitzenkandidat Frohnmaier möchte mehr Schienenkilometer, aber nicht nur: "Es geht auch um die Zuverlässigkeit der Bahn. Das gehört nämlich auch dazu, dass es häufig zu Störungen kommt." Er war früher selbst Pendler: "Und es war immer ein Drama." Er kritisiert Dieselfahrverbote. Diese würde den Menschen die "Bewegungsgrundlage" entziehen.

Zum Schluss geht es um weitere Themen: Wie will es Hagel Pendlern einfacher machen?

Nachdem Wirtschaft, Gesundheit und Migration schon einige Zeit Thema waren, geht es um weitere wichtige Fragen vor der BW-Landtagswahl. Den Auftakt macht ein Film über Volker Tekolf aus Heilbronn. Der 54-Jährige pendelt für seine Arbeit als Notar-Assistent mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von Heilbronn nach Stuttgart. Normalerweise brauche er von Tür zu Tür etwa eine Stunde und 20 Minuten, sagt Tekolf. Oft genug seien die Züge aber verspätet oder fielen aus. Für ihn bedeutet das, noch länger für seine Strecke zu brauchen. Von der Spitzenkandidaten-Runde will er wissen: "Welche konkreten Maßnahmen haben Sie denn, damit sich die Situation wieder bessert?"

Faktenbasis: Besteuerung von Überstunden (Hagel)

CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel sagte: "Ich möchte zwei Dinge ansprechen. Zum einen, dass wir jetzt mal die fleißigen Leute, die den ganzen Tag arbeiten, einfach einmal arbeiten lassen. Dass zum Beispiel die Überstunde komplett steuerfrei, sozialabgabenfrei wird und wir runterkommen mit einem Entfesselungspaket von Bürokratie."

Laut Koalitionsvertrag plant die schwarz-rote Bundesregierung, Zuschläge für Überstunden künftig steuerfrei zu stellen. Demnach soll die Steuerfreistellung aber nicht für die Grundvergütung der Überstunde gelten. Die Grundvergütung ist der normale Lohn für die geleistete Überstunde. Zuschläge für Mehrarbeit sind ein zusätzlich vereinbarter Aufschlag. Zuschläge für Nachtarbeit, Sonn- und Feiertagsdienste sind bereits jetzt steuerfrei. Wenn Hagel fordert, dass die Überstunde komplett steuerfrei sein soll, geht er über den Koalitionsvertrag der Bundesregierung hinaus.

Unsere Einschätzung: Auf Landesebene kann Hagel an der Besteuerung von Überstunden nichts ändern.

Faktenbasis: Messerattacken (Frohnmaier)

Markus Frohnmaier (AfD) sagte: "Wir haben mittlerweile alle drei Stunden eine Messerattacke in Baden-Württemberg."

Frohnmaiers Aussage, wonach es alle drei Stunden Messerattacken in Baden-Württemberg gebe, ist richtig. Die Gesamtzahl der Messerangriffe wird in der Polizeilichen Kriminalstatistik 2025 aufgeführt. Die Statistik listet in dieser Kategorie 2.880 Messerangriffe auf. Das wären etwa acht pro Tag - also rechnerisch alle drei Stunden. Wichtig zu wissen: Von diesen 2.880 Messerangriffen fanden laut Polizeilicher Kriminalstatistik 1.190 in der Öffentlichkeit statt. Das heißt, weniger als die Hälfte aller Angriffe dieser Art. Die Autoren der Statistik weisen darauf hin, dass vor allem Gewaltdelikte im öffentlichen Raum das Sicherheitsgefühl der Menschen beeinflussen.

Unsere Einschätzung: Berücksichtigt man die Gesamtzahl der Messerangriffe aus dem Jahr 2025, stimmt Frohnmaiers Rechnung.

Grün-schwarze Bilanz: Die Landesregierung BW im Regierungscheck

Am 8. März stimmen die wahlberechtigten Baden-Württembergerinnen und Baden-Württemberger über ihre neue Landesregierung ab. Doch wie hat sich die Koalition aus Grünen und CDU geschlagen, die das Land die vergangenen Jahre regiert hat? Welche Vorhaben aus ihrem Koalitionsvertrag von 2021 haben sie umgesetzt? Welche nicht?

Das hat sich das SWR Data Lab zusammen mit der Uni Leipzig angeschaut.

