Vor der Landtagswahl haben wir die Menschen in Baden-Württemberg gefragt, was sie bewegt. Über unseren Aufruf hat sich zum Beispiel Claudia Gansel aus Weil der Stadt (Kreis Böblingen) gemeldet. Die 59-Jährige wohnt im Teilort Hausen, der idyllisch-ländlich im Würmtal liegt. Das macht das Hin- und Wegkommen aber schwierig: Der Bus fährt meist nur ein Mal in der Stunde - und in den Randzeiten wird es ganz dünn.
Autofahrerin: Nahverkehr auf dem Land muss auch nutzbar sein
"Ich würde mir wünschen, dass der öffentliche Nahverkehr im ländlichen Raum besser ausgebaut ist, dass man auch die Chance hat, ihn zu nutzen", sagt sie. Sie selbst arbeitet im Schichtbetrieb in einem Chemieunternehmen in Böblingen, gut 30 Kilometer entfernt. Sie kann wählen: Eine halbe Stunde recht verlässlich mit dem Auto oder eineinhalb Stunden mit Bus und S-Bahn - wenn alles glatt geht. Zu Beginn der Früh- oder Ende der Spätschicht wird es noch unattraktiver.
Besserer ÖPNV, dafür Verzicht auf Pendler-Pauschale
Auch für ihre drei mittlerweile erwachsenen Töchter waren die spärlichen Busverbindungen etwa zur Schule nach Pforzheim und die ewigen Elterntaxi-Fahrten zu Freunden und Freizeitaktivitäten eine Last. "Deshalb wünsche ich mir, dass mehr Busse fahren und dass man hier auch zu vernünftigen Zeiten weg- und wieder herkommt", sagt Claudia Gansel. Klar, dass das Geld kostet. Aber sie würde gerne auf die Pendler-Pauschale verzichten, wenn das Land dafür mehr in den ÖPNV investiert.
Deutschlandticket "eine tolle Idee"
Denn auch, wenns im ÖPNV immer etwas länger dauert: Aus ökologischen Gründen würde sie trotzdem gerne umsteigen. Statt dem teuren Sprit würde Gansel ihr Geld lieber in ein Deutschlandticket stecken - denn das sei "einfach eine tolle Idee". Wenn da mehr Impulse aus der Politik kämen, gerade mit Blick auf die Landtagswahl: Claudia Gansel würde sich freuen. Das Deutschlandticket kostet seit Januar 63 Euro. Es kann in ganz Deutschland im Nah- und Regionalverkehr in der zweiten Klasse genutzt werden - in Bussen, Bahnen, U-Bahnen und Regional-Zügen. Die Frage ist nur, was das Deutschlandticket Claudia Gansel bringen würde, wenn der ÖPNV in ländlichen Regionen nicht gut genug ausgebaut ist.
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Ob zur Arbeit oder zum Arzt - nicht überall geht das mit Bus oder Bahn. Vor allem abends gibt es Lücken. Eine Analyse über die Versorgung im Land und mögliche Alternativen.
Wunsch nach sicherem Radweg in Mannheim
Arne Warnke, 41 Jahre alter Mathematiker aus Mannheim, hat dem SWR geschrieben, dass er sich von der Politik vor allem sichere Radwege wünscht. Warnke ist Mitglied im ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) und seine "Haus-Radstrecke" im Süden Mannheims ist auf den ersten Blick ein Vorzeige-Radweg: breit, rot-gepflastert und da, wo es über querende Straßen geht, ist die Straße extra rot markiert, zusätzlich mit blau-weißen Fahrradsymbolen.
Gefahr wegen Vorfahrts-Missachtung
Doch besonders an einer Straßenquerung (Steubenstraße/Feldbergstraße) kommt es laut Warnke immer wieder zu Beinahe- oder echten Unfällen zwischen Radfahrenden und Autos. Das liege daran, klagt Warnke, dass Autofahrerinnen und Autofahrer dort oft einfach ab- oder einbögen ohne dabei die Vorfahrt der Radfahrenden zu achten. Die Polizei bestätigte auf SWR-Anfrage, dass sich die "Unfallsituation an der genannten Örtlichkeit gegenwärtig wieder verschlechtert". Es würden nun "ergänzende bauliche oder verkehrsregelnde Maßnahmen" geprüft.
Viele Unfälle passieren durch Abbiegevorgänge, wo Autofahrende eigentlich warten müssten, es aber nicht tun.
Radweg in Mannheim: "Mach den Schulterblick, mach auf dich aufmerksam"
Arne Warnke nutzt den Radweg auch öfter mit seinen beiden acht und fünf Jahre alten Kindern. Denen versuche er so früh wie möglich beizubringen: "Halt an, verzichte auf deine Vorfahrt, mach einen Schulterblick, guck nach links hinten, guck nach rechts, ob die Autos wirklich halten, mach auf dich aufmerksam." Alleine dürften die Kinder hier nicht fahren. Entweder sei er dabei oder die Mutter, so Warnke.
Wunsch an Politik: Tempo 30 und Bodenschwellen
Er wünscht sich von der Politik, dass auf der Straße Tempo 30 für Autofahrende eingeführt wird (aktuell Tempo 50), außerdem Bodenschwellen - und zwar dort, wo der Radweg über die Straße führt. Tatsächlich ist immerhin die Temporeduzierung auf 30 km/h politisch auf dem Weg. Es gibt dazu einen Beschluss des Mannheimer Gemeinderats aus dem vergangenem Sommer. Wann die Geschwindigkeitsbegrenzung tatsächlich eingeführt wird, ist aber noch offen. Der Grund dafür ist ein offensichtlich sehr kompliziertes Verfahren.
Stadt Mannheim: "Noch viele Arbeitsschritte erforderlich"
Ein Stadtsprecher teilte dem SWR dazu auf Anfrage mit, für die Temporeduzierung seien "noch viele Arbeitsschritte erforderlich". In seinen weiteren Erklärungen kommen Begrifflichkeiten wie "Ausführungsplanung" vor, außerdem Veränderungen "straßenverkehrsrechtlich relevanter Verkehrszeichen" und kleinteilige Genehmigungen, die es für jeden Schritt brauche. Dazu müsse natürlich die Finanzierung gesichert sein. Das könnte schwierig werden, gerade mit Blick auf den aktuellen Sparhaushalt der Stadt Mannheim. Immerhin: "Die Umsetzung des Lärmaktionsplans beginnt voraussichtlich 2026 mit priorisierten Straßen." Ob da aber die Straße mit Arne Warnkes Radweg dabei ist, ist unklar.