Alle sechs Minuten stirbt ein Mensch durch Sepsis oder Blutvergiftung
Alle sechs Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch an einer Blutvergiftung oder Sepsis. Im Jahr sind das rund 85.000 Menschen.
Das sind erschreckende Zahlen, vielleicht auch deshalb, weil viele nicht genau wissen, was eine Blutvergiftung ist oder wie man eine Sepsis erkennt.
Wir haben mit dem Intensivmediziner und Leiter des Sepsis-Dialoges an der Uni Greifswald, Doktor Matthias Gründling gesprochen, der auch Teil der bundesweiten Kampagne #DeutschlandErkenntSepsis ist.
Dr. Gründling zu den Symptomen einer Sepsis oder Blutvergiftung
SWR1: Was sind Symptome, bei denen man zumindest mal an eine Blutvergiftung denken sollte?
Dr. Matthias Gründling: Das sind leider ganz allgemeine Symptome, wie schweres Krankheitsgefühl oder Unwohlsein.
Dann kommen aber ein paar Organsymptome wie schnelle Atmung, schneller Herzschlag, niedriger Blutdruck oder schlechte Urinausscheidung und Verwirrtheit bis hin zur Bewusstlosigkeit, also Störungen im Gehirn dazu.
Die Patientinnen und Patienten sagen ganz oft, sie fühlen sich "todeskrank" und haben noch nie solche Angst gehabt. Sie sehen, das sind leider sehr unspezifische Zeichen, ganz anders als bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Dr. Gründling: So entsteht eine Sepsis oder Blutvergiftung
SWR1: Wie entsteht eine Blutvergiftung, was passiert genau im Körper?
Gründling: Es ist so, dass immer eine Infektion dazu gehört. Normalerweise kann der Körper so eine Infektion abwehren, zum Beispiel wenn sich nach einer Verletzung ein Finger entzündet […].
Hier gerät diese Infektabwehr außer Kontrolle und die Botenstoffe und Immunzellen richten sich plötzlich gegen den eigenen Körper und es gibt eine außer Kontrolle geratene Immunreaktion.
Die führt am Ende dazu, dass es ein Organversagen gibt, also das Gehirn, die Lunge, die Nieren, dann plötzlich nicht mehr richtig funktionieren.
Dr. Gründling: Sepsis oder Blutvergiftung vorbeugen geht!
SWR1: Kann man irgendwie vorbeugen?
Gründling: Vorbeugung ist natürlich möglich! Erstmal ist das Verhindern einer jeden Infektion, das ist der erste Schritt, schon mal eine Vorbeugung.
Dann ist ganz wichtig, dass sich Risikopatienten zum Beispiel gegen Pneumokokken impfen lassen. Auch jede Grippeimpfung ist so eine Form der Vorbeugung. Dann ist natürlich eine gesunde Lebensweise, viel Bewegung und diese allgemeinen Dinge, auch eine Art der Vorbeugung.
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