Faktenbasis: "Gruppenvergewaltigung" (Frohnmaier)

AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier sagte: "Das sind Statistiken, das kann jeder nachlesen. Dass einmal pro Woche eine Gruppenvergewaltigung stattfindet, dann muss man darüber sprechen können und sich die Frage stellen, ob man die richtige Migrationspolitik hier in Baden-Württemberg und in Deutschland gestaltet."

Frohnmaier spricht von einer "Gruppenvergewaltigung" pro Woche. Aktuelle Zahlen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der AfD im vergangenen Jahr geben das nicht her. Die Bundesregierung fasst zwar die Antwort auf diese Anfrage unter dem Titel "Gruppenvergewaltigung" zusammen, in der Antwort verweist sie jedoch darauf, dass die verschiedenen Tatbestände Vergewaltigungen, sexuelle Übergriffe und sexuelle Nötigung durch zwei oder mehrere Täter statistisch gemeinsam erfasst werden. Dafür wertet die Bundesregierung Zahlen aus der polizeilichen Kriminalstatistik aus und gibt für Baden-Württemberg für 2024 39 Fälle von Vergewaltigung, sexueller Übergriff, sexuelle Nötigung an, bei denen Tatverdächtige nicht alleine gehandelt haben.

Das heißt, eine Statistik nur über "Gruppenvergewaltigungen" gibt es nicht. Betrachtet man die Zahl der Fälle von Vergewaltigungen, sexueller Übergriffe und sexueller Nötigung durch zwei oder mehrere Täter, waren es 2024 in Baden-Württemberg 39 - das wäre rein rechnerisch im Jahr alle neun Tage.

Frohnmaier teilt dagegen die Gesamtzahl der Fälle von Vergewaltigungen, sexueller Übergriffe und sexueller Nötigung in Deutschland durch 16 Bundesländer, statt auf die nach Bundesländern aufgeschlüsselte polizeiliche Kriminalstatistik zu schauen.

Unsere Einschätzung: Die Aussage von Frohnmaier, wonach es pro Woche eine "Gruppenvergewaltigung" in Baden-Württemberg gibt, ist falsch.

### Transparenzhinweis: Diese Faktenbasis wurde im Nachhinein präzisiert und ergänzt. Dabei wurde die Zahl der Fälle von ursprünglich 49 auf 39 nach unten korrigiert. ###

Was Sie rund um die Landtagswahl 2026 bewegt

Wir wollten wissen, was Sie rund um die Landtagswahl 2026 bewegt. Ein Teil der Menschen, die sich bei uns deshalb gemeldet haben, sitzt nun hier in der Wahlarena. Über manche Geschichten haben wir aber schon vor der Sendung im TV und Online berichtet. Zuvor hatten wir schon ein paar Geschichten im Blog, hier nun weitere:

Alle Geschichten:

Baden-Württemberg

Ihre Perspektive im Programm Was ist Wählerinnen und Wählern vor der Landtagswahl in BW wichtig?

Wir haben Menschen gesucht, die erzählen, was sie vor der Landtagswahl in BW beschäftigt. Ihre Anliegen haben wir zum Thema gemacht - im TV, Radio, Online und auf Social Media.

Wie kann man die Pflege im Land verbessern? Das sagen FDP, CDU und AfD

Vor allem die sogenannte Landesheimbauverordnung erschwert laut FDP-Spitzenkandidat Rülke die Bedingungen für Pflegeheime. Demnach müssen etwa alle Zweibettzimmer in Einzelzimmer umgewandelt werden und eine Mindestbreite oder Mindestfläche aufweisen. Diese Verordnung habe zu Mehrkosten geführt, die dann in anderen Bereichen wieder eingespart worden sei, so Rülke.

Auch Hagel will die Landesheimbauverordnung "entschlacken". Zudem müsse der Beruf entbürokratisiert werden. Viele Pflegekräfte wollten die Arbeit nicht deshalb mehr machen, weil sie keine Lust hätten, sondern wegen der "ganzen Bürokratie und Dokumentation".

Frohnmaier sagt: "Wir müssen Pflege und Versorgung auch wieder im heimischen Kontext mehr popularisieren." Er will die häusliche Pflege besser bezahlen.

Wie kann man die Pflege im Land verbessern? Das sagen Linke, SPD und Grüne

Pflegedienstleiter Mazlum Oktay fragte die Politiker, wie man die Pflege im Land verbessern kann.

Linken-Spitzenkandidatin Ghazaei kündigte an, dass ausgebildete Pflegekräfte als Abgeordnete ihrer Partei mit den Wahlen in BW in den Landtag einziehen werden. Sie fordert einen "vollen Lohnausgleich für Pflegende in Teilzeit".

