Anti-Aging ohne Chemie

Diese Lebensmittel verjüngen die Haut!

Studien legen nahe, dass bestimmte Lebensmittel der Hautalterung entgegenwirken können. Was können Brokkoli, Kurkuma und Weinblätter wirklich?

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Von Autor/in Heike Scherbel

Mit den Jahren wird unsere Haut trockener, rauer und bekommt Falten – der natürliche Alterungsprozess. "Eine spannende Erkenntnis ist, dass sich in der Haut sogenannte seneszente Zellen anreichern, die die Hautalterung antreiben", erklärt Prof. Karin Scharffetter-Kochanek, Dermatologin am Universitätsklinikum Ulm.

Die Frage ist: Kann diese Erkenntnis dabei helfen, die Hautalterung aufzuhalten?

Karotten, Johannisbeeren und Spinat für schöne Haut

Prof. Florian Gruber erforscht an der Medizinischen Universität Wien seit vielen Jahren, warum und wie unsere Haut altert. Er hat herausgefunden: Bestimmte Inhaltsstoffe in Lebensmitteln können den Alterungsprozess von Hautzellen deutlich verlangsamen.

"In Karotten haben wir Beta-Carotin. Das ist hervorragend für den DNA-Schutz. Dann haben wir hier noch roten Johannisbeeren, die enthalten Anthocyane, die ebenfalls ein sehr guter antioxidativer Schutz sind, und nicht zuletzt haben wir hier den Spinat, der enthält Folsäure. Das ist ein Stoff, der die Schäden an unseren Zellen geringhalten kann“, erklärt der Biologe.

Nüsse und Hülsenfrüchte

Auch Nüsse und Hülsenfrüchte, wie Kichererbsen, Bohnen oder Linsen und in Maßen auch Geflügel und Fisch tragen dazu bei, die Haut länger gesund zu halten.

"Die wahrscheinlich effektivste Strategie ist die mediterrane Diät, so wie wir sie aus unserem Sommerurlaub kennen: reich an Obst und Gemüse, an Fisch, dafür weniger rotes Fleisch." Große Studien hätten auch gezeigt, dass Olivenöl die Hautalterungszeichen vermindern könne, so Prof. Gruber.

Brokkoli für jüngere Haut

Eine besonders interessante Pflanze sei der Brokkoli, sagt Prof. Gruber – wegen des enthaltenen Sulforaphans. „Sulforaphan ist ein Stoff, der von den Zellen aufgenommen wird und dort einen Schalter umlegt. Dieser Schalter heißt NRF2.“

NRF2 aktiviert das zelleigene Schutzprogramm. Dadurch können Zellen besser auf schädigende Einflüsse reagieren – etwa durch UV-Strahlen.

Diesen Effekt kann Prof. Gruber im Labor im Labor demonstrieren: In von UV-Strahlung geschädigten Zellen kann mittels Brokkoli-Extrakts NRF2 aktiviert werden. Doch ob die Aufnahme von Brokkoli in unserem Körper den gleichen Effekt hat, ist noch unklar – dazu fehlen umfassende Humanstudien. Ein weiteres Problem: Sulforaphan ist nur bedingt hitzebeständig.

Professor Gruber empfiehlt deshalb, Brokkoli roh zu essen.

Deshalb sind Äpfel gut für die Haut

Auch Äpfel sind gut für unsere Haut. Sie unterstützen ein Reingungs- und Abbausystem in unseren Zellen, die sogenannte Autophagie.

„Die Autophagie funktioniert wie eine Recycling-Anlage. Dabei wird nicht benötigtes oder kaputtes Material in der Zelle in Tüten verpackt und wieder aufgeschmolzen“, erklärt Prof. Gruber. Im Alter funktioniert dieser Prozess nicht mehr so gut – kaputtes Material bleibt in den Zellen.

Auch beispielsweise Weizenkeime, Haferflocken, Bohnen und Blumenkohl unterstützen neben Äpfeln die Autophagie.

Sie enthalten nämlich, genauso wie unsere Zellen, den Stoff Spermidin. Dazu wird gerade intensiv geforscht – auch im Zusammenhang mit Fasten.

So legen Studien nahe, dass die Gabe von Spermidin in Verbindung mit Fasten (auch Intervall-Fasten) die Autophagie deutlich verbessert.

Rezept aus Doc Fischer zu Anti-Aging Brokkolisuppe mit Rohkost-Booster

Nicht alle gesunden Inhaltsstoffe im Brokkoli sind hitzebeständig. Bei diesem Gericht kommt daher roher Brokkoli als Topping zum Einsatz.

Doc Fischer SWR

Zombiezellen oder seneszente Zellen: Erklärung

Wenn die Reparatursysteme versagen, bleiben geschädigte Zellen zurück. Diese Zellen nennt man seneszente Zellen - oder umgangssprachlich Zombiezellen.

Sie teilen sich nicht mehr, verbleiben aber im Gewebe und schütten entzündungsfördernde Botenstoffe aus.

In jungen Jahren räumt das Immunsystem sie noch gut weg. Mit zunehmendem Alter klappt das immer schlechter – Falten sowie andere Alterungszeichen nehmen zu.

Cremes gegen Zombiezellen?

Seneszente Zellen werden derzeit intensiv wissenschaftlich untersucht. Auch Professorin Karin Scharffetter-Kochanek und ihr Team im Ulmer Zentrum für Experimentelle Dermatologie beschäftigen sich damit. Ein Ansatz, den sie und ihr Team verfolgen, besteht darin, sogenannte natürliche Killerzellen zu stärken, damit diese den seneszenten Zellen zu Leibe rücken.

Die Abtötung von seneszenten Zellen nennt man Senolyse. Sie lässt sich entweder durch gestärkte natürliche Killerzellen fördern oder aber durch bestimmte Wirkstoffe. Auch daran wird in Ulm geforscht: „Präklinisch sind wir sehr weit“, sagt Prof. Scharffetter-Kochanek. „Es gibt verschiedene kleine Substanzen, die in Cremes eingearbeitet wurden, die tatsächlich aus der Haut seneszente Zellen vermindern oder entfernen können.“

Diese Cremes sind noch nicht verfügbar. Wir können jedoch durch unseren Lebensstil beeinflussen, dass sich weniger geschädigte Zellen im Körper bilden. So kann Sport laut Studien die Seneszens von Zellen unterdrücken „und zwar nicht nur von Hautzellen, sondern auch von Zellen des Immunsystems“, erklärt die Dermatologin. Auch die kalorische Restriktion könnte eine große Rolle spielen – also, nicht so viel zu essen.

Kurkuma und grüner Tee gegen Falten?

Außerdem kommt darauf an, was man isst. Der Wiener Professor Florian Gruber forscht ebenfalls zur Seneszenz und kennt einige besondere Lebensmittel, die die Senolyse fördern.

Dazu gehören Gewürze wie Langpfeffer oder Kurkuma. Und auch Weinblätter. „Weinblätter enthalten Quercetin. Viele Studien haben gezeigt, dass dieser Stoff seneszente Zellen töten kann.“

Auch grüner Tee soll der Hautalterung entgegen wirken, danke des enthaltenen EGCG. Der Stoff soll gegen DNA-Schäden helfen, die von UV-Strahlung hervorgerufen wurden.

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Leute SWR1 Rheinland-Pfalz

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Autor/in
Heike Scherbel
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Sola Hülsewig