SPD-Spitzenkandidat Stoch bedankt sich bei Pflegedienstleister Oktay und schiebt nach: "Wir haben in Baden-Württemberg eine steigende Zahl von Menschen, die pflegebedürftig sind. Wir haben allerdings die höchsten Kosten bei der stationären Pflege." Er fordert einen Investitionskostenzuschuss und ein "Gehalt für pflegende Angehörige, weil oft Frauen davon betroffen sind, die ihre Arbeitszeit reduzieren müssen".

Grünen-Spitzenkandidat Özdemir verweist bei der Pflege auf einen hohen Eigenanteil. "Das ist mittlerweile eine wirtschaftliche Existenzfrage." Er will das Verfahren umdrehen: "Bis jetzt gibt es einen Zuschuss als Sockel, aber die Spitze des Risikos tragen Sie selber. Umgekehrt wird ein Schuh draus. Dann können die Menschen auch wieder menschenwürdig leben."

Faktenbasis: Russland-Kontakte (Özdemir)

Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir sagte: "Frohnmaier, über den der russische Geheimdienst, nicht ich, sagt, er steht unter vollständiger Kontrolle."

Özdemirs Aussage bezieht sich auf ein Papier, das 2017 in einer E-Mail an einen Beamten in der russischen Präsidialadministration geschickt worden sein soll, wie "Spiegel", ZDF, BBC und "La Repubblica" recherchiert haben. Frohnmaier wird in diesem Papier namentlich erwähnt. Die Recherchen basieren auf Material, das das Dossier Center in London zur Verfügung gestellt hat. Letzteres wird finanziert vom Putin-Kritiker Michail Chodorkowski. Konkret heißt es in dem Papier, Frohnmaier solle bei seiner Bundestagskandidatur unterstützt werden. Den Recherchen zufolge heißt es in dem Papier außerdem: "Er wird ein unter absoluter Kontrolle stehender Abgeordneter im Bundestag sein." Frohnmaier hatte daraufhin über seinen Anwalt dementiert, "Unterstützung finanzieller oder medialer Art in Kreisen der russischen Politik, Wirtschaft oder Zivil erbeten" oder bekommen zu haben.

Unsere Einschätzung: Frohnmaier fiel immer wieder mit russlandfreundlichen Aussagen auf - so etwa nach der völkerrechtswidrigen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland. Ein ehemaliger hochrangiger Nachrichtendienstmitarbeiter bewertete gegenüber "Spiegel" und ZDF das erwähnte Papier in Art und Aufbau als plausibel. Unterstützung aus Russland für Frohnmaier ist nicht nachgewiesen.

Faktenbasis: Abschiebungen (Rülke und Özdemir)

FDP-Spitzenkandidat Hans-Ulrich Rülke sagt in der Wahlarena: "…die Schlawiner, die tauchen unter und werden nicht abgeschoben - wir schieben zum Teil die Falschen ab. Wer sich ordentlich benimmt in unserem Land, der soll auch bleiben dürfen." Özdemir sagt kurz danach: "Die werden abgeschoben, weil sie pünktlich sind, bei der Arbeit sind, weil das leicht ist. Und an die anderen (Straftäter) kommt man nicht ran, das müssen wir ändern."

Im August wurde ein Fall eines jungen Geflüchteten bekannt, der trotz Einser-Abitur und laufenden Studiums in den Irak abgeschoben wurde, mittlerweile aber wieder zurück in Deutschland ist. Darauf hat sich auch Özdemir bezogen. Wie häufig Menschen in Ausbildung abgeschoben werden, wird statistisch nicht erfasst. Grundsätzlich schützt eine laufende Ausbildung nicht vor Abschiebung, sagen Experten. In Baden-Württemberg gibt es ein Expertenteam, dass sich speziell um die Abschiebung von schweren Straftätern kümmert. Diese können oft nicht abgeschoben werden, weil ihre Identität nicht klar ist. Vergangenes Jahr wurden laut Landesmigrationsministerium rund 1.000 Straftäter abgeschoben, so viele wie noch nie zuvor.

Unsere Einschätzung: Da es keine konkrete Zahl zu den Abschiebungen von Menschen in Ausbildung gibt, ist ein Vergleich mit der Zahl der abgeschobenen Straftäter nicht möglich.

Weiter geht's mit Gesundheit: Was ist im Pflegebereich geplant?

Der dritte Themenkomplex der Sendung hat begonnen. Es geht um Gesundheit. Der Film begleitet Mazlum Oktay aus Buchen (Neckar-Odenwald-Kreis). "Mir bereitet Sorge, dass wir immer mehr Pflegebedürftige haben und immer weniger Menschen, die die Pflege machen", sagt der 37-Jährige, der selbst als Pflegedienstleiter arbeitet. Außerdem ärgert er sich über das "Bürokratie-Monster", wie er es nennt. Oft verbringt er genau so viel Zeit im Büro wie mit den Menschen und der eigentlichen Pflege. In der Wahlarena stellt er zunächst klar: "Ich bin das Original, ich bin anatolischer Schwabe." Das ist eine Beschreibung, die Özdemir auch des Öfteren für sich selbst verwendet. Moderatorin Stephanie Haiber fragt deshalb nach, ob Özdemir ihn also nachmache. Oktay grinst, nickt und sagt: "Ja, genau." Der 37-Jährige will von den Spitzenkandidaten wissen: "Welche Rahmenbedingungen haben sie vor, anzupacken? Was wollen sie ändern? Welche Bürokratie wollen sie abbauen? Welche Möglichkeiten wollen Sie uns geben, damit wir auch leichter arbeiten können am Menschen und nicht nur an Papier und an Dokumentationspflichten?"

Frohnmaiers Ansichten zu Migration sorgen für Buhrufe in der Wahlarena

Beim Thema Migration und Kriminalitätsstatistik wird es emotional in der Wahlarena: Als der AfD-Spitzenkandidat seine Ansicht dazu erläutert, kommen Zwischenrufe aus dem Publikum. Er finde es "einigermaßen verstörend", dass im Studio gebuht werde, wenn er auf Fakten aufmerksam mache, so Frohnmaier. Damit werde der Beweis angeführt, warum es so schwierig sei, über das Thema zu sprechen, wenn man anderer Meinung sei. Moderatorin Stephanie Haiber entgegnet: Das habe sie ein bisschen anders empfunden. Es sei ein emotionales Thema und sie habe nicht den Eindruck, dass man in der Runde gegen Frohnmaier sei. "Wir sind ja alle hier, um endlich mal über ein Thema auch zu sprechen, das eben viele erregt", sagt Haiber.

Wahlprogramm der Linken: "BW Mindestlohn" und kostenfreie Ganztagsschulen

Während die Linke in ihrem Programm den Fokus auf bezahlbaren Wohnraum und die Gesundheitsversorgung setzt, fordert sie beim Thema Wirtschaft einen "BW Mindestlohn". Sie hat in ihrer Wirtschaftspolitik vor allem die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Blick. Diese würden den Reichtum der Wenigen erwirtschaften, jedoch kaum davon profitieren. Das Schulsystem soll langfristig umgebaut werden. Gymnasien sowie Werkreal- und Realschulen entfallen - dafür will die Partei kostenfreie Ganztagschulen einführen. In diesen Gesamtschulen soll jedes Kind das Recht auf einen Platz erhalten. Eine ausführliche Zusammenfassung des Programms mit Analysen eines Politikwissenschaftlers finden Sie hier.

Faktenbasis: Vermögen des Lidl-Gründers (Ghazaei)

Mersedeh Ghazaei (Linke) sagt in Bezug auf das Vermögen des Lidl-Gründers: "Dieter Schwarz, das ist ein Unternehmer, dem gehören Kaufland und Lidl, der ist hier in Baden-Württemberg, der hat 2,8 Milliarden (Euro)."

Dieter Schwarz ist der Gründer der Schwarz-Gruppe, zu der die Einzelhändler Lidl und Kaufland gehören, aber zum Beispiel auch ein Recycling- und Abfallunternehmen sowie zahlreiche IT-Dienstleister unter anderem Schwarz Digits. Da die Schwarz-Gruppe in einer Stiftung organisiert ist, gibt es - anders als bei börsennotierten Unternehmen - keinen offiziellen Marktwert. Das mit Abstand größte Unternehmen der Gruppe ist Lidl mit einem Jahresumsatz von 132 Milliarden Euro im Jahr 2024. Aus den öffentlich bekannten Zahlen lässt sich das Vermögen des Gründers Dieter Schwarz jedoch nicht genau ermitteln. Medien schätzen regelmäßig die Vermögen der reichsten Deutschen. Das "Manager Magazin" kam im Jahr 2025 auf ein geschätztes Vermögen von 46,5 Milliarden Euro. Damit lag der Heilbronner im Ranking auf Platz eins in Deutschland. Das "Forbes"-Magazin schätzt Schwarz' Vermögen auf 41 Milliarden Euro. Über wie viel Geld Schwarz persönlich verfügt und wie viel in der Stiftung gebunden ist, ist nicht bekannt.

Unsere Einschätzung: Ghazaei liegt mit ihrer Aussage zum Vermögen von  Schwarz deutlich daneben, es ist sehr wahrscheinlich deutlich größer. Genaue Zahlen sind jedoch nicht bekannt.

FDP, CDU und AfD zum Thema Migration

FDP-Spitzenkandidat Rülke versteht die Kritik an der Erstaufnahmestelle in Asperg: "Ich glaube, das ist kein geeigneter Standort in der Größenordnung von 2.000 Menschen. Ich würde mir wünschen, dass wir sehr viel stärker dahin kommen, dass wir klären, ob jemand kommen kann oder nicht, bevor er einreist. Das sollten wir vorher klären und dann brauchen wir auch weniger solcher Einrichtungen."

CDU-Spitzenkandidat Hagel spricht sich zuerst grundsätzlich dafür aus, die Zugangszahlen in Deutschland deutlich zu reduzieren. Und: "Der zweite Punkt ist, dass wir kleinere dezentrale Einheiten im Land machen. Das sei wichtig für das "Sozialgefüge vor Ort".

AfD-Spitzenkandidat Frohnmaier will eine Grenzschutzpolizei einführen - "analog zu Bayern", um "illegale Grenzübertritte" zu verhindern. Zudem sieht er es kritisch, dass in der Runde Migration "ausschließlich als Chance" gesehen werde. "Das ist wirklich eine Verhöhnung derjenigen, die Opfer der Messerattacken und Ähnliches geworden sind." Im Saal sind Buhrufe zu hören, daraufhin Frohnmaier: "Da kann das Publikum dann hier im Studio noch so buhen. Die Realität draußen sieht anders aus."

Flüchtlingsunterkünfte: Warum so groß und weit außerhalb?

Bei der Frage von Jürgen Ling aus Asperg, wie das mit der Integration von Geflüchteten klappen soll, wenn die Unterkünfte so groß und weit außerhalb gebaut werden, sind sich Ghazeai, Stoch und Özdemir einig: Die Einrichtungen seien in der Tat zu groß. Den Geflüchteten "wird ja faktisch die Chance genommen, sich zu integrieren, Teil des Lebens zu sein", sagt Linken-Spitzenkandidatin Ghazeai. SPD-Kandidat Stoch sieht in großen Unterkünften ein Problem, weil sie "problemintensiver" seien als kleinere. Seine Lösung: Schnelle Entscheidungen darüber, ob die Menschen bleiben dürfen oder nicht. Dem pflichtet der Grünen-Spitzenkandidat bei: "Und das macht man natürlich am besten, bevor man sie dezentral verteilt", sagt Özdemir.

Inzwischen geht's um Migration und Integration: Erstaufnahmestelle ohne Infrastruktur und ÖPNV?

Es geht weiter mit dem Themenkomplex zu Migration und Integration. Dieser beginnt mit einem Film über Jürgen Ling, der schon fast sein ganzes Leben in Asperg (Kreis Ludwigsburg) wohnt. Dort soll nun eine Erstaufnahmestelle des Landes für Geflüchtete entstehen. "Das macht mir Sorgen - wegen der Größe", sagt Ling. Die Erstaufnahmestelle sei für 1.000 bis 2.000 Personen geplant, auf einer Fläche, die derzeit noch ein Acker ist. Ling bemängelt, dass es keinerlei Infrastruktur und keinen öffentlichen Nahverkehr gebe, und fragt sich, was so viele Geflüchtete auf dem Gelände "anstellen" sollen. Er fürchtet, dass die Chance groß sei, dass es zu Streit komme. Seine Frage an die Spitzenpolitiker: "Warum müssen diese Flüchtlingsunterkünfte so riesig sein und so weit außerhalb gebaut werden?"

Wahlprogramm der AfD: Sicherheit und Migration

Die AfD setzt in ihrem Programm auf mehr Sicherheit durch Abschiebungen und zusätzliche Polizistinnen und Polizisten. Die Wirtschaft möchte sie unter anderem mit günstigeren Strompreisen durch "Energierabatte" ankurbeln. Landesbehörden und öffentliche Unternehmen sollen in Baden-Württemberg produzierte Autos anschaffen müssen. Außerdem will die AfD mit einer Landesagentur deutsche Fachkräfte, die im Ausland leben, zurückgewinnen und die Abwanderung von Menschen aus Baden-Württemberg ins Ausland stoppen. Eine ausführliche Zusammenfassung des Programms mit Analysen eines Politikwissenschaftlers finden Sie hier.

Die Aussagen der Spitzenkandidaten auf dem Prüfstand

Während die Sendung läuft, überprüft das SWR Fakten-Team BW parallel die Aussagen der beteiligten Politikerinnen und Politiker, ordnet sie ein und verifiziert sie. Die ersten gecheckten Aussagen, sind bereits im Blog. Ziel ist es, den Zuschauern und Lesern bei Einordnung und Analyse zu helfen und den Kontext herzustellen, um die Hintergründe zu verstehen. Das Team besteht aus erfahrenen Journalistinnen und Journalisten sowie Rechercheurinnen und Rechercheuren. Hier stellt das Team sich vor.

Das SWR Fakten-Team BW bei der Arbeit.
Das SWR Fakten-Team BW bei der Arbeit. Die ersten Aussagen sind bereits überprüft.

Faktenbasis: Stromsteuer (Özdemir)

Cem Özdemir (Grüne) sagte: "Berlin muss dafür sorgen, dass das Versprechen, dass die Stromsteuer für alle wegkommt, nicht nur für die Industrie, umgesetzt wird."

Die schwarz-rote Bundesregierung hatte im November 2025 beschlossen, das Energiesteuer- und Stromsteuergesetz zu ändern, um Unternehmen zu entlasten. Demnach zahlen Industrie, große Unternehmen sowie Land- und Forstwirtschaft eine reduzierte Stromsteuer - statt ca. 2 Cent pro Kilowattstunde nur noch 0,05 Cent pro Kilowattstunde. Diese Regelung gilt aber nicht für alle Unternehmen, sondern erst ab einem Stromverbrauch von mindestens 12.500 Kilowattstunden pro Jahr. Darunter fallen bundesweit nach Angaben der Bundesregierung rund 600.000 Firmen, auch viele mittelgroße wie etwa Handwerksbetriebe. Für kleine Unternehmen und Privathaushalte gilt diese Regelung allerdings nicht. Im Koalitionsvertrag war ursprünglich vereinbart worden, dass der verminderte Steuersatz von 0,05 Cent pro Kilowattstunde für alle Stromkunden gelten soll. Das wurde bisher nicht umgesetzt.

Unsere Einschätzung: Es stimmt, dass die Bundesregierung ihr Versprechen, alle Stromkunden zu entlasten, noch nicht umgesetzt hat. Allerdings gilt der bisher beschlossene, reduzierte Steuersatz nicht "nur für die Industrie", wie Özdemir behauptete.

Özdemir über Frohnmaier: "Der hat so viel Kreide gegessen"

Eigentlich ging es gerade um die Frage eines Zuschauers, wie die Politik dafür sorgen will, dass am Ende des Monat mehr im Geldbeutel der Menschen übrig bleibt. AfD-Spitzenkandidat Frohnmaier führt als Erster aus, kritisiert etwa, dass die Bürgerinnen und Bürger immer stärker belastet würden - und wirft den Grünen und CDU als Regierungsparteien vor, "das mitorganisiert" zu haben.

Als Özdemir im Anschluss an der Reihe ist, wendet er sich - mit recht deutlichen Worten - an den AfD-Politiker: "Und da gibt es den Frohnmaier für die Talkshows, da gibt es den Frohnmaier fürs Fernsehen. Das ist ein Wolf im Schafspelz, der hat so viel Kreide gegessen, dass es bald keine Kreide mehr in Baden-Württemberg gibt." "Wird man dann polemisch?", entgegnet Frohnmaier.

Selbst der russische Geheimdienst sage, dass Frohnmaier unter "vollständiger Kontrolle" stehe, wirft ihm dann Özdemir vor. Frohnmaier streitet ab, bezichtigt den Grünen der Lüge. Özdemir weist den AfD-Politiker darauf hin, dass er mit Sprechen an der Reihe sei. "Bei Herrn Putin kann man mir das Wort abschneiden - hier Gott sei Dank nicht. Wir sind hier in der Freiheit." Dafür gibt es Applaus in der Wahlarena.

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